Per­so­na­lien

Bedeutungs­blasen

• Wäre das In­ter­net ein Kö­nig­reich, es wäre un­strit­tig, wer es re­gie­ren wür­de: Kanye West, 41, und sei­ne Frau Kim Kar­da­shi­an, 37, sind die un­an­ge­foch­te­nen Bild-, Text- und Schnip­sel­pro­du­zen­ten un­se­rer Ge­gen­wart, was die ver­gan­ge­nen Wo­chen wie­der ein­mal be­wei­sen. Nach­dem West, der ei­gent­lich Rap­per ist, Do­nald Trump auf Twit­ter lob­te, sei­ne Lie­be zu ihm be­teu­er­te und so­wohl sich als auch ihm »Dra­che­n­ener­gie« at­tes­tier­te, traf we­nig spä­ter Kar­da­shi­an, die ei­gent­lich Rea­li­ty-Fern­seh­star ist, Do­nald Trump im Wei­ßen Haus. Wäh­rend­des­sen sorg­te West so­gar bei sei­nen Fans für Fas­sungs­lo­sig­keit, weil er in ei­nem völ­lig ver­stö­ren­den In­ter­view die »400 Jah­re an­dau­ern­de Skla­ve­rei« als »freie Ent­schei­dung« der Schwar­zen be­zeich­ne­te. Gro­ße Ver­wun­de­rung. Nur um we­nig spä­ter, am ver­gan­ge­nen Frei­tag, sein neu­es Al­bum »Ye« zu lan­cie­ren, auf dem er wie­der­um die Re­ak­tio­nen auf die­se Äuße­run­gen ver­ar­bei­te­te: Er er­zählt, wie sei­ne Frau ihn an­ge­schrien, ihm vor­ge­wor­fen habe, dass sie jetzt al­les ver­lie­ren wür­den, und Kanye sie trös­ten muss­te. Drei Tage spä­ter ging Kar­da­shi­an vor die Ka­me­ras und beich­te­te, dass die »Skla­ve­rei ist eine freie Ent­schei­dung«-Aus­sa­ge sie zum Wei­nen ge­bracht habe. Aber das sei eben nun mal Kanye, die Men­schen wür­den ihn ein­fach nicht ver­ste­hen, sie aber sehe sein Herz. Kö­nig und Kö­ni­gin, sie pro­du­zie­ren sich selbst, und das Volk sieht zu.

Dauernd auf ex

• Kom­men­de Wo­che star­tet der Film »3 Tage in Qui­be­ron« – die Schil­de­rung ei­ner Epi­so­de im Le­ben der Schau­spie­le­rin Romy Schnei­der – in den fran­zö­si­schen Ki­nos. Schon jetzt hat er eine pro­mi­nen­te Kri­ti­ke­rin: Die Schau­spie­le­rin Sa­rah Bia­si­ni, 40, Toch­ter von Romy Schnei­der, hat sich im fran­zö­si­schen Ra­dio ve­he­ment ge­gen die Dar­stel­lung ih­rer Mut­ter ge­wandt. Der Film sug­ge­rie­re, Romy Schnei­der sei al­ko­hol­krank und ta­blet­ten­süch­tig ge­we­sen, aber das stim­me nicht. Sie sei all­jähr­lich nach Qui­be­ron zur Kur ge­fah­ren, um ab­zu­neh­men. Dass es Romy da­mals nicht gut ging, sei der Tren­nung von ih­rem Ehe­mann, Sa­rahs Va­ter Da­ni­el Bia­si­ni, zu­zu­schrei­ben ge­we­sen. Der gan­ze Film sei un­fair und miss­güns­tig. »Dau­ernd sieht man sie auf ex trin­ken, sich Wein ein­schen­ken. Da­bei trank Romy nicht mehr als Sie oder ich.« Es sei kei­ne Schan­de, süch­tig zu sein, aber es sei bei Romy Schnei­der nicht der Fall ge­we­sen. »Das Le­ben mei­ner Mut­ter war ro­man­haft ge­nug, man muss da wirk­lich nichts hin­zu­dich­ten!«

Digital Champion gesucht

• Die Gro­ße Ko­ali­ti­on ver­zich­tet auf die Diens­te der In­ter­net­bot­schaf­te­rin Ge­sche Joost, 44. »Das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um hat ent­schie­den, dass Frau Pro­fes­sor Dok­tor Ge­sche Joost ihr Eh­ren­amt als ›Di­gi­tal Cham­pi­on‹ der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht fort­set­zen wird«, er­klär­te eine Spre­che­rin. Die­se Ent­schei­dung ent­spre­che auch Joosts Wunsch. Im Ja­nu­ar hat­ten der SPIEGEL und das ARD-Ma­ga­zin »Re­port Mainz« be­rich­tet, dass Joost eine »Auf­wands­ent­schä­di­gung« von 50 000 Euro jähr­lich für ihr Eh­ren­amt er­hal­ten habe. Zu­dem war sie in den Auf­sichts­rat von SAP ein­ge­zo­gen, ob­wohl sie laut Ver­trag kei­ne Be­ra­ter­tä­tig­kei­ten auf­neh­men soll­te, die ihre Un­ab­hän­gig­keit ge­fähr­den (SPIEGEL 5/​2018). Als Joosts Ver­trag im Herbst 2017 aus­lief, ent­wi­ckel­te sich ein Dis­sens mit der da­ma­li­gen Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Bri­git­te Zy­pries (SPD), die nur noch die Kos­ten für Rei­sen und Bü­ro­ma­te­ri­al er­stat­ten woll­te. Joost be­harr­te auf der al­ten Re­ge­lung. Zy­pries und Joost ei­nig­ten sich dar­auf, die neue Re­gie­rung ent­schei­den zu las­sen. »Mal schau­en, was die nächs­te Bun­des­re­gie­rung mit der Rol­le des Di­gi­tal Cham­pi­ons an­fängt, dann kön­nen wir uns dazu aus­tau­schen«, schrieb Joost im No­vem­ber an ei­nen Be­am­ten. Wen der neue Wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) zu Joosts Nach­fol­ger be­ru­fen wird, steht noch nicht fest: »Der­zeit lau­fen hier­zu die Ab­stim­mun­gen«, sag­te die Mi­nis­te­ri­ums­spre­che­rin.

Schamlos

• Die bri­ti­sche Sän­ge­rin Lily Al­len, 33, ist be­kannt für Par­ty­ex­zes­se und ihre fre­che Schnau­ze, aber auch als po­li­tisch en­ga­gier­te La­bour-Wäh­le­rin und Mut­ter. Auf ih­rem neu­en Al­bum »No Shame« un­ter­nimmt Al­len eine scho­nungs­lo­se Rei­se in ihr In­ne­res. Sie er­zählt von Dro­gen­miss­brauch, rech­net mit Ex-Freun­den ab und ge­steht ihre Schuld am Schei­tern ih­rer Ehe ein. Die Bot­schaft bei al­ler Selbst­kri­tik: All das ge­hört zu mir. Ich schä­me mich für nichts, was ich sage. Oder tue: Als ein Twit­ter-Nut­zer sie mit ei­nem Kon­zert­fo­to an­griff, auf dem un­ter dem Rock ihre Vul­va zu se­hen ist, ret­weete­te sie das Bild kur­zer­hand selbst. Dar­un­ter schrieb sie: »Drei Men­schen ka­men da raus. #No­S­ha­me«. Für ihre Re­ak­ti­on be­kam die Mu­si­ke­rin so viel Zu­spruch, dass Kri­ti­ker eine PR-Ak­ti­on hin­ter dem An­griff ver­mu­te­ten. Fest steht: Al­lens Al­bum­ti­tel ist Pro­gramm.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 24/2018.