Der Un­ter­gang der »San­chi«. Po­si­ti­ve Ent­wick­lun­gen drü­cken sich meist als Nich­ter­eig­nis­se aus: Heu­te wie­der kei­ne Hun­gers­not; kein Flug­zeug­ab­sturz zu ver­mel­den, nir­gends; alle Öltan­ker ha­ben ihre Zie­le ohne Zwi­schen­fäl­le er­reicht. So was könn­te man fast je­den Tag schrei­ben, macht aber na­tür­lich nie­mand, weil es lang­wei­lig ist. Wir la­sen statt­des­sen am 6. Ja­nu­ar mit Schre­cken vom ira­ni­schen Öltan­ker »San­chi«, der 113 000 Ton­nen Öl ge­la­den hat­te, als er im Ost­chi­ne­si­schen Meer mit ei­nem Frach­ter kol­li­dier­te. Auf dem Was­ser bil­de­ten sich drei Öltep­pi­che, die zu­sam­men 332 Qua­drat­ki­lo­me­ter groß wa­ren; das ent­spricht etwa der Flä­che Dres­dens. Ge­mes­sen an der aus­ge­lau­fe­nen Men­ge han­del­te es sich um die neunt­größ­te Ölka­ta­stro­phe in der Ge­schich­te der mo­der­nen See­fahrt. Doch Un­glü­cke wie das der »San­chi« wer­den glück­li­cher­wei­se im­mer sel­te­ner, die Zahl der Tan­ker­ha­va­ri­en nimmt seit lan­ger Zeit ab. 1979 er­eig­ne­ten sich in ei­nem ein­zi­gen Jahr 92 Öltan­ker­un­fäl­le, dar­un­ter der Un­ter­gang der »At­lan­tic Em­press«, 287 000 Ton­nen Öl ström­ten in die Ka­ri­bik – trau­ri­ger Re­kord. 1989 wa­ren es 45 Un­fäl­le, 1999 noch 25. 2017 wa­ren es nur 6. Der Rück­gang liegt vor al­lem an den hö­he­ren Si­cher­heits­stan­dards der Schif­fe. Vie­le von ih­nen ha­ben mitt­ler­wei­le ein un­ab­hän­gi­ges zwei­tes Na­vi­gier- und An­triebs­sys­tem für den Not­fall. Und seit 1996 wer­den Tan­ker mit ein­fa­cher Hül­le schritt­wei­se durch Dop­pel­hül­len­schif­fe er­setzt. Nicht ver­schwei­gen darf man, dass die mit Ab­stand größ­te Ölka­ta­stro­phe kein Schiff ver­ur­sacht hat. Nach ei­ner Ex­plo­si­on auf der Bohr­platt­form »De­ep­wa­ter Ho­ri­zon« flos­sen 700 000 Ton­nen Öl in den Golf von Me­xi­ko – sechs­mal so viel wie beim Un­ter­gang der »San­chi«.

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