Per­so­na­lien

Bösewicht und Retter

• Ein Ne­ben­ef­fekt von Do­nald Trumps Prä­si­dent­schaft ist die Wie­der­kehr des Bu­ches als Ent­hül­lungs­me­di­um. Nach Mi­cha­el Wolffs »Feu­er und Zorn« setzt nun der ehe­ma­li­ge FBI-Di­rek­tor Ja­mes Co­mey, 57, auf den Knall­ef­fekt sei­nes Be­richts »A Hig­her Loyal­ty«, der am Diens­tag in den USA und auch in Deutsch­land (»Grö­ßer als das Amt«) er­schei­nen wird. Schon der Ti­tel zeigt, dass Co­mey ver­sucht, die Au­to­ri­tät über sein Nar­ra­tiv zu­rück­zu­er­obern – Trump hat­te von ihm Loya­li­tät ein­ge­for­dert, was von vie­len als Ein­griff in die Un­ab­hän­gig­keit des Be­am­ten ge­wer­tet wur­de. Co­mey ist vor al­lem des­halb eine so schil­lern­de Fi­gur des Wa­shing­to­ner Po­lit­zir­kus, weil er sich, wie die »New York Times« schreibt, je nach po­li­ti­scher An­sicht vom Bö­se­wicht zum Ret­ter oder um­ge­kehrt ent­wi­ckelt hat, und schon die­se Wort­wahl zeigt, wie sehr man Po­li­tik in Sto­rys denkt. Ei­ner­seits hat Co­mey nach An­sicht vie­ler De­mo­kra­ten Hil­la­ry Clin­ton im Wahl­kampf enorm ge­scha­det, an­de­rer­seits könn­te er durch sein Wis­sen Prä­si­dent Trump jetzt ge­fähr­lich wer­den. Schon sein Auf­tritt vor dem Kon­gress im Juni ver­gan­ge­nen Jah­res war ein me­dia­les Groß­er­eig­nis, das man live strea­men konn­te, dem­entspre­chend groß sind die Er­war­tun­gen an sein Buch. Der über zwei Me­ter gro­ße Co­mey sucht nun also, nach­dem er sich eher be­deckt ge­hal­ten hat­te, die Öffent­lich­keit und ab­sol­viert im Lau­fe der Wo­che eine Pro­mo­ti­on­tour durch alle wich­ti­gen Talk­shows und Städ­te, am Frei­tag wird er in Chi­ca­go eine Le­sung ge­ben – Ti­cket­prei­se bis zu tau­send Dol­lar.

Nichts zu lachen

• Die Mo­dera­to­rin und Jour­na­lis­tin Lisa Ortgies, 52, kri­ti­siert weib­li­che Co­me­di­ans da­für, dass sie »auf der Büh­ne das ›Welk­fleisch‹ an ih­ren Ober­ar­men zum Schau­keln brin­gen oder über Brüs­te wit­zeln, die sich in den Knien ver­fan­gen«. Die Ko­mi­ke­rin­nen mach­ten in ih­ren Shows all die Scher­ze, »die Män­ner nicht mehr ma­chen dür­fen, weil sie sonst bei #Me­Too lan­den und ih­ren Ruf, ih­ren Job oder ihre Freun­de ver­lie­ren«, schreibt Ortgies in ih­rem neu­en Buch (»Ich möch­te gern in Wür­de al­tern, aber doch nicht jetzt«, Kie­pen­heu­er & Witsch). Ei­nen mög­li­chen Grund für den Trend zur Selbst­iro­nie sieht sie dar­in, dass Frau­en so sehr dar­an ge­wöhnt sei­en, be­wer­tet zu wer­den, dass sie in­zwi­schen lie­ber die Flucht nach vorn an­trä­ten. »Ich stel­le mir vor, wie Die­ter Nuhr oder Ma­rio Barth über ihre ei­ge­nen Hän­geho­den frot­zeln. Das wäre ir­gend­wie un­sou­ve­rän. Und schlicht­weg nicht wit­zig. Son­dern un­denk­bar. Weil – wür­de­los.«

Politik im Louvre

• Der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron sieht den Lou­vre an­schei­nend als ei­nen wirk­sa­men Ort für Sym­bol­po­li­tik. Das hat sich ge­zeigt, als er den In­nen­hof des eins­ti­gen Schlos­ses für sei­ne Rede nach dem Wahl­sieg nutz­te. Und auch die Er­öff­nung des Lou­vre Abu Dha­bi, also ei­ner Art De­pen­dance in den Emi­ra­ten, war mehr als nur eine gro­ße Fei­er und wur­de von vie­len als Po­li­ti­kum ver­stan­den. Dass Ma­cron per­sön­lich den Kron­prin­zen Sau­di-Ara­bi­ens, Mo­ham­med bin Sal­man, 32, wäh­rend des­sen Pa­risauf­ent­halts in der ver­gan­ge­nen Wo­che durch den Ori­gi­nal-Lou­vre ge­führt hat, sorg­te für Spe­ku­la­tio­nen. Nicht zu­letzt die Tat­sa­che, dass Ma­cron mit dem Prin­zen »Die Frei­heit führt das Volk« von Eu­gè­ne De­lacroix an­steu­er­te und ein Foto von sich und dem Thron­fol­ger vor dem be­rühm­ten Ge­mäl­de auf Twit­ter pos­te­te, konn­te man als de­zen­tes Be­kennt­nis zu li­be­ra­len Wer­ten ver­ste­hen, die der Kron­prinz in Sau­di-Ara­bi­en ge­ra­de vor­sich­tig ein­zu­füh­ren be­ginnt. Das Ge­mäl­de zeigt die bar­bu­si­ge Ma­ri­an­ne, die blau-weiß-rote Fah­ne schwen­kend – das fran­zö­si­sche Sym­bol der Frei­heit schlecht­hin.

1972

Teure Melone

• Den ei­ge­nen Kel­ler aus­zu­mis­ten und Din­ge los­zu­wer­den, die ei­nen an die Ver­gan­gen­heit bin­den, kann durch­aus be­frei­end sein. Schön auch, wenn man da­für ziem­lich viel Geld be­kommt, weil die ei­ge­ne Be­rühmt­heit auf die Aura des ver­meint­li­chen Krams ab­färbt, der auf die­sem Wege zu re­gel­rech­ten Ar­te­fak­ten auf­ge­wer­tet wird. So ver­stei­ger­te erst letz­te Wo­che Rus­sell Cro­we im Zuge sei­ner Schei­dung ei­nen Groß­teil sei­ner al­ten Film­re­qui­si­ten beim Auk­ti­ons­haus Sothe­by­'s, un­ter an­de­rem den Brust­pan­zer aus »Gla­dia­tor« für 152 500 aus­tra­li­sche Dol­lar. Im Juni wird sich auch Liza Min­nel­li, 72, ei­ni­ger ih­rer an­ge­sam­mel­ten Schät­ze ent­le­di­gen. Das größ­te In­ter­es­se dürf­te die Me­lo­ne auf sich zie­hen, die sie 1972 als Sal­ly Bow­les im Mu­si­cal »Ca­ba­ret« trug. Un­ter den mehr als 1900 Ob­jek­ten be­fin­den sich auch meh­re­re Fo­to­gra­fi­en von An­nie Lei­bo­vitz so­wie ein 20 000-US-Dol­lar-Scheck von Andy War­hol. Der­zeit sind Min­nel­lis wich­tigs­te Hab­se­lig­kei­ten in ei­ner Aus­stel­lung im ka­li­for­ni­schen Be­ver­ly Hills zu se­hen. »Mein Le­ben ist ein Ge­schenk wech­seln­der Freund­schaf­ten und Be­zie­hun­gen, die alle in die­sen Ob­jek­ten ge­sam­melt sind«, sag­te Min­nel­li dazu.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 16/2018.