Per­so­na­lien

Ehre in XXL

• Übergro­ße Hel­den wol­len über­groß ge­fei­ert wer­den. So schmück­te lan­ge Zeit ein Rie­sen­bild des fran­zö­si­schen Fuß­ball­idols Ziné­di­ne Zi­da­ne eine Haus­fas­sa­de in der Ha­fen­stadt Mar­seil­le. Glei­ches wi­der­fährt nun dem neu­en fran­zö­si­schen Su­per­star der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft: Ky­li­an Mbap­pé, 19. Die Eh­rung ver­lief al­ler­dings nicht ohne Hin­der­nis­se und Strei­te­rei­en: Be­reits wäh­rend der WM hing in Mbap­pés Ge­burts­stadt Bon­dy – mehr oder we­ni­ger be­ach­tet – ein Rie­sen­bild des jun­gen Sport­lers an der Fas­sa­de ei­nes zehn­stö­cki­gen So­zi­al­woh­nungs­baus nahe ei­ner Au­to­bahn. Als das Bild vor dem Fi­na­le von ei­ner Wer­bung für den Bau­markt Cas­t­o­ra­ma er­setzt wur­de, be­stürz­te das nicht nur ein­ge­fleisch­te Fuß­ball­fans. Vie­le Bür­ger von Bon­dy, ei­nem für Kri­mi­na­li­tät und hohe Ar­beits­lo­sig­keit be­rüch­tig­ten Vor­ort von Pa­ris, for­der­ten laut­stark ihr Mbap­pé-Bild zu­rück. In den so­zia­len Netz­wer­ken pro­tes­tier­ten sie ge­gen den Bau­markt, die­ser beug­te sich dem Druck und er­klär­te den vor­läu­fi­gen Ver­zicht auf sein Wer­be­pla­kat. Ab Don­ners­tag hängt wie­der ein Bild mit Ky­li­an Mbap­pé an der Haus­fas­sa­de.

Alles nur Kulisse

• Dass sie nicht nur eine prä­gnan­te Cha­rak­ter­dar­stel­le­rin ist, son­dern auch fürs ganz leich­te Fach taugt, be­wies Me­ryl Streep, heu­te 69, spä­tes­tens vor zehn Jah­ren. Nicht zu­letzt dank ih­res Mit­wir­kens war das Film­mu­si­cal »Mam­ma Mia!« 2008 ein gro­ßer kom­mer­zi­el­ler Er­folg. In der Wer­bung für die Fort­set­zung »Mam­ma Mia! Here We Go Again« kam Streep wie­der als Zug­pferd zum Ein­satz. Tat­säch­lich taucht sie aber nur mit drei Ge­sangs­ein­la­gen auf, am Ende des Films, der seit Don­ners­tag in den Ki­nos läuft. Es han­delt sich um In­nen­auf­nah­men, Streep ab­sol­vier­te ihre Auf­trit­te im Stu­dio. Die grie­chi­sche In­sel Sko­pe­los, auf der sie mit ih­ren Kol­le­gen Pier­ce Bros­nan, Co­lin Firth, Aman­da Sey­fried und an­de­ren wäh­rend der Dreh­ar­bei­ten zum ers­ten Teil da­mals of­fen­bar viel Spaß hat­te, ist oh­ne­hin aus dem Spiel. Die Ge­schich­te spielt zwar am sel­ben fik­ti­ven Ort, ge­dreht wur­de je­doch die­ses Mal in Kroa­ti­en, auf der eben­falls ma­le­ri­schen In­sel Vis. Die Be­woh­ner von Sko­pe­los sind trau­rig. Als die Mam­ma-Mia-In­sel hat­te ihre Hei­mat ei­ni­ge Be­su­cher an­ge­zo­gen, ir­gend­wie fühl­ten sie sich mit­ver­ant­wort­lich für den Er­folg des Films – und am Dreh ver­dient ha­ben auch vie­le. Kit­schi­ge Abba-Sou­ve­nirs oder Dan­cing-Queen-Cock­tails hät­ten aber nie zur De­bat­te ge­stan­den, sagt eine Ho­tel­be­trei­be­rin, die Leu­te sei­en we­gen der un­ver­dor­be­nen Schön­heit der In­sel ge­kom­men, die der Film ge­zeigt habe. Ein Mann habe mal ein Mam­ma-Mia-Café auf­ge­macht, nach nur ei­nem Jahr muss­te er es wie­der schlie­ßen.

2006

Dame, König, Spion

• Die deutsch-dä­ni­sche Ge­schäfts­frau Co­rin­na zu Sayn-Witt­gen­stein, 54, die den Adels­ti­tel ei­ner in­zwi­schen ge­schie­de­nen Ehe ver­dankt, bringt den frü­he­ren spa­ni­schen Kö­nig Juan Car­los, 80, er­neut in Schwie­rig­kei­ten. 2012 war sei­ne »in­ni­ge Freun­din« auf­ge­flo­gen, als sie ihn auf eine Ele­fan­ten­jagd in Bots­wa­na be­glei­te­te, bei der sich der Mon­arch die Hüf­te brach. Der Skan­dal und an­de­re Es­ka­pa­den des Staats­ober­haupts wa­ren mit­ver­ant­wort­lich für sei­ne Ab­dan­kung 2014. Nun ha­ben spa­ni­sche On­line­me­di­en den Mit­schnitt ei­nes Ge­sprächs ver­öf­fent­licht, das die ent­täusch­te Be­glei­te­rin an­geb­lich 2015 in Lon­don mit dem spa­ni­schen Po­li­zei­of­fi­zier José Ma­nu­el Vil­la­re­jo ge­führt ha­ben soll. Dar­in heißt es, Juan Car­los habe für die Ver­mitt­lung ei­nes Auf­trags 80 Mil­lio­nen Euro Pro­vi­si­on von Sau­di-Ara­bi­en ge­nom­men und auf ihr Schwei­zer Kon­to trans­fe­riert. Auch ein Grund­stück in Ma­rok­ko habe er ihr über­schrie­ben, um den Fis­kus zu um­ge­hen. Ob die Auf­nah­men im Ein­ver­neh­men oder heim­lich ge­macht wur­den, ist nicht be­kannt. Der pen­sio­nier­te Po­li­zist sitzt seit No­vem­ber in Haft. Er wird be­schul­digt, mit­hil­fe von Kol­le­gen ein Spio­na­ge­netz auf­ge­baut zu ha­ben, um Pro­mi­nen­te zu er­pres­sen. Nun for­dern Geg­ner der Mon­ar­chie eine par­la­men­ta­ri­sche Un­ter­su­chung ge­gen Juan Car­los, der nicht län­ger Im­mu­ni­tät ge­nießt.

1976

KGB im Kino

• Als er das höchs­te Amt an­trat, hiel­ten ihn vie­le für un­be­re­chen­bar und ge­fähr­lich. Heu­te gilt er als ei­ner der größ­ten Prä­si­den­ten der USA – zu­mal Do­nald Trump Tag für Tag zeigt, was ein ech­ter Quer­schlä­ger ist. Ro­nald Rea­gan, 2004 ver­stor­ben, wird nun Held ei­nes Ki­no­films, der ab Herbst ge­dreht wer­den soll. Den­nis Quaid, 64, der schon mehr­fach ame­ri­ka­ni­sche Na­tio­nal­hel­den wie zum Bei­spiel Sam Hous­ton ge­spielt hat, soll ihn ver­kör­pern. Schon zu Leb­zei­ten Rea­gans gab es Ver­su­che, sei­ne Vita zu ver­fil­men. Hol­ly­wood hat­te ein ge­spann­tes Ver­hält­nis zu dem Prä­si­den­ten, der Schau­spie­ler ge­we­sen war, be­vor er in die Po­li­tik wech­sel­te. Der kon­ser­va­ti­ve Re­pu­bli­ka­ner war für vie­le Film­schaf­fen­de lan­ge ein Feind­bild. Noch vor zwei Jah­ren woll­te Will Fer­rell eine Ko­mö­die über Rea­gans be­gin­nen­de Alz­hei­mer-Er­kran­kung dre­hen. Der Quaid-Film will Rea­gan nun Ge­rech­tig­keit wi­der­fah­ren las­sen und auch sei­nen Bei­trag zum Fall der Ber­li­ner Mau­er wür­di­gen. Das Dreh­buch von »Rea­gan«, wie das Pro­jekt schlicht be­ti­telt ist, ba­siert an­geb­lich auf In­ter­views mit über 50 Zeit­zeu­gen, po­li­ti­schen Weg­ge­fähr­ten und Rea­gans Leib­arzt. Pi­kan­ter­wei­se soll der Film aus der Sicht ei­nes KGB-Agen­ten er­zählt wer­den. Auch im Kino kommt ame­ri­ka­ni­sche Po­li­tik ohne den rus­si­schen Ge­heim­dienst of­fen­bar nicht aus.

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