Per­so­na­lien

Rich­ter, Lam­mert

Da muss man durch

• Als der CDU-Po­li­ti­ker Nor­bert Lam­mert, 69, am vor­ver­gan­ge­nen Frei­tag im Pots­da­mer Mu­se­um Bar­ber­i­ni eine Aus­stel­lung mit Wer­ken von Ger­hard Rich­ter, 86, er­öff­ne­te, über­rasch­te er das Ver­nis­sa­ge­pu­bli­kum (und wo­mög­lich auch den Ma­ler selbst). Er sag­te, er wer­de »aus­drück­lich« kei­ne Rede hal­ten. Der Künst­ler, im­mer­hin ei­ner der be­deu­tends­ten un­se­rer Zeit, habe selbst ein­mal ge­sagt, über Ma­le­rei zu spre­chen er­ge­be kei­nen Sinn. Lam­mert ver­stumm­te dann doch nicht, äu­ßer­te sich aber vor­wie­gend über zwei Ar­bei­ten Rich­ters, die nicht in der Aus­stel­lung, son­dern im Ber­li­ner Reichs­tags­ge­bäu­de hän­gen: eine glä­ser­ne Deutsch­land­flag­ge auf der ei­nen Sei­te der Ein­gangs­hal­le und ei­nen vier­tei­li­gen Zy­klus mit dem Ti­tel »Bir­ken­au« auf der ge­gen­über­lie­gen­den. Wer ins deut­sche Par­la­ment wol­le, »muss da durch«, sag­te Lam­mert, und wo­mög­lich ver­barg sich da eine Kri­tik an ge­schichts­ver­ges­se­nen Po­li­ti­kern. Der CDU-Mann, von 2005 bis 2017 Prä­si­dent des Bun­des­ta­ges, riet zum Be­such des Ge­bäu­des und gab eine wei­te­re »drin­gen­de« Emp­feh­lung ab: die Lek­tü­re ei­nes »denk­wür­di­gen« SPIEGEL-In­ter­views mit Rich­ter aus dem Jahr 2005. Er ken­ne kei­nen Bei­trag ei­nes le­ben­den Künst­lers, in dem der »in­tel­li­gen­ter, auf­ge­klär­ter, selbst­kri­ti­scher, dis­tan­zier­ter, also klü­ger«, über das ei­ge­ne Werk und vie­les mehr ge­spro­chen habe. Im Grun­de war das die Poin­te des Abends, denn der Künst­ler hat be­wie­sen, dass man eben doch über Kunst spre­chen kann. Die Aus­ga­be, so Lam­mert, sei ver­grif­fen, aber dank der heu­ti­gen tech­ni­schen Mit­tel doch nach­zu­le­sen.

Scheinriesen ade

• Der Grü­nen­po­li­ti­ke­rin Re­na­te Kü­n­ast, 62, schlägt aus dem Netz ne­ben viel Hass neu­er­dings auch Hilfs­be­reit­schaft ent­ge­gen. An­lass war eine be­son­ders hef­ti­ge On­line­kam­pa­gne ge­gen Kü­n­ast. Als sie via Face­book dazu auf­ge­ru­fen hat­te, eine Ge­gen­ver­an­stal­tung zur AfD-Demo in Ber­lin zu un­ter­stüt­zen, sam­mel­te sich un­ter dem Post schnell eine vier­stel­li­ge An­zahl von Hass­bot­schaf­ten – bis zu Mord­auf­ru­fen. Das mo­bi­li­sier­te Mit­glie­der der Kam­pa­gne #Ich­bin­hier, die ver­sucht, die Um­gangs­for­men im Netz zu zi­vi­li­sie­ren. Sie stell­ten fest, dass es al­lein 684 Nut­zer­kon­ten von Sym­pa­thi­san­ten der Iden­ti­tä­ren Be­we­gung (IB) wa­ren, die Kü­n­ast koo­or­di­niert be­schimpf­ten. Die Stich­pro­be be­stä­tigt ei­nen grö­ße­ren Trend, wie eine ge­mein­sa­me Stu­die des Ver­eins mit dem Lon­do­ner Thinktank ISD zeigt: Schuld am er­höh­ten Auf­kom­men von Hass­re­de ist dem­nach eine ver­gleichs­wei­se klei­ne, aber gut or­ga­ni­sier­te Trol­l­ar­mee, vor al­lem aus Sym­pa­thi­san­ten der IB, die durch vie­le Fake-Ac­counts im Netz zu »Schein­rie­sen« wür­den. Kü­n­ast be­dank­te sich für die Ar­beit nun mit ei­nem Kurz­vi­deo: »I give you a hug«, sagt sie und: »Ge­mein­sam schaf­fen wir das!«

Lieber solo

• Chi­na fei­ert die bis vor we­ni­gen Wo­chen weit­hin un­be­kann­te Wang Ju, 25, als neu­en Star des Fe­mi­nis­mus. Die Teil­neh­me­rin der po­pu­lä­ren chi­ne­si­schen Ta­lent­show »Pro­du­ce 101« sei zu dun­kel­häu­tig, zu stäm­mig, zu klein, hat­te zu­nächst das Ur­teil vie­ler Zu­schau­er ge­lau­tet. Sie wiegt 60 Ki­lo­gramm und ist 1,65 Me­ter groß. Wang, Agen­tin ei­ner Mo­del­agen­tur, ist zier­lich, ihr Äuße­res ent­spricht aber nicht dem chi­ne­si­schen Schön­heits­ide­al, das nied­li­che Kind­frau­en pro­pa­giert. In der Show kämp­fen 101 Frau­en um die Gunst der Zu­schau­er, die ab­stim­men, wer am Ende zu ei­ner elf­köp­fi­gen Pop­grup­pe ge­hö­ren soll. Wang schaff­te es zwar nicht ins Fi­na­le, doch ihr selbst­be­wuss­ter, in­di­vi­du­el­ler Auf­tritt er­reg­te viel Auf­merk­sam­keit. Wang-Fan­klubs wur­den ge­grün­det, Dis­kus­sio­nen über ste­reo­ty­pe Kör­per­bil­der und man­geln­de Gleich­be­rech­ti­gung ent­flamm­ten. Wang hat­te auf Eng­lisch ge­rappt: »Du musst mir kei­nen Ring an­ste­cken, ich kann ihn mir selbst leis­ten.« Jetzt soll sie ei­nen So­lo­plat­ten­ver­trag in der Ta­sche ha­ben.

Die Geheimnisse von Herzogpark

• Den Be­griff Gift­schrank möge sie nicht, »so et­was habe ich nicht«, sagt die Jour­na­lis­tin Pa­tri­cia Rie­kel, 69 (rechts). Aber sie hat ein gu­tes Ge­dächt­nis: Zwei Jahr­zehn­te lang, bis 2016, war Rie­kel Chef­re­dak­teu­rin der »Bun­ten«. Da­bei hat sie auch sehr viel In­ti­mes über Pro­mi­nen­te er­fah­ren, was sie in ih­rer Il­lus­trier­ten nicht ver­öf­fent­li­chen konn­te oder woll­te, Ge­heim­nis­se, so Rie­kel, »die für im­mer ge­heim blei­ben soll­ten«. Aber er­zäh­len könn­te man die Ge­schich­ten na­tür­lich trotz­dem – fik­tio­na­li­siert als Fern­seh­se­rie. »Her­zog­park« heißt das neue TV-Pro­jekt, be­nannt nach dem vor­neh­men Münch­ner Stadt­teil, für das Rie­kel jetzt von der Film­pro­du­zen­tin Yoko Hi­gu­chi-Zitz­mann, 47, ex­klu­siv als Be­ra­te­rin ver­pflich­tet wur­de. »Ich lie­fe­re den Stoff«, sagt Rie­kel, Er­in­ne­run­gen dar­an, »wie Ruhm, Macht und Geld Men­schen ver­än­dern, nicht im­mer zum Bes­se­ren«. Die Au­to­rin Re­gi­na Dietl – nicht ver­wandt mit dem ver­stor­be­nen Re­gis­seur Hel­mut Dietl – ver­wan­delt die­sen Stoff der­zeit in Dreh­bü­cher; Sen­der und Sen­de­ter­min ste­hen noch nicht fest. Die ver­ant­wort­li­che Pro­duk­ti­ons­fir­ma Let­ter­box be­schreibt »Her­zog­park« als »eine Ge­sell­schafts­ko­mö­die, die hin­ter die gla­mou­rö­se Fas­sa­de der So­cie­ty schau­en wird«. Rie­kel kennt die­se Fas­sa­de auch des­halb, weil sie selbst in Mün­chen-Her­zog­park wohnt – ei­ner Ge­gend, »in der alte Eli­ten auf neu­es Geld tref­fen«. Wer­den sich also ihre Nach­barn in der Se­rie wie­der­er­ken­nen? »Das«, sagt Rie­kel, »wäre nicht gut und auch nicht pro­fes­sio­nell.«

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 28/2018.