Per­so­na­lien

Ewiges Leben

Der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler und ehe­ma­li­ge Wer­be­tex­ter Frédé­ric Beig­be­der, 52, po­siert in wei­ßem Sak­ko auf dem Co­ver des Kul­tur­ma­ga­zins »Tech­nik­art« – und sieht da­bei ganz schön alt aus: Per Com­pu­ter ließ er sein Ge­sicht ver­frem­den, um sein neu­es Buch zu prä­sen­tie­ren. »Une vie sans fin« (etwa: »Ein end­lo­ses Le­ben") ist wie an­de­re sei­ner Ro­ma­ne ("39,90«, »Win­dows on the Word") au­to­bio­gra­fisch. Gleich­zei­tig lie­fert Beig­be­der eine aus­führ­li­che Re­cher­che über Tod, Un­sterb­lich­keit und Fort­schrit­te der Me­di­zin. Der Au­tor, be­kannt für sei­nen aus­schwei­fen­den Le­bens­wan­del, sprach mit Wis­sen­schaft­lern in Je­ru­sa­lem und Genf. Er un­ter­zog sich ei­ner Ent­gif­tungs­kur und ei­ner Blut­la­ser­the­ra­pie am Wör­ther­see in Öster­reich. Die Fort­schrit­te der Wis­sen­schaft zur ewi­gen Ju­gend sei­en be­ein­dru­ckend, meint Beig­be­der, der bald zum drit­ten Mal Va­ter wird: »Hof­fent­lich kann ich ein­mal sa­gen: Mit 99 Jah­ren geht das Le­ben erst los!« Ärger­lich fän­de er, wenn er ster­ben wür­de, be­vor eine wis­sen­schaft­li­che Ent­de­ckung das für ihn er­mög­li­che.

Aschenputtel on Ice

Als im Win­ter 1994 öf­fent­lich wur­de, dass die Eis­kunst­läu­fe­rin Tonya Har­ding in ei­nen An­schlag auf ihre Kon­kur­ren­tin Nan­cy Ker­ri­gan ver­wi­ckelt war, nann­ten die Me­di­en sie »Eis­he­xe«. Im Film »I, Tonya«, der am 22. März in die deut­schen Ki­nos kommt, spielt die Aus­tra­lie­rin Mar­got Rob­bie, 27, den eins­ti­gen Schlitt­schuh­star als das trot­zi­ge und rot­zi­ge Aschen­put­tel ei­nes ziem­lich eli­tä­ren Sports. Sechs Mo­na­te habe sie sich auf die­se Rol­le vor­be­rei­tet, er­zähl­te Rob­bie jetzt dem ame­ri­ka­ni­schen »Rol­ling Sto­ne«. Sie habe zahl­lo­se Film­do­ku­men­te ge­sich­tet, Schlitt­schuh­lau­fen ge­lernt und sich mit Har­ding ge­trof­fen. Die Ame­ri­ka­ne­rin stamm­te aus ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen und wur­de von ih­rer Mut­ter zu ei­ner Sport­le­rin auf Welt­ni­veau ge­drillt. Ein ge­dun­ge­ner Schlä­ger ver­letz­te Ker­ri­gan we­ni­ge Wo­chen vor den Olym­pi­schen Spie­len in Lil­le­ham­mer mit ei­nem Schlag­stock am Bein, um die Kon­kur­ren­tin zu schwä­chen. Har­ding be­strei­tet al­ler­dings bis heu­te, von den An­schlags­plä­nen ge­wusst zu ha­ben. Der Film wirbt um Ver­ständ­nis für die heu­te 47-Jäh­ri­ge. Har­ding sei von Kin­des­bei­nen an mit Ge­walt kon­fron­tiert und zeit­le­bens ge­zwun­gen ge­we­sen, sich zu ver­tei­di­gen, sagt Rob­bie. Al­ler­dings zeigt sie auch das häss­li­che Ge­sicht ih­rer et­was ein­fäl­ti­gen Hel­din. Der Film legt mit schar­fem Blick und bö­sem Witz of­fen, wie Ehr­geiz ei­nen Men­schen ent­stel­len kann.

Schön gewählt

Ach, Chris­ti­an, viel wur­de schon ge­spot­tet über Dei­nen Blick, Dei­ne Haa­re, Dein of­fe­nes Hemd und Dei­ne Art, Dich zu be­we­gen: jung, agil, im­mer be­reit. Kurz: ein Ver­spre­chen. Frü­her pick­lig, über­ge­wich­tig und Kuh­kra­wat­te, heu­te schlank und sexy, Du ver­kör­perst den po­li­ti­schen Auf­ruf Dei­ner Par­tei: Je­der kann es schaf­fen! Auch Du! Was, ich? Ja, ICH! Jetzt aber kannst Du dem Spott ge­las­sen ent­ge­gen­tre­ten, mit der har­ten Wäh­rung der wis­sen­schaft­li­chen Be­weis­füh­rung in der Hand, denn ein em­si­ger So­zio­lo­ge der Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf, mit dem of­fi­zi­el­len Ti­tel At­trak­ti­vi­täts­for­scher, hat er­mit­telt, dass eben­die­se At­trak­ti­vi­tät tat­säch­lich und ganz fak­tisch ei­nen gro­ßen Ein­fluss auf un­se­re Wahl­ent­schei­dung hat. Schön­heit ran­giert da­mit auf Platz zwei der Kri­te­ri­en, nur knapp hin­ter dem Be­kannt­heits­grad. Und Du, Chris­ti­an Lind­ner, 39, führst die At­trak­ti­vi­täts­lis­te an. Nur lei­der lie­ßen sich die Ja­mai­ka­ver­hand­ler nicht von Dei­nem Äuße­ren ver­zau­bern, und so wer­den wir wohl wie­der von Po­li­ti­kern re­giert wer­den, de­nen Kom­pe­tenz vor Kos­me­tik geht.

Doppelt smart

Wenn man von sei­nen Lands­leu­ten Ehr­furcht vor der Na­tio­nal­hym­ne ein­for­dert, dann wäre es »like, re­al­ly smart«, den Text selbst zu be­herr­schen. Das kann US-Prä­si­dent Do­nald Trump, 71, nicht von sich be­haup­ten: Bei sei­nem Auf­tritt vor ei­nem Foot­ball­spiel ver­gan­ge­nen Mon­tag in At­lan­ta hat­te er deut­lich mit Text­hän­gern zu kämp­fen. Das be­legt die Vi­deo­auf­zeich­nung ohne Zwei­fel. Nur ei­ni­ge Stun­den zu­vor hat­te er vor An­hän­gern noch ein­mal be­tont, wie wich­tig es sei, Fah­ne und Hym­ne zu re­spek­tie­ren. Seit über ei­nem Jahr pro­tes­tie­ren US-Sport­ler ge­gen Ras­sis­mus, in­dem sie wäh­rend der Hym­ne nie­der­kni­en, statt im Ste­hen und mit der Hand auf dem Her­zen zu sin­gen. Un­ter­stüt­zung er­fuhr der Prä­si­dent na­tür­lich von sei­nem äl­tes­ten Sohn Do­nald Trump Jr., 40, der den Va­ter zum Vor­bild der Na­ti­on er­klär­te: »So wir­d's ge­macht, Leu­te. Es ist nicht schwer. Zeigt Re­spekt für un­ser Land«, twit­ter­te er kurz nach dem Auf­tritt des Prä­si­den­ten – und sorg­te so da­für, dass das pein­li­che Vi­deo noch schnel­ler in den so­zia­len Netz­wer­ken ver­brei­tet wur­de, Hohn und Spott in­klu­si­ve.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 3/2018.