High Glass

Der Wein sei beim Kun­den nie an­ge­kom­men, je­den­falls nicht in der be­stell­ten Men­ge. Ent­we­der sei er falsch auf­ge­la­den wor­den oder wäh­rend der Fahrt, nun ja: ver­schwun­den. Ger­hard Kra­cher kennt das Pro­blem des Wa­ren­schwunds. In Ill­mitz am Neu­sied­ler See be­treibt er ei­nes der re­nom­mier­tes­ten Fa­mi­li­en­wein­gü­ter Öster­reichs. Sei­ne edel­sü­ßen Tro­cken­bee­ren­aus­le­sen zäh­len zu den bes­ten Süß­wei­nen der Welt. In 55 Län­der ex­por­tiert er sei­ne gold­far­be­nen Kon­zen­tra­te gu­ten Ge­schmacks, die man zu Des­serts, Käse oder zur Me­di­ta­ti­on ge­nießt. Bis zu 65 Euro kos­tet die hal­be Fla­sche des Jahr­gangs 2015, äl­te­re wer­den für deut­lich mehr ge­han­delt. Fei­ner Wein ge­hört zur Welt der Lu­xus­gü­ter - und fällt viel­leicht des­halb auch häu­fi­ger mal vom Last­wa­gen. Um dem vor­zu­beu­gen, do­ku­men­tiert Kra­cher als ei­ner der ers­ten Win­zer über­haupt je­den Wa­ren­aus­gang mit Li­veka­me­ras, de­ren Bil­der auf sei­nem Smart­pho­ne er­schei­nen. Seit­her muss der 36-Jäh­ri­ge kaum noch kost­spie­li­gen Schwund be­kla­gen. Lu­xus sind Kra­chers Wei­ne aber we­ni­ger auf­grund ih­res Prei­ses als we­gen des Auf­wands, mit dem sie der Na­tur ab­ge­run­gen wer­den. Die durch Ne­bel, Wind und Son­ne ver­edel­ten und mehr­fach hand­ver­le­se­nen Ro­si­nen, aus de­ren öli­gen Trop­fen die Tro­cken­bee­ren­aus­le­sen er­zeugt wer­den, ge­ben nur we­nig Men­ge her. Vom 2014er gab es wit­te­rungs­be­dingt nur 375 Li­ter. 2015 stimm­te die Ern­te wie­der, ins­ge­samt zwölf Tro­cken­bee­ren­aus­le­sen um­fasst die ak­tu­el­le, durch­num­me­rier­te »Kol­lek­ti­on«, in der »Num­mer 6«, die »Gran­de Cu­vée« aus Char­don­nay und Welsch­ries­ling, die feins­te ist (38 Euro bei www.rare-wine.com). Samm­ler soll­ten eine der li­mi­tier­ten Holz­kis­ten mit den Num­mern »1« bis »12« kau­fen. Und gut hü­ten, da­mit sie, nun ja, nicht ver­schwin­den.

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