Haus­mit­tei­lung

Nes­hi­tov, Reisch auf Mal­ta

Ein Schiff, das nir­gends in den Ha­fen darf, mit Men­schen an Bord, die nie­mand will – sie­ben Tage lang kreuz­te die »Life­li­ne« im Mit­tel­meer, über­all ab­ge­wie­sen von ei­nem Eu­ro­pa, das sich er­bar­mungs­los als Fes­tung zeigt. Wie die Irr­fahrt der 234 Ge­ret­te­ten ver­lief, die aus zwei Schlauch­boo­ten vor der li­by­schen Küs­te ge­bor­gen wor­den wa­ren, zeich­nen Özlem Ge­zer, Fe­lix Hutt, Ti­mo­fey Nes­hi­tov und Claas Re­lo­ti­us mit­hil­fe von Log­buch­ein­trä­gen, Funk­sprü­chen, Whats­App-Nach­rich­ten und E-Mails nach. Vor­läu­fi­ger End­punkt der Rei­se ist Val­let­ta auf Mal­ta – wo das Schiff fest­ge­setzt und der Ka­pi­tän Claus-Pe­ter Reisch vor Ge­richt ge­stellt wur­de. Reisch darf die In­sel der­zeit nicht ver­las­sen. In den Ta­gen vor dem Pro­zess be­glei­te­te Nes­hi­tov den Ka­pi­tän – ei­nen ge­lern­ten Kraft­fahr­zeug­me­cha­ni­ker und pas­sio­nier­ten Seg­ler, der das Ver­hal­ten der EU ge­gen­über Flücht­lin­gen »wi­der­lich« fin­det. Die von ihm Ge­ret­te­ten nennt er »Gäs­te« und be­such­te mit Nes­hi­tov zu­sam­men de­ren Un­ter­kunft. Er durf­te nicht hin­ein, die Flücht­lin­ge durf­ten nicht hin­aus. »You are the best!«, rie­fen sie vom Bal­kon aus ih­rem Ret­ter zu. Dass Reisch we­gen sei­nes Ein­sat­zes be­straft wer­den soll­te, sagt Nes­hi­tov, »das wuss­ten die Flücht­lin­ge nicht«.zum Ar­ti­kel

Eigent­lich soll­te es so sein, dass sich der Mensch die zu sei­nem Le­ben pas­sen­de Woh­nung sucht. Heu­te je­doch be­stimmt oft die Woh­nung über den Le­bens­stil – Paa­re kön­nen sich nicht tren­nen, Patch­work­fa­mi­li­en nicht zu­sam­men­fin­den, weil die pas­sen­de Blei­be oder das Geld da­für fehlt. Die Woh­nungs­not ver­un­si­chert vie­le Men­schen und greift tief in ih­ren All­tag ein. In die­sem Heft be­ginnt eine SPIEGEL-Se­rie, die sich mit die­sem Phä­no­men be­fasst: Wie ver­än­dert der wild ge­wor­de­ne Im­mo­bi­li­en­markt die Städ­te? Was be­deu­ten die stei­gen­den Prei­se für das Le­ben der Men­schen? Und was kann die Po­li­tik, was kön­nen die Bür­ger ge­gen den Miet­wahn­sinn tun? Ein Team von SPIEGEL-Re­dak­teu­ren hat da­für in ganz Deutsch­land re­cher­chiert. Für den ers­ten Teil der Se­rie traf Anne Seith Men­schen in Ham­burg, Frank­furt am Main und Ber­lin, die über ih­rer Woh­nungs­su­che fast ver­zwei­felt sind.zum Ar­ti­kel

Kel­ler

Fast alle Men­schen seh­nen sich da­nach, aber nur we­ni­gen ge­lingt es, sie zu fin­den: die ewi­ge Lie­be. War­um hän­gen wir an die­ser alt­mo­di­schen Sehn­sucht, ob­wohl jede Be­zie­hung doch Zwän­ge und Ein­schrän­kun­gen mit sich bringt? Gibt es das Ge­heim­nis le­bens­lan­ger Lie­be? Die­sen Fra­gen ist Ma­ren Kel­ler für die Ti­tel­ge­schich­te die­ses Hef­tes nach­ge­gan­gen. Sie be­such­te Karl-Heinz und Ur­su­la Ka­li­na, die sich im Spät­som­mer 1956 auf ei­nem Dorf­fest ken­nen­ge­lernt hat­ten, seit 62 Jah­ren zu­sam­men­le­ben und noch im­mer ver­narrt in­ein­an­der sind. Kel­ler sprach mit ei­nem Pas­tor über Lie­bes­hoch­zei­ten und Zweck­bünd­nis­se, sie traf eine Stan­des­be­am­tin und ließ sich von ei­ner Schei­dungs­an­wäl­tin er­klä­ren, wor­an Be­zie­hun­gen heut­zu­ta­ge schei­tern. Dass eine Lie­be lan­ge hal­ten könn­te: Da­für gibt es An­zei­chen, die wie Klei­nig­kei­ten wir­ken, es aber nicht sind. Gute Chan­cen be­ste­hen bei­spiels­wei­se dann, wenn Paa­re sich drei­mal am Tag für 90 Se­kun­den mit­ein­an­der un­ter­hal­ten, sich an­gu­cken und ernst neh­men, sich wirk­lich et­was zu sa­gen ha­ben. »Das klingt ein­fach«, sagt Kel­ler, »aber das ist es nicht.«zum Ar­ti­kel