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Per­so­na­lien

Heimlicher Beobachter

Wie um­ge­hen mit ei­nem Mo­tel­be­sit­zer, der sei­ne Gäs­te beim Sex be­ob­ach­te­te? Mit die­ser Fra­ge setz­te sich der Jour­na­list Gay Ta­le­se, 85, jahr­zehn­te­lang aus­ein­an­der. Auf Net­flix ist jetzt die Do­ku­men­ta­ti­on „Voy­eur“ zu se­hen, die nicht nur die Ge­schich­te des Mo­tel­be­sit­zers Ge­rald Foos, son­dern vor al­lem die Re­cher­chen und den Um­gang des Re­por­ters da­mit re­kon­stru­iert. Seit­dem Ta­le­se in den Sech­zi­ger­jah­ren ein be­ein­dru­cken­des Por­trät Frank Si­na­tras ge­schrie­ben hat – für das er aus­schließ­lich mit Leu­ten aus des­sen Um­feld, nie mit Si­na­tra selbst sprach –, ge­nießt der stets in An­zug und Hut ge­klei­de­te Ame­ri­ka­ner den Ruf als Meis­ter des New Jour­na­lism. Foos, der sei­ne Gäs­te durch Lö­cher in der De­cke aus­spio­nier­te, kon­tak­tier­te den Jour­na­lis­ten be­reits 1980, um ihm von sich zu er­zäh­len. Ta­le­se fuhr zu ihm nach Co­lo­ra­do, durf­te so­gar mit ihm spio­nie­ren und sämt­li­che sei­ner Ta­ge­buch­auf­zeich­nun­gen ein­se­hen. Ver­öf­fent­li­chen aber durf­te er vor­erst nichts. Dass der Jour­na­list sich tat­säch­lich dar­an hielt und die Sto­ry erst 2016 mit sei­nem Buch „The Voy­eur's Mo­tel“ öf­fent­lich mach­te, sorg­te für Auf­re­gung. In der Do­ku­men­ta­ti­on scheint es, als habe Ta­le­se die Dis­tanz zu Foos teil­wei­se ver­lo­ren: „Er ist nicht un­heim­lich“, sagt er über den Mann, der sei­ne Gäs­te über Jah­re hin­weg heim­lich be­ob­ach­te­te.

Viele Antworten

Die Fra­ge, wer sie sei, hat Meg­han Mark­le, 36, in ei­nem Es­say ein­mal so be­ant­wor­tet: „Ich bin Schau­spie­le­rin, Au­to­rin, eine ziem­lich gute Kö­chin und glau­be fest an die Vor­zü­ge hand­schrift­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on.“ Mar­kles ei­ge­ne Ant­wort han­delt also von der US-Se­rie „Suits“ (in der sie eine der Haupt­rol­len spiel­te), von ih­rem Blog (den sie in­zwi­schen ein­ge­stellt hat) und von ih­rem Hang zum Bo­den­stän­di­gen (sie mag auch Fe­ri­en zu Hau­se). Dann gibt es noch die Schub­la­den­ant­wort, die ei­gent­lich alle von ihr hat­ten hö­ren wol­len. Zu­min­dest bis­her. Sie lau­tet: Mark­le ist die Toch­ter ei­nes wei­ßen Va­ters und ei­ner afro­ame­ri­ka­ni­schen Mut­ter. Seit Mark­le und Prinz Har­ry aber in die­ser Wo­che ihre Ver­lo­bung of­fi­zi­ell ge­macht ha­ben, gilt Mark­le als die gla­mou­rö­ses­te und mo­derns­te Her­zo­gin, die der Bucking­ham-Pa­last je ge­se­hen hat. Zu­min­dest für die Bou­le­vard­zei­tun­gen ist Mark­le ab jetzt nur noch „die US-Prin­zes­sin“ oder „Dia­na 2.0“.

Rauchzeichen

Wenn Thü­rin­gens Mi­nis­ter­prä­si­dent Bodo Ra­me­low, 61, zu Hau­se in Er­furt den Ka­min an­feu­ert, ge­ra­ten die Ret­tungs­kräf­te der Stadt in Auf­ruhr. Die po­li­zei­lich be­son­ders ge­si­cher­te Po­li­ti­ker­woh­nung ist mit Rauch­mel­dern aus­ge­stat­tet, die im Ernst­fall di­rekt die Feu­er­wehr alar­mie­ren. Ei­ner der Mel­der hängt di­rekt über dem Ka­min. Am Mon­tag rück­te der Lösch­zug un­ter Höl­len­lärm bei Ra­me­low an, als sei­ne Frau nichts ah­nend das Feu­er schür­te. Ein Jahr zu­vor hat­te es den glei­chen Ein­satz ge­ge­ben, als der Re­gie­rungs­chef ein Stroh­feu­er im Ka­min ent­facht hat­te. Auch ei­nem ver­meint­li­chen Ein­bruch wur­de be­reits nach­ge­gan­gen: Die sen­si­ble Si­cher­heits­tech­nik hat­te auf eine her­ab­fal­len­de Or­chi­de­en­blü­te re­agiert. Der ge­nerv­te Lin­ken­po­li­ti­ker will nun beim Si­cher­heits­kon­zept ab­rüs­ten las­sen.

Zur Wehr gesetzt

Die af­gha­ni­sche Re­gis­seu­rin Roya Sa­dat, 34, hat ihre gan­ze re­vo­lu­tio­nä­re Lust in eine Ohr­fei­ge ge­legt. Sie schlägt aber nicht selbst zu. In ih­rem Film „A Let­ter to the Pre­si­dent“ wird die Haupt­fi­gur Sora­ya von ih­rem Ehe­mann ge­schla­gen. Und Sora­ya schlägt zu­rück, noch hef­ti­ger. Bei ei­ner Film­vor­füh­rung in Ka­bul, bei der auch Sa­dat an­we­send war, setz­te bei die­ser Sze­ne gro­ßer Ap­plaus im Pu­bli­kum ein, wie Sa­dat jetzt der „New York Times“ sag­te. „Die Men­schen lie­ben die­se Ohr­fei­ge.“ Es sei nicht leicht für das af­gha­ni­sche Pu­bli­kum zu ak­zep­tie­ren, dass eine Frau sich wehrt und ih­ren Mann schlägt, aber: „Der Film be­wegt die Men­schen. Denn es ist ein Schlag ins Ge­sicht der Un­ge­rech­tig­keit, der die Frau­en hier aus­ge­setzt sind.“ Sie­ben Jah­re lang ar­bei­te­te Sa­dat an dem Film, und weil sie we­nig Un­ter­stüt­zer fand, pro­du­zier­te sie ihn schließ­lich auch selbst. Im Ja­nu­ar tritt „A Let­ter to the Pre­si­dent“ als bes­ter fremd­spra­chi­ger Film bei den Os­cars an. Doch al­lein we­gen der Re­ak­ti­on des Pu­bli­kums in Ka­bul habe sich der Film schon ge­lohnt, sagt Sa­dat.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 49/2017.