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Irenäus Eibl-Eibesfeldt, 89

Sein gan­zes Forscher­le­ben dreh­te sich um die gro­ßen Fra­gen: »Lie­be und Hass. Zur Na­tur­ge­schich­te ele­men­ta­rer Ver­hal­tens­wei­sen« oder »Krieg und Frie­den aus der Sicht der Ver­hal­tens­for­schung« etwa hei­ßen Wer­ke des ge­bür­ti­gen Wie­ners. Sein Men­tor war Kon­rad Lo­renz; zu­sam­men mit dem Mee­res­for­scher Hans Hass reis­te Ire­nä­us Eibl-Ei­bes­feldt in den Fünf­zi­ger­jah­ren zu den bis da­hin kaum er­forsch­ten Ga­la­pa­gos­in­seln und kämpf­te fort­an für de­ren Schutz. Er er­forsch­te das Ver­hal­ten von Erd­krö­ten, Mee­resech­sen, Il­tis­sen und Eich­hörn­chen; ver­ehrt und kri­ti­siert aber wur­de er für sei­ne grund­le­gen­den Theo­ri­en zur Na­tur des Men­schen. Wel­che Ei­gen­schaf­ten sind an­ge­bo­ren, wel­che er­wor­ben durch Um­welt und Kul­tur? Und las­sen sich Er­kennt­nis­se aus dem Tier­reich auf den Men­schen über­tra­gen? Der For­scher be­such­te iso­liert le­ben­de Völ­ker in Afri­ka, Süd­ame­ri­ka und Neu­gui­nea – stets auf der Su­che nach uni­ver­sel­lem Ver­hal­ten. Kri­ti­kern war sein An­satz zu bio­lo­gis­tisch. So hielt Eibl-Ei­bes­feldt die Furcht vor Frem­den für ein Ele­ment der mensch­li­chen Grund­aus­stat­tung, tief ver­wur­zelt in des­sen Evo­lu­ti­on. Am Ende sei­ner Lauf­bahn grün­de­te er in Wien ein In­sti­tut für Stadt­e­tho­lo­gie: Wie, frag­te sich der Weit­ge­reis­te, prägt das Le­ben in der Groß­stadt den Men­schen? Ire­nä­us Eibl-Ei­bes­feldt starb am 2. Juni in Starn­berg.

Egon Hoegen, 89

Er war der Fahr­leh­rer der Na­ti­on, fast vier Jahr­zehn­te lang, als Stim­me der ARD-Rei­he »Der 7. Sinn«. Seit 1966 er­mahn­te Egon Ho­egen dort zum ord­nungs­ge­mä­ßen Blin­ken und zum Ge­brauch von Win­ter­rei­fen. Frau­en warn­te er da­vor, den Rück­spie­gel als Schmink­spie­gel zu miss­brau­chen oder durch hoch­ha­cki­ge Schu­he ihr Le­ben zu ris­kie­ren. Die Tex­te hat­te er nicht selbst ge­schrie­ben, sei­ne voll tö­nen­de Stim­me und die la­ko­ni­sche Art zu spre­chen er­ho­ben sie je­doch zu ei­ner ei­ge­nen Kunst­form. Ho­egen war Schau­spie­ler, er hat­te bei Re­gis­seur Gus­taf Gründ­gens ge­lernt und mit Wil­ly Mil­lo­witsch auf der Büh­ne ge­stan­den. Zu­letzt ar­bei­te­te er für Ra­dio An­der­nach, den Trup­pen­sen­der der Bun­des­wehr. Egon Ho­egen starb am 1. Juni.

Hilmar Hoffmann, 92

In Frank­furt am Main wur­de der Kul­tur­po­li­ti­ker weit­aus mehr re­spek­tiert und ge­fei­ert als die meis­ten Ober­bür­ger­meis­ter, un­ter de­nen er ar­bei­te­te. Ins­ge­samt 15 Mu­se­ums­grün­dun­gen in der Stadt ge­hen auf Hil­mar Hoff­manns In­itia­ti­ve zu­rück, dar­un­ter Pio­nier­ta­ten wie das ers­te ei­gen­stän­di­ge jü­di­sche Mu­se­um in Deutsch­land, ein Film- und ein Ar­chi­tek­tur­mu­se­um. Vie­le ent­stan­den in bes­ter Lage am Main­ufer und nur we­ni­ge Geh­mi­nu­ten von­ein­an­der ent­fernt. Wo im­mer es ging, ver­such­te der So­zi­al­de­mo­krat Hür­den und Hemm­schwel­len ab­zu­bau­en, Kunst und Kul­tur für bil­dungs­fer­ne Schich­ten zu öff­nen. Sein Ide­al ei­ner »Kul­tur für alle« hat der ge­bür­ti­ge Bre­mer in ei­nem pro­gram­ma­ti­schen Buch be­schrie­ben und 20 Jah­re lang bis 1990 als Kul­tur­de­zer­nent der Stadt in eine prak­ti­sche Po­li­tik um­ge­setzt, die bis heu­te weit über Frank­furt hin­aus als bei­spiel­haft gilt, auch wenn sie viel Geld kos­te­te. Spä­ter, als Prä­si­dent des Goe­the-In­sti­tuts, stritt er mit Kanz­ler Ger­hard Schrö­der um den Er­halt von Kul­tur­ein­rich­tun­gen – und un­ter­lag sei­nem Par­tei­freund in meh­re­ren Fäl­len. Sein Leit­bild, mit Kul­tur Brü­cken zu bau­en und im Ide­al­fall auch Kon­flik­te zu ent­schär­fen, ver­tei­dig­te Hoff­mann ve­he­ment. Bis ins hohe Al­ter mel­de­te er sich zu Wort, wenn es um Kul­tur­pro­jek­te ging oder um ge­sell­schafts­po­li­ti­sche Fra­gen wie den wach­sen­den Rechts­po­pu­lis­mus, vor dem er warn­te. Hil­mar Hoff­mann starb am 1. Juni in Frank­furt am Main.

Kate Spade, 55

Hand­ta­schen sind eine Wis­sen­schaft für sich: Form, Far­be, Ma­te­ri­al und die Auf­tei­lung der Fä­cher müs­sen ide­al auf­ein­an­der ab­ge­stimmt sein. Die Ame­ri­ka­ne­rin Kate Spa­de war eine Ex­per­tin auf die­sem Ge­biet. An­fang der Neun­zi­ger­jah­re, da ar­bei­te­te sie noch als Re­dak­teu­rin bei ei­ner Mo­de­zeit­schrift, gab ihr Mann ihr den Rat­schlag, Hand­ta­schen zu ent­wer­fen. So ein­fach sei das nicht, soll sie ihm ge­ant­wor­tet ha­ben. Doch sie ließ sich auf das Un­ter­fan­gen ein, ent­wi­ckel­te far­ben­fro­he und prak­ti­sche Mo­del­le, die den Ge­schmack vie­ler Kun­din­nen tra­fen. Kate Spa­des Ta­schen wa­ren seit Mit­te der Neun­zi­ger­jah­re in vie­len teu­re­ren ame­ri­ka­ni­schen Kauf­häu­sern zu fin­den, auch in Eu­ro­pa wa­ren sie ge­fragt – spä­tes­tens seit­dem die Haupt­dar­stel­le­rin­nen in der Fern­seh­se­rie »Sex and the City« ver­schie­de­ne Mo­del­le spa­zie­ren tru­gen. 2007 ver­kauf­ten Spa­de und ihr Mann Andy ihre An­tei­le an dem Un­ter­neh­men; vor knapp drei Jah­ren grün­de­ten sie un­ter dem Na­men Fran­ces Va­len­ti­ne eine neue Ac­ces­soire­fir­ma. Kate Spa­de wur­de am 5. Juni in ih­rer Woh­nung in Man­hat­tan tot auf­ge­fun­den.

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