>

Elke Schmit­terBes­ser weiß ich es nicht

Macht und Böller

Was wir von Nord­ko­rea ler­nen kön­nen, ist Sil­ves­ter klar ge­wor­den: Die Ob­rig­keit stif­tet zur Jah­res­wen­de ex­akt ein staat­li­ches Feu­er­werk – in Zah­len: 1 – zur Trös­tung in der all­ge­mei­nen Trau­rig­keit, zur Be­grü­ßung des neu­en Jah­res mit sei­nen irr­wit­zi­gen Hoff­nun­gen (Frie­den, Ver­nunft, Gleich­be­rech­ti­gung der Frau) und zur Ein­he­gung des vor­wie­gend bart­trä­ge­ri­schen Be­dürf­nis­ses nach Krach und un­mit­tel­ba­rer, gern auch furcht­er­re­gen­der Wirk­sam­keit. Der böl­ler­wer­fen­de Mann gleicht dem Kleinst­kin­de, das Zei­tungs­pa­pier in die Hand be­kommt und mit wach­sen­dem nar­ziss­ti­schem Ver­gnü­gen knüllt, zer­reißt, in Fet­zen um sich ver­streut: Nie hat es aus ei­ge­ner Kraft sol­che sinn­li­che Wirk­sam­keit er­zielt, sel­ten so viel Be­geis­te­rung emp­fun­den und Be­wun­de­rung ge­ern­tet. Seht an, was ich ver­mag! In Deutsch­land gibt man die­sem Klein­kind nach, in Nord­ko­rea re­giert es, und sie­he: Es will al­lein knat­tern. Und über­ra­schen. Es sen­det Frie­dens­zei­chen an den Nach­bar­staat und hat so die Freu­de über sei­ne Macht­fül­le durch den Über­ra­schungs­ef­fekt ge­stei­gert. Es hat von Trump ge­lernt, wie die­ser von den Kol­le­gen Or­bán, Ma­du­ro, Mu­ga­be, dar­in al­le­samt Zög­lin­ge des gro­ßen Sta­lin, dass nichts die Bin­dung un­ter Men­schen, Ab­hän­gig­keit vor­aus­ge­setzt, mehr in­ten­si­viert als Un­be­re­chen­bar­keit. Nicht nur der Be­schluss zeigt die Wich­tig­keit des Be­feh­len­den; dass er sich wi­der­spre­chen darf, be­män­telt oder nicht (Trumps Steu­er­re­form als ver­klei­de­tes Ge­schenk an die working poor?), wirkt als Be­stä­ti­gung im Schöns­ten, im Schie­ren. Die Bot­schaft selbst ist Aus­übung von Macht, weil sie sich we­der um Sinn noch Un­sinn sche­ren muss.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer SPIEGEL-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 2/2018.