Per­so­na­lien

Eier, Schinken, Hafergrütze

• Die Songs von Tina Tur­ner ken­ne sie seit ih­rer Kind­heit, auch ihre El­tern sei­en gro­ße Fans, er­zählt die US-ame­ri­ka­ni­sche Schau­spie­le­rin und Sän­ge­rin Adri­en­ne War­ren, 30. Dass sie die Rock­sän­ge­rin per­sön­lich tref­fen, ge­schwei­ge denn als Tina auf der Büh­ne ste­hen wür­de, lag al­ler­dings au­ßer­halb ih­res Vor­stel­lungs­ver­mö­gens. Bei­des ist ein­ge­tre­ten: War­ren ver­kör­pert den Star in der Lon­do­ner West-End-Pro­duk­ti­on »Tina – The Tina Tur­ner Mu­si­cal«. Es wird die Le­bens­ge­schich­te der Künst­le­rin von ih­rer Kind­heit bis in die Acht­zi­ger­jah­re er­zählt. Tina Tur­ner be­glei­te­te die Pro­ben­ar­bei­ten und stand War­ren für Hin­ter­grund­ge­sprä­che zur Ver­fü­gung. Die hat­te für ei­nen Broad­way-Auf­tritt 2016 eine Tony-No­mi­nie­rung er­hal­ten, kurz dar­auf kam die An­fra­ge aus Lon­don, ob sie als Tina be­reit­stün­de. Die in­zwi­schen 78-jäh­ri­ge Diva sprach über die Ehe mit Ike Tur­ner, der sie re­gel­mä­ßig miss­han­del­te, ge­nau­so of­fen wie über Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten. Um ge­nug Kraft für ihre en­er­gie­in­ten­si­ven Büh­nen­auf­trit­te zu ha­ben, aß sie an Ta­gen mit Vor­stel­lun­gen ein ka­lo­ri­en­rei­ches Süd­staa­ten­früh­stück: Eier, Schin­ken, Ha­fer­grüt­ze. Bis zur Show nahm sie fast nichts mehr zu sich. So will es jetzt auch War­ren hal­ten; sie stammt wie Tur­ner aus dem Sü­den der USA.

Richter in Ungnade

• Die Zu­sam­men­ar­beit des ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den Rich­ters am Bun­des­ge­richts­hof, Tho­mas Fi­scher, 64, und der Wo­chen­zei­tung »Die Zeit« hat ein jä­hes Ende ge­fun­den. »Herr Fi­scher schreibt für uns nicht mehr«, heißt es auf Nach­fra­ge. An­fang Ja­nu­ar hat­te Fi­scher ei­nen Text vor­ge­legt, der sich kri­tisch mit der Be­richt­er­stat­tung über die Vor­wür­fe meh­re­rer Frau­en ge­gen den Re­gis­seur Die­ter We­del be­fass­te. Fi­scher stör­te sich an dem Ar­ti­kel, weil der »nicht neu­tral und un­vor­ein­ge­nom­men« sei. Die »Zeit« lehn­te ei­nen Ab­druck ab. Nach ei­nem wei­te­ren jour­na­lis­tisch viel be­ach­te­ten Ent­hül­lungs­be­richt zu We­del bot Fi­scher sei­nen ak­tua­li­sier­ten Text – ohne wei­te­re Rück­spra­che mit der »Zeit« – dem On­line­dienst Mee­dia an, der die Phil­ip­pi­ka ver­öf­fent­lich­te. Fi­scher schreibt von ei­nem »öf­fent­li­chen Tri­bu­nal«, der »Zeit« wirft er im We­sent­li­chen un­sau­be­re Me­tho­den vor. Fi­scher war von 2015 bis Mai 2017 auf Zeit On­line mit der Ko­lum­ne »Fi­scher im Recht« ver­tre­ten, sei­ne kom­pro­miss­lo­sen Tex­te be­ka­men viel Zu­spruch, aber auch em­pör­te Kri­tik. Manch­mal er­reich­te er mehr als eine Mil­li­on Le­ser. »Jetzt«, so Fi­scher, »hat man mir so­gar mein ›Zeit‹-Frei­abo mit so­for­ti­ger Wir­kung ge­stri­chen.« Vor Jah­ren hat­te die heu­ti­ge stell­ver­tre­ten­de »Zeit«-Chef­re­dak­teu­rin Sa­bi­ne Rück­ert ein Por­trät Fi­schers ge­schrie­ben mit dem Ti­tel »Der un­be­que­me Rich­ter«.

Ein Halbgott?!

• Der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron, 40, fas­zi­nier­te die Me­di­en von An­fang an, nun aber ver­lie­ren man­che Jour­na­lis­ten an­schei­nend jede Dis­tanz. Die Wo­chen­zeit­schrift »VSD« prä­sen­tiert den Staats­chef in ei­ner Fo­to­mon­ta­ge als Halb­gott »Her­ku­les-Ma­cron« auf dem Co­ver, der mit Rüs­tung und Schwert für sei­ne Re­for­men kämpft. Der Ti­tel ist nicht als Sa­ti­re ge­meint. Im Text heißt es ernst­haft, »wie der Held aus der My­tho­lo­gie« kämp­fe Ma­cron »mit der Ent­schlos­sen­heit ei­nes Gla­dia­tors« für Re­for­men. »Er geht nicht, er ga­lop­piert«, so schnell re­for­mie­re er das gan­ze Land. »Er ist wie ein Rug­by­spie­ler. Er nimmt den Ball, läuft los und weiß: Wenn er sich um­dreht, ist er tot«, zi­tiert das Blatt zu­dem ei­nen nicht na­ment­lich ge­nann­ten Mi­nis­ter. Kri­tik trifft le­dig­lich die Mit­ar­bei­ter des Prä­si­den­ten. Denn nicht al­len ge­lin­ge es, mit dem Rhyth­mus ih­res Chefs mit­zu­hal­ten: »Im Ge­gen­satz zum Halb­gott brau­chen sie mehr als vier Stun­den Schlaf.«

Weiße Stadt an der Spree

• We­gen ei­nes ras­sis­ti­schen Tweets ver­langt Noah Be­cker, 24, von dem AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Jens Mai­er 15 000 Euro Schmer­zens­geld. Der Sohn von Ten­nis­le­gen­de Bo­ris Be­cker war auf Mai­ers Twit­ter-Ac­count An­fang Ja­nu­ar als »klei­ner Halb­ne­ger« be­zeich­net wor­den. In ei­nem Schrei­ben an Be­ckers An­walt Chris­ti­an-Oli­ver Mo­ser lehn­te der Rechts­au­ßen­po­li­ti­ker eine Zah­lung ab. Auf Be­ckers An­ge­bot, al­ter­na­tiv mit­tels ei­ner Spen­de von 7500 Euro an eine ka­ri­ta­ti­ve Or­ga­ni­sa­ti­on den Streit bei­zu­le­gen, ging Mai­er nicht ein. Noah Be­cker habe »sich selbst zu­nächst ras­sis­tisch ge­äu­ßert«, be­haup­tet der AfD-Mann. Und »der, der aus­teilt«, müs­se eben auch ein­ste­cken. Be­cker hat­te in ei­nem In­ter­view ge­sagt, Ber­lin sei eine »wei­ße Stadt«. Rechts­an­walt Mo­ser: »Uns bleibt in An­be­tracht von Mai­ers Re­ak­ti­on nichts an­de­res üb­rig, als den Ent­schä­di­gungs­an­spruch ein­zu­kla­gen.« Bis­her hat­te Mai­er, der selbst vie­le Jah­re als Rich­ter ge­ar­bei­tet hat, ein­ge­räumt, der rasch ge­lösch­te Tweet sei be­lei­di­gend ge­we­sen. Ver­ant­wort­lich für das Twit­tern aber sei ein Mit­ar­bei­ter ge­we­sen. Die Staats­an­walt­schaft Dres­den er­mit­telt ge­gen Mai­er we­gen des Ver­dachts der Be­lei­di­gung.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 13/2018.