Die Groß­fa­mi­lie, eine Ano­ma­lie der Ge­schich­te. Ich habe vier Ge­schwis­ter, das ist eine Men­ge für ei­nen An­ge­hö­ri­gen der Ge­ne­ra­ti­on X. Mei­ne El­tern aber, ech­te Ba­by­boo­mer, sind in Größt­fa­mi­li­en auf­ge­wach­sen, sechs Ge­schwis­ter hat­te mei­ne Mut­ter, mein Va­ter sa­gen­haf­te zwölf. Das Bild des mit rot­ba­cki­gen Bäl­gern lü­cken­los be­völ­ker­ten Fa­mi­li­en­tischs ge­hör­te im Wes­ten bis in die Sieb­zi­ger­jah­re zur Folk­lo­re, im Fern­se­hen lie­fen »Die Wal­tons« (sie­ben Kin­der), und Heinz Er­hardt spiel­te in der gleich­na­mi­gen Ko­mö­die ei­nen »Wit­wer mit fünf Töch­tern«. Als ver­lo­re­nes, fal­sches Ide­al wirkt die­se Vor­stel­lung bis heu­te nach, in Zei­ten von Eins-Kom­ma-ir­gend­was-Fer­ti­li­tät, und man denkt ganz ge­ne­rell: Frü­her war mehr Fort­pflan­zung. Doch die Pha­se der Fünf-, Sechs-Kin­der-Haus­hal­te war his­to­risch kurz und de­mo­gra­fisch frag­wür­dig: Sie führ­te, glo­bal be­trach­tet, zu ei­nem enor­men An­stieg der Welt­be­völ­ke­rung. Da­vor aber, bis zum 19. Jahr­hun­dert, war die über­sicht­li­che Klein­fa­mi­lie lan­ge die Re­gel ge­we­sen, weil so vie­le Ge­schwis­ter nicht über­leb­ten. Der Glo­bal­sta­tis­ti­ker Hans Ros­ling hat das et­was grau­sam mit Kin­dern und Grab­stei­nen sym­bo­li­siert (o.) und dem Wachs­tum der Welt­be­völ­ke­rung ge­gen­über­ge­stellt. Wäh­rend des »al­ten Gleich­ge­wichts« blieb die Po­pu­la­ti­ons­kur­ve flach, dann hat­te das gro­ße Kin­der­ster­ben ein Ende, die Be­völ­ke­rung wuchs. Das »neue Gleich­ge­wicht« ist be­reits er­reicht, doch die Jahr­zehn­te der Groß­fa­mi­li­en – hohe Ge­bur­ten­ra­ten, ge­rin­ge Sterb­lich­keit – wir­ken nach und las­sen die Mensch­heit laut Uno noch bis zum Ende des Jahr­hun­derts wei­ter­wach­sen.

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