ZEIT­REISE – DER SPIEGEL VOR 50 JAHREN

Aus­ga­be 16/​1968
Familienrecht

Das Ende des Bastards

Zwischen Recht und Moral bestehen bisweilen gewaltige Diskrepanzen. Das galt ganz besonders für die Behandlung des unehelichen Nachwuchses, weshalb sich die Bundesregierung genötigt sah, das Gesetz den veränderten Moralvorstellungen anzupassen. Der kaum minder anachronistische Kuppelei-Paragraf blieb vorerst unangetastet.

Für die ka­tho­li­sche Kir­che wa­ren die au­ßer­halb der Ehe ge­zeug­ten Kin­der noch im­mer "Ir­re­gu­la­res ex de­fec­tu" – Fleisch ge­wor­de­ne Fehl­trit­te. Na­he­zu alle an­de­ren stan­den dem zu­vor als Ban­ker­te oder Bas­tar­de ge­schmäh­ten Nach­wuchs mitt­ler­wei­le mehr oder min­der li­be­ral ge­gen­über. Die Zei­ten, in de­nen Bun­des­kanz­ler Ade­nau­er "mit An­spie­lun­gen auf die un­ehe­li­che Ge­burt des SPD-Chefs Wil­ly Brandt im Wahl­kampf zu re­üs­sie­ren ver­moch­te", wa­ren längst vor­bei. Das mag auch da­mit zu tun ha­ben, dass die Zahl der "Nie­man­ds­kin­der" ste­tig zu­rück­ging, ob­wohl die gro­ße Mehr­heit der Ju­gend­li­chen vor­ehe­li­chen "in­ti­men Um­gang" pfleg­te. Doch ob­wohl das Grund­ge­setz eine Gleich­be­hand­lung un­ehe­li­cher Kin­der ver­lang­te, konn­te da­von 1968 noch im­mer kei­ne Rede sein: Die le­dig­lich bio­lo­gi­schen Vä­ter wa­ren nicht in glei­chem Maße un­ter­halts­pflich­tig, ihre Kin­der hat­ten kein An­recht auf ei­nen Pflicht­teil am Erbe, ja sie stan­den von Ge­burt an un­ter der Vor­mund­schaft des Ju­gend­amts – ge­ra­de so, als miss­traue man der al­lein­er­zie­hen­den Mut­ter.

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