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Die Welt als Massengrab

Da ist ein Loch in der Welt, und in die­sem Loch ver­schwin­det al­les, was vom Va­ter tot­ge­prü­gelt wird. Der räu­di­ge Hund, der hung­rig ums Haus streicht. Der flug­un­fä­hi­ge Rie­sen­vo­gel, der oben in den Ber­gen nach Aas sucht. Und die Mut­ter. Auch sie hat der Va­ter in sei­nem wort­lo­sen Zorn und mit sei­nen wuch­ti­gen Pran­ken er­schla­gen. Das be­haup­tet zu­min­dest der jun­ge Held die­ses Bu­ches, der den Le­ser gleich von An­fang an mit­nimmt auf sei­nem Weg ab­wärts: „Ein Jun­ge rann­te schrei­end ei­nen Berg her­un­ter. Der Jun­ge war ich.“ So die ers­ten Wor­te in Chi­na Miévil­les Sci­ence-Fic­tion-Go­t­hic-No­vel­le Die­ser Volks­zäh­ler, in der der Au­tor den Hin­ter­grund des End­zeit-Set­tings dif­fus hält, wäh­rend er zu­gleich ver­stö­rend kon­kre­te Bil­der ei­ner Posta­po­ka­lyp­se ent­wirft. Die Hand­lung bleibt ein La­by­rinth: Hat der Va­ter tat­säch­lich die Mut­ter er­schla­gen? Und vor al­lem: Wie ist die Welt in die­sen Zu­stand ge­ra­ten? Da wer­den Schwei­ne in ehe­ma­li­gen In­dus­trie­an­la­gen ge­hal­ten, und Fle­der­mäu­se wer­den von hung­ri­gen Kin­dern mit In­sek­ten­kö­dern aus der Luft ge­an­gelt. Die Ge­sell­schaft ein Mas­sen­grab, die Spra­che eine Rui­ne – Miévil­le springt beim Er­zäh­len zwi­schen ers­ter und zwei­ter Per­son, und bei den son­der­ba­ren We­sen, die sei­ne Ge­schich­te be­völ­kern, weiß man oft nicht, ob es sich um Mu­tan­ten han­delt oder ob sie nur ein Pro­dukt der ge­stör­ten Wahr­neh­mung des Jun­gen sind. Miévil­le schreibt für Men­schen, die auch ohne Hap­py End und Gu­te­n­acht­kuss ein­schla­fen. Ein Ab­grund von Buch.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 5/2017.