All­rad­pest

Kommentar Jeder dritte neue Pkw weltweit ist jetzt ein Geländewagen. Wozu noch Straßen asphaltieren?

von Christian Wüst

Der eng­li­sche Au­to­pro­du­zent Ja­gu­ar hat sich die Mühe ge­macht, ei­nen elek­trisch an­ge­trie­be­nen Ge­län­de­wa­gen zu ent­wi­ckeln. Der wur­de am Mon­tag auf dem Gen­fer Au­to­sa­lon vor­ge­stellt und von sei­nem Her­stel­ler als »Im­puls­ge­ber« be­zeich­net. Man muss kein Ge­nie der Markt­for­schung sein, um die­sem Fahr­zeug­ent­wurf eine gute Pro­gno­se zu ge­ben. Er ver­ei­nigt zwei so­ge­nann­te Me­ga­trends: den Wunsch, mit Strom zu fah­ren, und das Be­dürf­nis, sich ohne er­kenn­ba­ren Grund in ei­nem all­rad­ge­trie­be­nen Nutz­fahr­zeug fort­zu­be­we­gen. Je­der drit­te Neu­wa­gen, der welt­weit ver­kauft wird, fällt in­zwi­schen un­ter die Gat­tung »Sport Uti­li­ty Ve­hi­cle«, kurz SUV. Die Ver­kehrs­po­li­tik könn­te re­agie­ren und alle In­ves­ti­tio­nen in den Stra­ßen­bau ein­stel­len. Wozu noch Wege asphal­tie­ren, wenn sich ein Drit­tel al­ler Men­schen für ei­nen Fahr­zeug­typ ent­schei­det, der kei­ne In­fra­struk­tur braucht? Die Her­stel­ler wer­den die­se Ver­ir­rung des Kun­den­ge­schmacks wei­ter mit Wer­bung und neu­en Ent­wür­fen un­ter­stüt­zen, denn mit kaum ei­nem Pro­dukt ver­die­nen sie so viel Geld wie mit ih­ren All­rad­ko­los­sen. Dass die­se dann mit Strom fah­ren soll­ten, leuch­tet da­bei ein. SUVs sind En­er­gie­fres­ser, und Ben­zin­ver­schwen­dung wird in der EU mit Straf­zah­lun­gen ge­ahn­det. Strom hin­ge­gen darf nach Be­lie­ben ver­geu­det wer­den. E-Mo­bi­le gel­ten amt­lich als kli­ma­neu­tral. Dass alle zar­ten Er­fol­ge der En­er­gie­wen­de ver­puf­fen, wenn ein Mil­lio­nen­volk von grü­nen Heuch­lern auf Bat­te­rie-SUVs um­steigt, kann sich je­der aus­rech­nen, der noch mit halb­wegs kla­rem Ver­stand auf die mo­bi­le Welt blickt.

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