Liber­tärer Schein der Life­style-Linken

Essay  Die SPD war einmal die Massenbewegung der kleinen Leute. Doch seitdem sich die Industriegesellschaft verflüchtigt, hat sie sich in eine Honoratiorenpartei der Aufsteiger verwandelt.

Von Franz Walter

Mit den Sieb­zi­ger­jah­ren, mit dem Ab­schluss Wil­ly Brandts eher kur­zer Re­gie­rungs­zeit ging die alte Welt der So­zi­al­de­mo­kra­tie zu Ende, ver­ab­schie­de­te sich die klas­si­sche In­dus­trie­ge­sell­schaft all­mäh­lich. Die frü­he­ren Zen­tren des öko­no­mi­schen Fort­schritts im Wes­ten und Nor­den der Re­pu­blik, die zu­gleich rund hun­dert Jah­re lang so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Hoch­bur­gen ge­bil­det hat­ten, de­ge­ne­rier­ten zu Stät­ten der so­zia­len Nach­hut. Der »Ma­lo­cher« – je­ner in der so­zia­lis­ti­schen Iko­no­gra­fie vi­su­ell ver­edel­te ath­le­ti­sche In­dus­trie­ar­bei­ter mit kräf­ti­gen Mus­keln und ver­läss­li­cher ge­werk­schaft­lich-so­zia­lis­ti­scher Ge­sin­nung – trat ab, nicht von ei­nem Tag auf den an­de­ren, aber eben doch un­auf­halt­sam. Die Ar­bei­ter­klas­se spreiz­te sich fort­an ei­ner­seits in die Ge­win­ner, wel­che die so­zi­al­de­mo­kra­tisch for­cier­ten Bil­dungs­re­for­men mit gro­ßer En­er­gie nutz­ten und ihre Auf­stiegs­chan­cen wahr­nah­men; und an­de­rer­seits in die neu­en Ver­lie­rer, die an den Bil­dungs­an­stren­gun­gen nicht teil­nah­men oder dar­an schei­ter­ten. Zu­sam­men: Die ge­sell­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des hun­dert Jah­re wäh­ren­den Hand­ar­bei­ter­so­zia­lis­mus zer­bra­chen durch Auf­stieg der ei­nen, Ab­stieg der an­de­ren. Die so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Ak­ti­vi­tas re­kru­tier­te sich im Fol­gen­den na­he­zu aus­schließ­lich aus den Auf­stei­gern der 1970er-Epo­chen­schwel­le.

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