Ge­heim­dienst­ler Hay­den 2006: »Eine Ero­si­on von Wer­ten«

»Trump feiert gerade«

Geheimdienste Der frühere NSA- und CIA-Direktor Michael Hayden, 73, über die Folgen des Ausstiegs aus dem IranAbkommen und einen eindimensionalen Präsidenten

SPIEGEL: Im Fe­bru­ar ka­men die ame­ri­ka­ni­schen Ge­heim­diens­te zu dem Schluss, dass Iran mehr oder we­ni­ger die Ver­pflich­tun­gen des Atom­de­als ein­hält ...

Hay­den: ... nicht mehr oder we­ni­ger. Te­he­ran hat das Ab­kom­men be­folgt, Punkt. Der Nach­rich­ten­dienst­di­rek­tor Dan Coats sag­te da­mals: Iran ist wei­ter von ei­ner Atom­waf­fe ent­fernt als ohne die­ses Ab­kom­men, und wir wis­sen mehr über das ira­ni­sche Nu­kle­ar­pro­gramm als zu­vor.

SPIEGEL: War­um steigt Do­nald Trump aus dem Ab­kom­men aus, ge­gen den Rat der Ge­heim­diens­te?

Hay­den: Weil er Ent­schei­dun­gen nicht auf­grund von ob­jek­ti­ver Rea­li­tät trifft. Er hat ein vor­ge­fer­tig­tes Nar­ra­tiv über die Welt, und das ver­tei­digt er. Vor Trump ka­men sämt­li­che US-Prä­si­den­ten zu ähn­li­chen Schlüs­sen: Frei­han­del ist gut für Ame­ri­ka. Im Gro­ßen und Gan­zen nutzt uns Ein­wan­de­rung. Und rei­fe, selbst­be­wuss­te Ver­bün­de­te ma­chen uns stär­ker. Jetzt ist da je­mand, der Im­mi­gran­ten als Be­dro­hung und Ver­bün­de­te als Last emp­fin­det und ge­gen Frei­han­del kämpft. Das stellt Ame­ri­ka, wie wir es seit 75 Jah­ren ken­nen, auf den Kopf. Wer eine be­lie­bi­ge Po­si­ti­on des Prä­si­den­ten ver­ste­hen will, muss Ba­rack Oba­mas Hal­tung dazu ken­nen – Trump macht das Ge­gen­teil. Im Ge­sund­heits­we­sen, beim Pa­ri­ser Kli­ma­schutz­ab­kom­men, beim Transpa­zi­fi­schen Frei­han­dels­ab­kom­men, in Sy­ri­en und nun beim Iran-Ab­kom­men.

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