Kultur

Haiy­ti
Pop

Rap wie vom Nagelbrett

Auf ih­rem Al­bum herrscht Grö­ßen­wahn vom ers­ten Track an. »Ich hab 100 000 Fans / die mich noch nicht ken­nen«, lau­tet die An­sa­ge der En­ter­tai­ne­rin Haiy­ti. Sie ist die neue Kö­ni­gin im deut­schen Hip-Hop-Spiel und hat das zu ih­rer Kunst­form er­ho­ben: ein biss­chen zu hoch grei­fen, das Out­fit ein biss­chen zu eng und die Uzi in der Hand hübsch mar­tia­lisch. Bis­her rapp­te sie haupt­säch­lich im In­ter­net, jetzt bringt sie Mon­te­ne­gro Zero her­aus, ihr ers­tes Al­bum bei ei­nem Ma­jor-La­bel. Man­che Feuille­to­nis­ten kla­gen schon, dass ihre Mu­sik gar kein Hip-Hop mehr sei, son­dern Pop; als wit­ter­ten sie Ver­rat, weil Haiy­ti, eine Ham­bur­ge­rin mit kroa­ti­schen Vor­fah­ren, sich nicht mehr in der Gos­se, son­dern für den Plat­ten­kon­zern Uni­ver­sal Mu­sic ab­ra­ckert. Doch wer in der Mu­sik­welt will denn heut­zu­ta­ge kein Pop­star sein? Ei­ni­ge Ar­ran­ge­ments klin­gen ein biss­chen po­liert, aber Haiy­tis kräch­zend über­steu­er­te Stim­me lotst die Hö­rer hin­ge­ris­sen durch das Al­bum – und ihre Stim­me ist es auch, die ver­hin­dert, dass die exis­ten­zi­el­le Trau­rig­keit, die Haiy­ti be­singt, nie in Kitsch ab­drif­tet. »Der Him­mel ist blau, der Flie­der flie­dern / im Ra­dio spie­len sie un­se­re Lie­der / Der Him­mel ist blau, der Flie­der flie­dern / für dich tue ich das im­mer wie­der": Selbst sol­che Zei­len trägt Haiy­ti auf ih­rem neu­en Al­bum vor, als läge sie am be­quems­ten auf ei­nem Na­gel­brett.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 3/2018.