Vom Mo­no­log zum Mul­ti­log. In mei­nem El­tern­haus, in den Acht­zi­ger­jah­ren, gab es eine Ta­ges­zei­tung auf dem Tisch (na­mens »Va­ter­land") und ein paar öf­fent­lich-recht­li­che Sen­der an TV und Ra­dio, das war's an Me­di­en. Ein sol­cher Zu­stand ist für Di­gi­tal Na­ti­ves, die in ei­nem dicht ge­wo­be­nen In­for­ma­ti­ons­netz le­ben, kaum noch vor­stell­bar. Man kann dem nach­trau­ern als ei­ner Zeit gro­ßer dis­kur­si­ver Ruhe und Ord­nung ge­gen­über dem heu­ti­gen per­ma­nen­ten, viel­stim­mi­gen me­dia­len Lärm. Miss­trau­isch aber soll­te man wer­den, wenn wie­der je­mand in der Ge­gen­wart die »Mei­nungs­viel­falt in Ge­fahr« sieht, weil zwei Re­gio­nal­blät­ter fu­sio­nie­ren oder ein Ra­dio­sen­der dicht­macht. Denn mehr Mei­nung, mehr Frei­heit und Ge­le­gen­heit zum Äußern der­sel­ben war nie als im Zeit­al­ter der di­gi­ta­len Öffent­lich­keit. Vor dem In­ter­net war das Ge­sell­schafts­ge­spräch eher Fron­tal­un­ter­richt, war, wie der Me­di­en­wis­sen­schaft­ler Wolf­gang Mühl-Ben­ninghaus sagt, »stark ge­prägt von den Mo­no­lo­gen der Mas­sen­me­di­en«, denn die­se Kom­mu­ni­ka­ti­on »war ab­sen­der­fi­xiert, hier die Spre­cher als Sub­jekt, dort das Pu­bli­kum als Ob­jekt«. Die Me­di­en sen­de­ten, die Leu­te hat­ten zu­zu­hö­ren und zu schwei­gen. Viel­leicht schrieb ei­ner mal ei­nen wohl­tem­pe­rier­ten Le­ser­brief, und viel­leicht wur­de der so­gar ab­ge­druckt. Mitt­ler­wei­le herrscht eher Mei­nungs­über­fluss als -man­gel. Selt­sam nur, dass aus­ge­rech­net heu­te, da al­les ge­sagt wer­den darf, so vie­le dar­auf po­chen, dass »man ja wohl noch sa­gen dür­fen wird, dass ...« – und dann folgt, was sie glau­ben nicht sa­gen zu dür­fen. Man darf üb­ri­gens auch mal schwei­gen.

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