Integra­ti­ons­verrat

Nation  Zwei berühmte deutsche Fußballer lassen sich mit dem türkischen Autokraten Erdoğan fotografieren. Dürfen die das?
Von Lothar Gorris

Sport­ler Özil mit Prä­si­dent Er­doğan in Lon­don: Auf­ge­schreckt aus dem wun­der­schö­nen Traum

Es gibt die­ses Foto von An­ge­la Mer­kel aus den Ka­ta­kom­ben des Ber­li­ner Olym­pia­sta­di­ons, wie sie Me­sut Özil die Hand schüt­telt. Das Foto ist acht Jah­re alt, ent­stan­den nach ei­nem Län­der­spiel ge­gen die Tür­kei. Frau Mer­kel hat­te sich das Match zu­sam­men mit dem da­ma­li­gen tür­ki­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­doğan an­ge­se­hen, der ei­nen deutsch-tür­ki­schen Freund­schafts­schal trug und da­mals noch nicht ganz der Schur­ke zu sein schien, als der er heu­te gilt. Die Deut­schen sieg­ten 3:0, es war eher ein Heim­spiel für die Tür­ken. Wenn Özil den Ball be­kam, pfif­fen die mehr als 40 000 Fans des tür­ki­schen Teams ihn aus, vie­le von ih­nen Deutsch­tür­ken. Er schoss trotz­dem ein Tor, auf den Ju­bel ver­zich­te­te er. Wer nicht zum Team ge­hört, hat nor­ma­ler­wei­se nichts in der Um­klei­de ver­lo­ren. Frau Mer­kel, ei­nen Fo­to­gra­fen im Schlepp­tau, hat, so kann man das wohl sa­gen, Me­sut Özil fast ein we­nig gestalkt. Er steht dort in kur­zer Hose und mit nack­tem Ober­kör­per, ein Hand­tuch in der Hand, und weiß nicht recht, wie ihm ge­schieht. Er wirkt ein biss­chen rat­los.

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