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Enoch zu Guttenberg, 71

Eine ge­wis­se Wi­der­spens­tig­keit zähl­te zu den her­vor­ra­gen­den Ei­gen­schaf­ten des Mu­si­kers und Groß­grund­be­sit­zers. Als jun­ger Mann wei­ger­te sich Enoch zu Gut­ten­berg, die Ver­wal­tung der ober­frän­ki­schen Fa­mi­li­en­gü­ter zu über­neh­men, und stu­dier­te statt­des­sen Mu­sik. 1967 über­nahm er die da­mals un­be­kann­te Chor­ge­mein­schaft Neu­beu­ern und form­te dar­aus ein heu­te welt­weit an­ge­se­he­nes En­sem­ble. Auch sein En­ga­ge­ment für das von ihm ge­führ­te Or­ches­ter mit dem merk­wür­di­gen Na­men »Klang­ver­wal­tung« zeug­te von ge­nia­ler Stur­heit. Ge­gen den Trend ei­ner Mo­der­ni­sie­rung ba­ro­cker und früh­klas­si­scher Mu­sik ver­tei­dig­te Gut­ten­berg den Ori­gi­nal­klang mit gro­ßer Lei­den­schaft – und eben­so gro­ßem Er­folg. Der Ba­ron ge­hör­te auch zu den Um­welt­schüt­zern der ers­ten Stun­de, über­warf sich aber mit der Be­we­gung, weil er den Bau im­mer neu­er Wind­rä­der in der länd­li­chen Idyl­le nicht hin­neh­men woll­te. Mit sei­nem letz­ten Auf­be­geh­ren, der Rück­ga­be sei­nes Echos nach der Aus­zeich­nung der Skan­dal­rap­per Kol­le­gah und Fa­rid Bang, reih­te er sich in jene Pro­tes­te ein, die den gan­zen Preis schließ­lich hin­weg­feg­ten. Sei­nen Sohn al­ler­dings, den als Hoch­stap­ler ent­larv­ten Ex-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg, hat er bis zu­letzt ver­tei­digt. Die Fa­mi­li­en­eh­re galt dem knor­ri­gen Kon­ser­va­ti­ven über al­les. Enoch zu Gut­ten­berg starb am 15. Juni in Mün­chen.

Peter Thomson, 88

Der aus­tra­li­sche Gol­fer kam im Le­ben und auf dem Platz ohne über­flüs­si­ge Ges­ten aus. Sei­ne Weg­ge­fähr­ten lob­ten sei­nen kla­ren, leb­haf­ten Schlag; der Weg zu ei­nem sei­ner zahl­rei­chen Sie­ge folg­te stets ei­ner küh­len Lo­gik, »ver­läss­lich, zu­wei­len so­gar bril­lant« be­för­der­te er den Golf­ball ins Loch. Thom­son ge­wann als ein­zi­ger Sport­ler im 20. Jahr­hun­dert drei­mal hin­ter­ein­an­der (1954 bis 1956) die »Bri­tish Open«, das äl­tes­te Golf­tur­nier der Welt. Zwei wei­te­re Sie­ge in die­sem Wett­be­werb und vie­le wei­te­re Er­fol­ge führ­ten 1988 zu Thom­sons Auf­nah­me in die Hall of Fame des Golf­sports. Pe­ter Thom­son starb am 20. Juni an den Fol­gen ei­ner Par­kin­son-Er­kran­kung in Mel­bourne.

XXXTentacion, 20

Sein Tod sorgt für Auf­se­hen. Weil er noch so jung war. Weil er als ei­ner der ta­len­tier­tes­ten Mu­si­ker sei­ner Ge­ne­ra­ti­on galt. Und: weil er auf of­fe­ner Stra­ße er­schos­sen wur­de. Wer sei­ne Mu­sik hört und schätzt, sieht sich mit der Fra­ge kon­fron­tiert, ob man Werk und Künst­ler von­ein­an­der tren­nen kann, ob Mo­ral und Ästhe­tik et­was mit­ein­an­der zu tun ha­ben soll­ten oder nicht. XXXTen­ta­ci­on, der bür­ger­lich Jah­seh On­froy hieß, wuchs in schwie­ri­gen Ver­hält­nis­sen in Flo­ri­da auf. Schon früh ge­riet er in ei­nen Kreis­lauf aus Ge­walt und Dro­gen. Als er 2013 aus dem Ju­gend­ar­rest ent­las­sen wur­de, be­gann er Mu­sik zu ma­chen. Zwei Jah­re spä­ter wur­de er un­ter an­de­rem we­gen Haus­frie­dens­bruch an­ge­klagt. Im sel­ben Jahr nahm er den Song »Look at Me!« auf, ei­nen har­ten, dre­cki­gen Schrei nach Auf­merk­sam­keit, ele­gant ge­rappt über ei­nen düs­te­ren Beat. Er mach­te ihn au­gen­blick­lich in der Rap-Sze­ne be­rühmt. Es folg­ten zwei Al­ben in­ner­halb von sie­ben Mo­na­ten, »17« und »?«, Letz­te­res schaff­te es auf Platz eins der ame­ri­ka­ni­schen Al­bum-Charts. Es sind trau­ri­ge Lie­der, die sich nicht an Gen­re-Gren­zen hal­ten und de­nen der Tod im­mer schon ein­ge­schrie­ben schien. Auf Rap folgt Ge­sang, auf küh­le Beats eine akus­ti­sche Gi­tar­re, die nach Folk klingt. Er ver­ehr­te Kurt Co­bain. XXXTen­ta­ci­on war ge­ra­de für vie­le Teen­ager ein Idol. Und gleich­zei­tig war er ein ab­schre­cken­der Mensch, der ge­walt­tä­tig war. Sein wohl dras­tischs­tes Ver­bre­chen be­ging er an sei­ner Freun­din, die er schlug, würg­te und kurz­zei­tig ver­schlepp­te. Das Ur­teil da­für stand noch aus. Die Dis­kus­si­on, ob man sei­ne Mu­sik fei­ern kann, ohne Ge­walt zu ver­harm­lo­sen, wird kein Ende fin­den. War­um er ge­tö­tet wur­de, ist noch nicht ge­klärt. XXXTen­ta­ci­on starb am 18. Juni in De­er­field Beach, Flo­ri­da.

Kazuo Kashio, 89

Mit der G-Shock mach­te der Mit­grün­der und Fir­men­chef von Ca­sio eine neue Art von Arm­band­uhr welt­weit po­pu­lär: klo­big, ro­bust und was­ser­re­sis­tent, Stopp­uhr und so­gar We­cker in­klu­si­ve. Die ers­te G-Shock, die DW-5000C, brach­te der Ja­pa­ner Ka­zuo Ka­shio mit Ca­sio 1983 auf den Markt. Smart­pho­nes ha­ben vie­le Funk­tio­nen ob­so­let ge­macht, doch die Uh­ren ha­ben bis heu­te ihre Fans. Ge­grün­det hat­te Ka­shio die Fir­ma 1957, zu­sam­men mit sei­nen drei Brü­dern. Die Ge­schwis­ter pro­du­zier­ten zu­nächst vor al­lem Re­chen­ma­schi­nen und mach­ten aus dem Ta­schen­rech­ner ei­nen All­tags­ge­gen­stand, der in je­dem Büro zu fin­den ist. In sei­ner Fir­ma galt Ka­shio als ei­ner, der nach ei­ner gu­ten Idee gleich an der nächs­ten ar­bei­ten woll­te und be­stän­di­gen Wan­del ein­for­der­te. Ka­zuo Ka­shio starb am 18. Juni in To­kio.

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