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Be­nimm dich bei Tisch, und schnäuz dich ge­fäl­ligst in die lin­ke Hand, wenn Gäs­te da sind. Weil man mit der rech­ten Hand das Fleisch nimmt. Und piss nur ge­gen die Ta­pe­te, wenn schon ab­ge­räumt ist. So klan­gen gute Ma­nie­ren zur Lu­ther-Zeit. Eras­mus von Rot­ter­dam fand zwar das Nase­boh­ren bei Tisch un­pas­send, weil alle aus ei­nem Fleisch­topf aßen. Das „fla­tum ven­tris“ da­ge­gen, das Ent­lüf­ten des Un­ter­leibs bei Tisch, dür­fe aus Grün­den der Ge­sund­heit nicht un­ter­sagt wer­den. Erst all­mäh­lich ver­fei­ner­ten sich die Tisch­sit­ten – und das auch nur bei Hofe und kei­nes­wegs in al­len Län­dern. Die Ga­bel hat­te es be­son­ders schwer, sich durch­zu­set­zen. Bis heu­te wird sie in Asi­en eben­so wie das Mes­ser als Aus­druck von Un­zi­vi­li­tät ge­se­hen, weil ei­gent­lich eine Waf­fe. Wozu gibt es Stäb­chen? „Die Ga­bel ist nichts an­de­res als die In­kar­na­ti­on ei­nes be­stimm­ten Af­fekt- und Pein­lich­keits­stan­dards“, schreibt Nor­bert Eli­as. Auch das Zer­le­gen gan­zer Tie­re bei Tisch wur­de erst im Lau­fe des 19. Jahr­hun­derts in die Kü­che ver­bannt. Dem Fleisch sol­le, so die da­mals neue Idee, mög­lichst sei­ne der Ge­walt ge­schul­de­te Her­kunft nicht an­zu­mer­ken sein. Auch wenn die Be­nimm­re­geln sich seit Knig­ge wie­der ge­lo­ckert ha­ben ("Bei Tisch wird nicht ge­re­det!"), geht es uns heu­te zwei­fel­los bes­ser beim Es­sen. Im Re­stau­rant Ta­bak­qualm ein­at­men zu müs­sen ist heu­te so un­vor­stell­bar, wie einst die Darm­win­de des Nach­barn un­ver­meid­lich wa­ren.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 49/2017.