Staurekorde, verstopfte U-Bahnen: So viele Deutsche wie nie arbeiten an einem anderen Ort, als sie leben. In welchen Städten gibt es dadurch am meisten Bewegung? Aus welchen Kleinstädten fahren die Einwohner raus zur Arbeit?

Die Gründe für dieses tägliche Hin und Her? Der anhaltende Trend zur Suburbani­sierung: Ruhe und Natur, verbesserte Einkaufs­möglichkeiten und ein ausgebauter Nahverkehr machen das Leben im Umland attraktiver als in der Großstadt – mit ihren hohen Mieten und Kita-Gebühren.

Ob sie aus dem Umland in die Großstadt fahren oder einen viel kürzeren Weg auf sich nehmen, macht einen großen Unterschied. Mindestens ebenso entscheidend: Wie nutzen die Pendler die Zeit des Arbeitsweges? Nehmen sie sie als Zeitver­schwendung wahr? Oder als Geschenk?

Wir haben vier SPIEGEL-­Kollegen auf ihrem Arbeitsweg begleitet, um das herauszufinden. Und wir starten mit dem beliebtesten Transport­mittel der Deutschen:

1.
Das Auto

Wissenschafts-­Redakteur Olaf Stampf ist besonders früh unterwegs. Deshalb hat er sein eigenes Morgenritual für die Autofahrt:

Der Wohnort entscheidet über die Fahrtzeit: Großstädter sind länger zur Arbeit unterwegs als Beschäftigte aus dem Rest des Landes. Auch deshalb greifen immer mehr Städter zum Fahrrad:

2.
Das Fahrrad

SPIEGEL-TV-­Redakteurin Christina Pohl schwört auf ihr Fahrrad als Transportmittel ins Büro. Für sie ist die Strecke am Morgen auch Entspannung:

Frauen haben im Durchschnitt kürzere Arbeitswege. Woran das liegt? Forscher vermuten, dass die noch immer verbreitete klassische Rollen­verteilung dahinter steckt: Der Mann nimmt als Hauptverdiener einen längeren Weg in Kauf, die Frau kümmert sich mehr um die Kinder, arbeitet häufiger in Teilzeit.

3.
Die U-Bahn

Katrin Elger berichtet über Veränderungen der deutschen Gesellschaft. Autofahren durch die Stadt ist für sie Zeit­verschwendung, in die Redaktion nimmt sie daher auch für einen weiten Weg die U-Bahn:

Die Wahl des Verkehrsmittels ist entscheidend, denn sie kann weniger Stress oder mehr Rücken­schmerzen bedeuten. Zugpendler gehören neben Radfahrern und Fußgängern zu den zufriedeneren Nomaden des Alltags.

4.
Der Zug

Wirtschaftsredakteur Martin U. Müller wohnt in Berlin, sein Arbeitsplatz befindet sich aber in Hamburg. Die Zeit der ICE-Fahrten zwischen den Metropolen hat er sich zunutze gemacht:

Ob im ICE oder mit dem Auto: Das immer längere Pendeln hat seine Auswirkungen auf das Privatleben. Wochenend­pendler etwa leben häufiger geschieden. Und wer sich um kleine Kinder oder kranke Eltern kümmert, empfindet den Berufsverkehr als besonders vergeudete Zeit.

Was muss die Politik tun? Endlich den öffentlichen Nahverkehr und die Fahrradwege ausbauen. Und was können Sie tun? Möglichst aktiv sein: Wenn die U-Bahn nicht kommt, mal eine Station zu Fuß gehen. Fahr­gemeinschaften auf dem Land bilden.

Und auch die Chefs in den Firmen können helfen: Keine Meetings am frühen Morgen, überhaupt flexiblere Arbeitszeiten, damit nicht alle zu den Stoßzeiten in die Busse drängen. Und wenn es möglich ist: ab und zu Homeoffice. Pendeln wird umso besser, je seltener man es muss.

Team

Recherche/Datenanalyse
Marcel Pauly, Achim Tack

Videos
Lars Frensch, Christoph Koitka

Animation
Alexander Epp, Roman Höfner, Lorenz Kiefer

Illustration
Michael Walter

Grafik
Gernot Matzke

Bildredaktion
Susanne Döttling

Programmierung
Tobias Hellwig, Lorenz Kiefer

Redaktion
Marco Kasang

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