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Das Internet mal wieder

Al­go­rith­men auf Face­book füh­ren zu Fil­ter­bla­sen, Fake News ver­brei­ten sich im so­zia­len Netz mil­lio­nen­fach. Erst mal kein Wun­der, dass in der Dis­kus­si­on wie­der die Netz­pes­si­mis­ten do­mi­nie­ren. Dirk von Geh­len, Di­gi­tal­jour­na­list bei der „Süd­deut­schen Zei­tung“, will in sei­nem neu­en Buch Meta! nun eine „kul­tur­prag­ma­ti­sche Her­an­ge­hens­wei­se“ an die Seg­men­tie­rung von Öffent­lich­keit im Netz dar­le­gen. Das klingt erst mal gut, weil be­son­nen: Ei­nen Rück­weg aus dem In­ter­net gibt es nicht, und auch wenn die Ge­gen­wart düs­ter ist, be­geg­net doch der der Zu­kunft am bes­ten, der sich nicht läh­men lässt. Geh­lens Kern­the­se: Durch das Netz wird der Kon­text wich­ti­ger – ge­meint sind die Be­din­gun­gen, un­ter de­nen kon­su­miert, ge­lebt und kre­iert wird –, wäh­rend der Durch­schnitt – das im­mer­glei­che An­ge­bot für alle – aus­stirbt. Eine Ent­wick­lung, die auch durch das Sam­meln von Me­ta­da­ten mög­lich wird und für Geh­len Chan­cen in al­len Le­bens­be­rei­chen schafft; in­di­vi­dua­li­sier­ten Ver­kehrs­funk und pass­ge­nau ein­ge­stell­te Me­di­ka­men­te etwa. Lei­der be­rei­tet Geh­len die­ses po­si­ti­ve Ge­gen­pro­gramm zu pes­si­mis­ti­schen Über­wa­chungs- und Fil­ter­bub­ble­s­ze­na­ri­en ar­gu­men­ta­tiv viel zu dünn auf. Mit viel mehr als va­gen Ver­wei­sen auf Ef­fi­zi­enz­ge­win­ne und Nut­zen für den Ein­zel­nen stützt er sei­ne Kon­text­the­se nicht. Wer aber we­der die be­nutz­ten Be­grif­fe noch die ei­ge­ne Po­si­ti­on er­klärt, zeigt eben ge­ra­de kei­nen Kul­tur­prag­ma­tis­mus, son­dern ent­larvt, wie blind es ma­chen kann, wenn Fort­schritts­glau­be das Fun­da­ment ab­gibt, statt ge­sell­schafts- oder wirt­schafts­theo­re­tisch ein­ge­bet­tet zu wer­den: Weil Geh­lens op­ti­mis­ti­sche Start-up-Men­ta­li­tät in­ne­hal­ten aus­schließt, kommt die Kri­tik am Dar­ge­stell­ten viel zu kurz.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 5/2017.