Ko­lum­ne

12 Wochen in Riad

Der Sa­tan lau­ert über­all, sagt Has­san, zum Bei­spiel wenn die Frau­en in Sau­di-Ara­bi­en jetzt im­mer häu­fi­ger of­fen ihre schö­nen Ge­sich­ter zei­gen und die schwar­zen Ge­wän­der ge­gen bun­te Ab­a­jas tau­schen. Das Land will sich der Welt öff­nen, und mein Nach­bar Has­san glaubt, Gott ge­fal­le das nicht. Des­halb hat Has­san jetzt ein Pla­kat ge­malt, um so vie­le Men­schen wie mög­lich auf den Pfad des wah­ren Is­lam zu­rück­zu­füh­ren. Er rollt es im Vor­hof sei­nes Hau­ses aus, be­schwert die En­den mit Scha­len voll Dat­teln und Pis­ta­zi­en­kek­sen. Zu se­hen ist die Mensch­heits­ge­schich­te auf ei­ner Zeit­ach­se. Es gibt nur zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der man kommt ins Pa­ra­dies, das ist grün und hell, oder man schmort in der Höl­le, da ist es feu­er­rot und schwarz. Das Ende der Welt ist nah, sagt Has­san, »wenn die Häu­ser in den Him­mel wach­sen und das Me­tall spricht«, so pro­phe­zei­en is­la­mi­sche Schrif­ten. Ge­meint sei­en die Hoch­häu­ser von Riad und die mo­der­nen Mo­bil­te­le­fo­ne. Auf dem Pla­kat sind Adam und Eva zu se­hen, Ur­va­ter Abra­ham, Noah, der Men­schen und Tie­re auf der Ar­che ret­te­te, und Je­sus. Der sei kein schlech­ter Pro­phet ge­we­sen, sagt Has­san, aber eben nicht der letz­te, das sei Mo­ham­med. Je­sus sei des­halb out, wie Ger­hard Schrö­der jetzt nicht mehr wich­tig sei, weil Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel re­gie­re, er­klärt Has­san welt­läu­fig: »Die Zeit drängt, Su­san­ne, willst du wirk­lich in der Höl­le en­den?« Ich trin­ke mei­nen Kaf­fee und ver­ab­schie­de mich ei­lig, un­be­kehrt. »Komm wie­der, auf ei­nen Kaf­fee«, ruft Has­san, mit Un­ge­duld in der Stim­me.

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