Per­so­na­lien

Der Nimmerreiter

• Wenn Mi­cha­el Jack­son, der ne­ben El­vis wohl be­rühm­tes­te tote Pop­mu­si­ker der Welt, mit ei­ner Aus­stel­lung ge­ehrt wird, darf auf kei­nen Fall mu­sea­le Stil­le herr­schen. Ende Juni er­öff­net die Na­tio­nal Por­trait Gal­le­ry in Lon­don »On the Wall«, eine Hom­mage an Jack­son, der am 29. Au­gust 60 Jah­re alt ge­wor­den wäre. Es wer­den vie­le Por­träts zu se­hen sein, schließ­lich ist er dem Mu­se­um zu­fol­ge die »am häu­figs­ten ab­ge­bil­de­te kul­tu­rel­le Per­sön­lich­keit«. Auf ei­ner Auf­nah­me des Fo­to­gra­fen Da­vid LaCha­pel­le schrei­tet er etwa über ei­nen Pfad aus Leucht­käs­ten, auf ei­nem Ge­mäl­de sitzt er, in ei­ner Rüs­tung, hoch zu Ross – Kitsch, wie Jack­son ihn moch­te. Die ehr­wür­di­ge In­sti­tu­ti­on hat aber auch DJs ein­ge­la­den, die an di­ver­sen Aben­den auf­le­gen wer­den. Sie alle in­ter­pre­tie­ren den Sän­ger auf ihre Art, so wie es einst eben die Bild­künst­ler ta­ten. Am Ende wer­den vie­le Gäs­te den Ein­druck ha­ben, es habe mehr als ei­nen Jack­son ge­ge­ben. Und trifft das nicht zu? Mil­lio­nen Men­schen ha­ben ihre ei­ge­ne Ver­si­on von ihm vor Au­gen (und Oh­ren). Vie­le ver­bin­den Er­in­ne­run­gen mit sei­ner Mu­sik, nicht we­ni­ge wun­der­ten sich über sein Le­ben auf sei­nem Nim­mer­land-An­we­sen. Vor neun Jah­ren starb er, und in die­sem Som­mer wird sich die hal­be Welt fra­gen, wie er wohl sei­nen 60. ge­fei­ert hät­te. Auch die­ses Ge­den­ken ist Aus­druck ei­ner ge­wis­sen Un­sterb­lich­keit.

Goldenes Missver­ständnis

• Fast nichts ist so ver­letz­lich wie die Ei­tel­keit. Der Schrift­stel­ler und En­ter­tai­ner Heinz Strunk, 56, be­rich­tet von ei­ner Be­geg­nung, die ihn nach­denk­lich ge­stimmt hat – und die auch den SPIEGEL nicht kalt­las­sen kann. Sie er­eig­ne­te sich im Ost­see­bad Hei­li­gen­damm, im Früh­stücks­raum des Grand Ho­tel, einst Schau­platz des G-8-Gip­fels. Strunk, eine groß­flä­chig tä­to­wier­te Kiez­ge­stalt mit Lu­den­bril­le, gol­de­ner Uhr, gol­de­nem Kett­chen, bit­tet den Kell­ner, ihm ei­nen SPIEGEL zu brin­gen. Der Kell­ner stutzt. »Ei­nen Spiegel?« Und formt mit den Hän­den ei­nen run­den Stand­spie­gel. »Irre Vor­stel­lung«, fin­det Strunk. »Ein eben­so eit­ler wie durch­ge­knall­ter Gast, vor sich statt ei­ner Tas­se Kaf­fee ei­nen gro­ßen Spiegel, in dem er sich wohl­wol­lend be­trach­tet.« Auch das eine irre Vor­stel­lung: ein Grand Ho­tel, in dem man den SPIEGEL nicht kennt. Nach­le­sen las­sen wird sich die Ei­tel­keitsa­n­ek­do­te in Strunks Text­samm­lung »Das Tee­männ­chen«, die Ende Au­gust bei Ro­wohlt er­scheint. Sein Buch, sagt Strunk ganz un­be­schei­den, sei »eine Art Fort­schrei­bung« von Bo­tho Strau­ß' »Paa­re Pas­san­ten« – aber »in mo­dern«.

Sie hat genug

• Noch nie sa­ßen so vie­le Frau­en im fran­zö­si­schen Par­la­ment wie heu­te. Seit ver­gan­ge­nem Jahr stel­len sie 224 der ins­ge­samt 577 Ab­ge­ord­ne­ten, ein Re­kord. Das reicht aber of­fen­bar im­mer noch nicht aus, um Se­xis­mus in der Po­li­tik ein­zu­däm­men. Die Um­welt­staats­se­kre­tä­rin Bru­ne Poir­son, 35, muss sich nun schon zum zwei­ten Mal über das Ma­cho­ge­ha­be man­cher Par­la­men­ta­ri­er är­gern. Poir­son ist ty­pisch für die neue Po­li­ti­ker­ge­ne­ra­ti­on der Be­we­gung »La Ré­pu­bli­que en Mar­che« des Prä­si­den­ten Em­ma­nu­el Ma­cron: Sie ist in Wa­shing­ton ge­bo­ren, in Süd­frank­reich auf­ge­wach­sen und hat eine in­ter­na­tio­na­le Kar­rie­re in Lon­don, Bos­ton und Neu-De­lhi vor­zu­wei­sen. Bei den Par­la­ments­wah­len ge­wann sie als völ­lig un­be­kann­te Kan­di­da­tin ge­gen den Front Na­tio­nal. In der Na­tio­nal­ver­samm­lung muss sie na­tür­lich mit der Kri­tik der Op­po­si­ti­on um­ge­hen, doch man­che ver­grei­fen sich da­bei in der Aus­drucks­wei­se. Im Fe­bru­ar hat­ten sich Re­pu­bli­ka­ner bei ei­ner ih­rer Re­den de­mons­tra­tiv die Oh­ren zu­ge­hal­ten. Vor Kur­zem rief dann noch der so­zia­lis­ti­sche Ab­ge­ord­ne­te Chris­ti­an Hu­tin da­zwi­schen, als sie die Vor­gän­ger­re­gie­rung kri­ti­sier­te: »Ce n'est pas vrai, ma poule!« (etwa: »Falsch, mein Schätz­chen!"). Hu­tin muss­te sich an­schlie­ßend bei ihr ent­schul­di­gen. Mit Se­xis­mus habe das nichts zu tun, ver­tei­dig­te er sich: »Das sage ich doch zu je­dem, ob Jun­ge oder Mäd­chen.« Poir­son hat je­den­falls end­gül­tig ge­nug; sie fand das er­nied­ri­gend und sei kei­nes­falls »sein Schätz­chen«. In Zu­kunft wol­le sie sich so et­was nicht mehr bie­ten las­sen.

Leicht erhitzbar

• Mit nack­ten Fü­ßen hat die Bre­mer Bür­ger­schafts­ab­ge­ord­ne­te der Grü­nen Kai-Lena War­gal­la, 33, Par­la­ments­prä­si­dent Chris­ti­an We­ber (SPD) aus der Fas­sung ge­bracht. Die Grü­ne mit tür­kis ge­färb­ten Haa­ren war wäh­rend der jüngs­ten Hit­ze­wel­le bar­fuß zur Ple­nar­sit­zung er­schie­nen – und ver­brei­te­te dies über Twit­ter: »Ich bin im kli­ma­ti­sier­ten Ple­nar­saal und kann be­rich­ten, dass der Tep­pich dort au­ßer­or­dent­lich bar­fuß­freund­lich ist.« Ne­ben War­gal­la zeig­te sich auch ein Ab­ge­ord­ne­ter der Lin­ken un­ge­wohnt frei­zü­gig: in kur­zer Hose und Flip­flop-Lat­schen. Bür­ger­schafts­prä­si­dent We­ber sah of­fen­bar die Wür­de des Ho­hen Hau­ses in Ge­fahr und be­an­trag­te im Par­la­ments­vor­stand, in die Haus­ord­nung eine Klei­der­vor­schrift auf­zu­neh­men. Aber nur die CDU stimm­te da­für. Als Kom­pro­miss will der Vor­stand jetzt recht­zei­tig zur Bre­mer Wahl 2019 ei­nen »Ver­hal­tens­ko­dex« als Hand­rei­chung für die Ab­ge­ord­ne­ten ent­wer­fen – knapp 33 Jah­re nach der le­gen­dä­ren Ver­ei­di­gung des Grü­nen Josch­ka Fi­scher zum hes­si­schen Um­welt­mi­nis­ter in Turn­schu­hen.

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