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Lie­ber Fahr­rad­dieb, Sie Bas­tard, ich has­se Sie. Wir ken­nen uns nicht, und ich wer­de Sie nie fin­den. Sie ha­ben mir mein Rad ge­stoh­len, pink war es, aus Stahl, „Cy­cles for He­roes“ stand auf dem Sat­tel. Das war mei­ne klei­ne Ra­ke­te. Die Po­li­zei sagt, Men­schen wie Sie knif­fen ein Bil­lig­schloss in Se­kun­den mit ei­ner schar­fen Zan­ge durch. Den Stif­tung-Wa­ren­test-Sie­ger fräs­ten Sie in zwei Mi­nu­ten mit dem Win­kel­schlei­fer ent­zwei. Die Po­li­zei hat im ver­gan­ge­nen Jahr in Deutsch­land 332 486 Fahr­rad­dieb­stäh­le re­gis­triert, aber Sie wis­sen, dass Sie und Ih­res­glei­chen viel mehr ge­klaut ha­ben; „Dun­kel­zif­fer“, Sie wis­sen schon. Aber ich sag Ih­nen was, Sie ros­ti­ge Ramsch­ba­cke: Viel­leicht dre­hen Sie ge­ra­de eine Run­de auf mei­ner Ra­ke­te, oder Sie freu­en sich dar­über, dass im­mer mehr Rä­der in Groß­städ­ten gemopst wer­den. Aber ei­gent­lich und fürs gan­ze Land be­trach­tet, ver­lie­ren Sie: Denn die Zahl der Fahr­rad­dieb­stäh­le pro 100 000 Ein­woh­ner, so sagt es die Po­li­zei­li­che Kri­mi­nal­sta­tis­tik, ist in 23 Jah­ren um mehr als ein Drit­tel ge­sun­ken. Mir als Be­trof­fe­nem fällt es schwer, das zu glau­ben, aber so ist es. Im Jahr 1993 wa­ren es 651, im Jahr 2016 nur noch 405 ge­stoh­le­ne Rä­der pro 100 000 Ein­woh­ner. Nie­mand weiß ge­nau, war­um das so ist, aber ver­mut­lich liegt es dar­an, dass das Rad das neue Auto ist. Wir ach­ten bes­ser auf un­ser Rad, wir ha­ben stär­ke­re Schlös­ser. Wir tra­gen das Rad nachts in un­se­re Woh­nung, da­mit es si­cher steht. Und seit Sie in mein Le­ben ge­tre­ten sind, Sie amo­ra­li­sche alte Rad­na­be, ma­che ich das auch. Ver­ach­tungs­voll, Ihr

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 2/2018.