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Per­so­na­lien

Das Geisterhaus

Seit dem Blut­bad an ei­ner Schu­le in Flo­ri­da Mit­te Fe­bru­ar strei­ten die Ame­ri­ka­ner über schär­fe­re Waf­fen­ge­set­ze, wie­der ein­mal. Der Zu­fall will es, dass aus­ge­rech­net jetzt ein neu­er Spiel­film die Fol­gen der Ob­ses­si­on für Schuss­waf­fen zeigt: Im Gru­selthril­ler „Win­ches­ter – Das Haus der Ver­damm­ten“ ver­kör­pert die bri­ti­sche Os­car­preis­trä­ge­rin He­len Mir­ren, 72, die Wit­we des Ge­wehr­fa­bri­kan­ten Wil­li­am Win­ches­ter, die durch das Ver­mächt­nis ih­res Gat­ten in den Wahn­sinn ge­trie­ben wird (Ki­no­start: 15. März). Zu ei­ner Vor­ab­auf­füh­rung des Films in ei­nem Kino in Los An­ge­les er­schien Mir­ren ganz in Schwarz, an­de­re Be­su­che­rin­nen tru­gen schwar­ze Ge­sichts­schlei­er. Die ech­te Sa­rah Win­ches­ter (um 1840 bis 1922) zog sich nach dem Tod ih­res Man­nes in eine Vil­la in San José, Ka­li­for­ni­en, zu­rück. Bis heu­te hält sich die Le­gen­de, die Geis­ter je­ner Men­schen, die mit Ge­weh­ren der Mar­ke Win­ches­ter er­schos­sen wur­den, gin­gen dar­in um. Das „Win­ches­ter Mys­te­ry Hou­se“ hat 160 Zim­mer und ist heu­te eine Tou­ris­ten­at­trak­ti­on mit Mu­se­ums­café und Sou­ve­nir­shop.

Auf der Suche

Der Schau­spie­ler Chris­ti­an Ber­kel, 60, schreibt an sei­nem ers­ten Ro­man: „Der Ap­fel­baum“ soll nach fast zehn Jah­ren Re­cher­che am 12. Ok­to­ber im Ull­stein-Ver­lag er­schei­nen. Ber­kel er­zählt die Lie­bes- und Le­bens­ge­schich­te von Sala und Otto, die sich An­fang der Drei­ßi­ger­jah­re als Teen­ager in Ber­lin ken­nen­ler­nen und sich wäh­rend der Hit­ler-Dik­ta­tur aus den Au­gen ver­lie­ren. Sala, die nach na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schem Ge­setz Halb­jü­din ist, emi­griert mit ih­rem un­ehe­li­chen Kind nach Ar­gen­ti­ni­en und kehrt 1955 zu­rück nach Ber­lin – wo sie den Va­ter ih­res Kin­des wie­der­trifft. Ber­kels Fa­mi­li­en­ro­man über drei Ge­ne­ra­tio­nen be­ruht auf wah­ren Be­ge­ben­hei­ten und Er­leb­nis­sen sei­ner El­tern. Als er sechs oder sie­ben Jah­re alt war, kam ein Mann zu Be­such, ein Ame­ri­ka­ner, hieß es. Doch „On­kel Wal­ter“ sprach per­fekt Deutsch, das wun­der­te das Kind. On­kel Wal­ter sei jü­disch und habe des­halb aus­wan­dern müs­sen, war die Er­klä­rung. „Und du, du bist auch ein biss­chen jü­disch“, sag­te die Mut­ter, selbst Toch­ter ei­ner Jü­din, bei die­ser Ge­le­gen­heit. Ber­kel er­in­nert sich sehr ge­nau an die Un­si­cher­heit, die die­se In­for­ma­ti­on bei ihm aus­lös­te. „Ein biss­chen“ schien ihm so un­voll­kom­men wie ein De­fekt. Seit­her, so weiß Ber­kel im Rück­blick, trei­be ihn die Fra­ge nach der ei­ge­nen Iden­ti­tät um. Dass der Schau­spie­ler sich als Au­tor ver­sucht, hängt auch mit sei­nem Be­dürf­nis zu­sam­men, die ei­ge­ne Ge­schich­te zu ver­voll­stän­di­gen – und so viel­leicht der nach­fol­gen­den Ge­ne­ra­ti­on zu hel­fen, die Ver­gan­gen­heit bes­ser zu ver­ste­hen.

Aussetzer

Er ist über sich selbst er­schro­cken: Da­vid Byr­ne, 65, in Schott­land ge­bo­re­ner Mu­si­ker und ehe­ma­li­ger Front­mann der Tal­king Heads, hat sein ak­tu­el­les So­lo­al­bum, das ers­te nach 14 Jah­ren, mit ei­nem rein männ­li­chen Kol­le­gen­kreis pro­du­ziert. „Ame­ri­can Uto­pia“ ist seit Frei­tag auf dem Markt, ei­ni­ge Songs konn­ten schon zu­vor ge­streamt wer­den. Auf Ins­ta­gram ver­öf­fent­lich­te Byr­ne eine Ent­schul­di­gung, nach­dem er eine Lis­te der Mit­wir­ken­den ge­pos­tet hat­te und dar­auf­hin ne­ga­ti­ve Re­ak­tio­nen er­folg­ten, weil kei­ne ein­zi­ge Frau ge­nannt war. Er be­dankt sich bei den­je­ni­gen, die ihm ge­schrie­ben ha­ben, das The­ma be­deu­te ihm viel, die Aus­wahl der Mit­wir­ken­den ent­spre­che ihm über­haupt nicht und pas­se auch nicht zu sei­ner bis­he­ri­gen Ar­beits­wei­se – sie sei „irr­wit­zig“. Ihm sei be­wusst, wie „pro­ble­ma­tisch und weit­ver­brei­tet“ das Ge­schlech­terun­gleich­ge­wicht in der Mu­sik­in­dus­trie sei. Byr­ne gibt sich zer­knirscht: „Ich dach­te nie, dass ich ei­ner die­ser Ty­pen bin, aber an­schei­nend bin ich es bis zu ei­nem ge­wis­sen Gra­de doch.“

um 1935

Verruchte Sommer

Er wird noch heu­te als Ret­ter der Na­ti­on ver­ehrt, als Held mit Spleens und Ma­rot­ten, der aber eine gute Ehe führ­te. Nun muss das Bild von Wins­ton Chur­chill, 1965 ver­stor­be­ner bri­ti­scher Po­li­ti­ker, er­gänzt wer­den: Er hat­te eine Af­fä­re. Das ent­hüllt eine Chan­nel-4-Fern­seh­do­ku­men­ta­ti­on. „Chur­ch­il­l's Se­cret Af­fair“ hieß dem­nach Do­ris Cast­le­ros­se, ge­bo­re­ne De­le­ving­ne – und war eine Groß­tan­te des Mo­dels Cara De­le­ving­ne. Die lei­den­schaft­li­che Be­zie­hung zwi­schen Chur­chill und der eben­so gla­mou­rö­sen wie ver­ruch­ten Lady Cast­le­ros­se spiel­te sich in Süd­frank­reich ab. In den Som­mern von 1934 bis 1936 tra­fen sie sich in dem Cha­teau ei­ner ame­ri­ka­ni­schen Schau­spie­le­rin. Um Chur­chills Ehe stand es in die­ser Zeit nicht gut, er war po­li­tisch iso­liert und such­te viel­leicht Trost in den Ar­men der Frau, die ge­sagt ha­ben soll: „Es gibt kei­ne im­po­ten­ten Män­ner, nur in­kom­pe­ten­te Frau­en.“ Die Af­fä­re en­de­te still, Chur­chill wur­de 1940 Pre­mier und führ­te Groß­bri­tan­ni­en durch den Zwei­ten Welt­krieg. Lady Cast­le­ros­se leb­te in den USA, bis er ihr 1942 zur Heim­kehr ver­half. We­gen des Krie­ges war es ex­trem schwie­rig, eine Rei­se zu or­ga­ni­sie­ren, Chur­chill ließ sei­ne Be­zie­hun­gen zum Wei­ßen Haus spie­len. Ein Wie­der­se­hen gab es nicht. Lady Cast­le­ros­se starb im Al­ter von 42 Jah­ren an ei­ner Über­do­sis Schlaf­ta­blet­ten.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 11/2018.