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NS-Bau Haus der Kunst in Mün­chen 2007: Was­ser durchs Dach

SPIEGEL-Ge­spräch

„Wie schuldig kann ein Gebäude sein?“

Der Brite Sir David Chipperfield soll das Haus der Kunst in München sanieren, das einst ein Vorzeigebau der Nazis war. Nun wirft man ihm vor, die Vergangenheit zu verherrlichen.

Chip­per­field, 63, ist welt­be­kannt für sei­ne kan­ti­gen Neu­bau­ten und auch für sei­ne Mo­der­ni­sie­run­gen his­to­ri­scher Ge­bäu­de. In Ber­lin schuf er den Mas­ter­plan für die Sa­nie­rung der Mu­se­ums­in­sel, de­ren Bau­wer­ke im Zwei­ten Welt­krieg stark be­schä­digt und zu DDR-Zei­ten nur not­dürf­tig in­stand ge­setzt wor­den wa­ren. Dort bau­te er auch das ver­fal­le­ne klas­si­zis­ti­sche Neue Mu­se­um bis 2009 wie­der auf, nicht ori­gi­nal­ge­treu, son­dern als „kri­ti­sche Re­kon­struk­ti­on": Zer­stör­tes wur­de nicht durch Ko­pi­en, son­dern durch er­kenn­bar Neu­es er­setzt. Es gab zu­erst Kri­tik, dann über­wog das Lob. Ak­tu­ell er­gänzt der Lon­do­ner das En­sem­ble der In­sel um ei­nen Neu­bau. Und er re­no­viert, eben­falls in Ber­lin, ein Ju­wel aus Glas und Stahl: die Neue Na­tio­nal­ga­le­rie vom Mo­der­nis­ten Lud­wig Mies van der Rohe am Kul­tur­fo­rum. 2013 wur­de Chip­per­field, der Mann für deut­sche Ar­chi­tek­tur-Mo­nu­men­te, aus­er­ko­ren, das Haus der Kunst in Mün­chen zu sa­nie­ren, ei­nen 175 Me­ter lan­gen Ko­loss aus der NS-Zeit, der am Eng­li­schen Gar­ten steht. 78 Mil­lio­nen Euro darf er aus­ge­ben. Vor ein paar Mo­na­ten stell­te er sei­ne Plä­ne vor, die man­chen als un­kri­ti­sche Re­kon­struk­ti­on er­schei­nen. „Fehlt nur noch die Ha­ken­kreuz-Fah­ne“, hieß es im „Ta­ges­spie­gel“. „Ge­schichts­ver­ges­sen­heit“ be­klag­te die Is­rae­li­ti­sche Kul­tus­ge­mein­de in Mün­chen.

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