Haus­mit­tei­lung

Mül­ler

Nach der Kanz­le­rin ist Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­den­tin Clau­dia Roth die größ­te Hass­fi­gur der AfD und ih­rer An­hän­ger. Haupt­stadt­kor­re­spon­den­tin Ann-Kat­rin Mül­ler woll­te da­her mit der Grü­nen­po­li­ti­ke­rin dar­über spre­chen, wie sie es schaf­fen will, sich nicht von den Rechts­po­pu­lis­ten pro­vo­zie­ren zu las­sen, ob­wohl die AfD-Ab­ge­ord­ne­ten ge­nau dies per­ma­nent tun. Kei­ne Zeit, sag­te Roths Büro. Kei­ne Lust, der AfD so viel Raum zu ge­ben, er­klär­te Roth selbst. Am Ende wur­den es doch fünf Tref­fen. »Roth spricht ein­fach lei­den­schaft­lich gern über De­mo­kra­tie«, sagt Mül­ler, »sie macht sich vie­le Ge­dan­ken dar­über, wie sich der Bun­des­tag ver­än­dern muss, um wehr­haft zu blei­ben.« zum Ar­ti­kel

Der jun­ge Bon­ner Ma­the­ma­ti­ker Pe­ter Schol­ze, 30, wird welt­weit ge­fei­ert für sei­ne oft ver­blüf­fen­den Ide­en. Er könn­te längst auf hoch do­tier­ter Stel­le in Pa­ris oder Bos­ton for­schen, aber er zieht die rhei­ni­sche Pro­vinz vor – wo we­nig ab­lenkt, lässt sich umso tie­fer grü­beln. Ver­schla­fen­heit ist für Schol­ze ein Stand­ort­fak­tor. Wis­sen­schafts­re­dak­teur Man­fred Dworschak traf sich in Bonn mit Kol­le­gen und Weg­be­glei­tern des Zah­len­zau­be­rers, der als Jahr­hun­dert­ta­lent gilt. Sie be­stä­tig­ten ihm, dass der Meis­ter sei­ne Theo­ri­en kom­plett im Kopf ent­wer­fe; er ma­che sich nicht ein­mal No­ti­zen. »Schon al­lein das Auf­schrei­ben stört ihn of­fen­bar beim Den­ken«, sagt Dworschak, der wie­der­um bei In­ter­views nie ohne Block und Stift un­ter­wegs ist. zum Ar­ti­kel

Nes­hi­tov

Was pas­siert mit ei­nem ge­wöhn­li­chen Bür­ger, der in Pu­tins Russ­land auf­be­gehrt? Igor Wo­stri­kow, 31, ein Schuh­händ­ler aus dem si­bi­ri­schen Ke­me­ro­wo, hat das ver­sucht. Sein An­trieb: die Wut. Beim Brand ei­nes Ein­kaufs­zen­trums Ende März ver­lor Wo­stri­kow sei­ne Fa­mi­lie. Erst gab er Prä­si­dent Pu­tin die Schuld, dann »dem Sys­tem«, dann ging er in die Lo­kal­po­li­tik – aus­ge­rech­net auf der Lis­te der Re­gie­rungs­par­tei. SPIEGEL-Re­dak­teur Ti­mo­fey Nes­hi­tov hat Wo­stri­kow in Ke­me­ro­wo und im Ur­laub auf der an­nek­tier­ten Krim be­glei­tet. »Er ist un­heim­lich stark in sei­nem Um­gang mit Schmerz«, sagt Nes­hi­tov. »Aber auch ver­un­si­chert, von Selbst­zwei­feln ge­plagt und miss­trau­isch.« Bei ei­nem ge­mein­sa­men Ba­de­aus­flug frag­te Wo­stri­kow den Re­por­ter: »War­um hat mich der SPIEGEL kon­tak­tiert? Ha­ben mich auch deut­sche Ge­heim­diens­te auf dem Ra­dar?« zum Ar­ti­kel

Manch­mal lie­fern Re­cher­chen Ant­wor­ten auf Fra­gen, die man gar nicht ge­stellt hat. SPIEGEL-Mit­ar­bei­ter Mi­cha­el Sont­hei­mer woll­te beim Ber­li­ner Lan­des­ar­chiv die Ak­ten des Ber­li­ner Ver­fas­sungs­schut­zes über sich selbst und an­de­re Grün­der der »taz« ein­se­hen. Die Ak­ten wa­ren of­fen­bar ver­nich­tet, aber das Lan­des­ar­chiv bot ihm Tei­le der Ver­fas­sungs­schutz­ak­te über Rudi Dutsch­ke an, den Kopf der Stu­den­ten­be­we­gung von 1968. Sont­hei­mer fand Be­wei­se da­für, dass SPIEGEL-Grün­der Ru­dolf Augstein nach dem At­ten­tat auf Dutsch­ke die­sen drei Jah­re lang fi­nan­zi­ell un­ter­stützt hat. Hau­ke Jans­sen, Lei­ter der SPIEGEL-Do­ku­men­ta­ti­on, steu­er­te aus den Tie­fen des Haus­ar­chivs den bis­lang un­be­kann­ten Brief­wech­sel zwi­schen Augstein und Dutsch­ke bei. »Der Aus­tausch zeigt: Die bei­den hat­ten nicht nur den Vor­na­men Ru­dolf ge­mein­sam, son­dern wa­ren sich – trotz kla­rer po­li­ti­scher Un­ter­schie­de – in Sym­pa­thie zu­ge­tan«, sagt Sont­hei­mer. zum Ar­ti­kel