Nor­ma­ler­wei­se su­per. Was ha­ben Schlaf­zim­mer und Tank­stel­len ge­mein? An bei­den Or­ten klaf­fen Selbst­wahr­neh­mung und Rea­li­tät gern aus­ein­an­der. Ge­ra­de bei Män­nern. Das Jam­mern über die ho­hen Sprit­prei­se ge­hört zum deut­schen Au­to­fah­rer wie der Füh­rer­schein. Schon wahr, 1970 hat der Sprit um­ge­rech­net nur 30 Cent ge­kos­tet, der Tank­wart trug eine lus­ti­ge Kap­pe und frag­te, ob er die Wind­schutz­schei­be von In­sek­ten säu­bern dür­fe (auch die gab es da­mals noch). Aber ein Ar­beit­neh­mer ver­dien­te 1970 auch nur 600 Euro. Rech­net man aus, wie viel Li­ter Su­per man für ei­nen durch­schnitt­li­chen Jah­res­lohn be­kam, er­gibt sich ein an­de­res Bild. Wir kön­nen uns heu­te zwei­ein­halb­mal mehr Ben­zin leis­ten als un­se­re Groß­vä­ter 1960. Die Ölkri­se 1973 hat sta­tis­tisch kaum eine Spur hin­ter­las­sen. Schon zwei Jah­re spä­ter konn­te wie­der un­ge­niert voll­ge­tankt wer­den. Nie war Su­per so re­la­tiv bil­lig wie An­fang der Neun­zi­ger. Da wa­ren zwar jede Men­ge Tra­bants auf den Stra­ßen, die Zwei­takt­ge­misch tank­ten, aber es kos­te­te den West­ler real ge­se­hen fast nichts, die neu­en Bun­des­län­der zu be­fah­ren. Au­ßer­dem kommt man heu­te dank bes­se­rer Mo­to­ren mit ei­nem Li­ter Su­per sehr viel wei­ter als in den Sech­zi­gern – so­fern man PS-mä­ßig so be­schei­den bleibt wie un­se­re Vor­fah­ren. Woll­te man die mit ei­nem Jah­res­ver­dienst mög­li­chen Au­to­ki­lo­me­ter ab­bil­den, wäre das Bild noch ro­si­ger. Wo­bei ehr­li­cher­wei­se die Ver­kehrs­dich­te mit­be­rech­net wer­den müss­te, die end­lo­sen Last­wa­gen­schlan­gen, all die »Staus über vier Ki­lo­me­ter Län­ge« und Bau­ar­bei­ten an der An­schluss­stel­le Ho­fol­din­ger Forst.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer SPIEGEL-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen. MIT SPIEGEL+ LESEN – GRATIS TESTEN

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 25/2018.