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KARIN DOR, 79

Sean Con­ne­ry scherz­te, wenn Deutsch­land das WM-Fi­na­le in Wem­bley ge­win­nen soll­te, wür­de sie kei­ne Ar­beits­er­laub­nis er­hal­ten. Deutsch­land ver­lor, die For­mu­la­re la­gen am nächs­ten Tag im Brief­kas­ten. Das war 1966, Ka­rin Dor spiel­te an Con­ne­rys Sei­te das ers­te – und ein­zi­ge – deut­sche Bond-Girl. Die Rol­le der Hel­ga Brandt in „Man lebt nur zwei­mal“ mach­te die ele­gant und kühl agie­ren­de Dor in­ter­na­tio­nal be­kannt, Al­fred Hitch­cock be­setz­te sie bald dar­auf im Agen­ten­thril­ler „To­pas“. In der Bun­des­re­pu­blik war die in Wies­ba­den ge­bo­re­ne Dar­stel­le­rin da längst ein Film­star. In Fil­men wie „Der grü­ne Bo­gen­schüt­ze“ (1961) aus der Ed­gar-Wal­lace-Rei­he wur­de sie vor mör­de­ri­schen Nach­stel­lun­gen ge­ret­tet. Als Häupt­ling­s­toch­ter Ri­b­an­na ver­lieb­te sie sich in „Win­ne­tou 2“ (1964) un­glück­lich in den Ti­tel­hel­den, und dank der häu­fi­gen Wie­der­ho­lun­gen im Fern­se­hen lit­ten noch Ge­ne­ra­tio­nen jun­ger Zu­schau­er mit ihr. Oft hat­te sie un­ter der Re­gie ih­res Man­nes Ha­rald Reinl ge­spielt, bei den Ver­tre­tern des Neu­en Deut­schen Films war Dor da­ge­gen nicht ge­fragt. Mar­ga­re­the von Trot­ta be­setz­te sie schließ­lich für den Film „Ich bin die an­de­re“ (2006) als de­ka­den­te al­ko­hol­kran­ke Mut­ter der Prot­ago­nis­tin Kat­ja Rie­mann. An­ders als vie­le Stars ih­rer Ge­ne­ra­ti­on, so Trot­ta, sei Dor bei der Zu­sam­men­ar­beit un­kom­pli­ziert ge­we­sen – ihre Dar­stel­lung hin­ge­gen über­zeu­gend und zu­rück­hal­tend. 2015 be­setz­te die Re­gis­seu­rin Dor noch ein­mal in ei­ner Mut­ter­rol­le im Film „Die ab­han­de­ne Welt“. Ka­rin Dor, die im ver­gan­ge­nen Jahr schwer ge­stürzt war, starb am 6. No­vem­ber in Mün­chen.

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RICHARD GORDON, 88

Sein Puls klet­ter­te auf 162, als Ri­chard Gor­don 300 Ki­lo­me­ter über der Erde aus der „Ge­mi­ni 11“-Kap­sel stieg. Mit­ten ins Nichts. Der ers­te Au­ßen­ein­satz des As­tro­nau­ten Gor­don im Jahr 1966 ist ge­nau do­ku­men­tiert. Die klo­bi­gen Schutz­an­zü­ge mach­ten die Be­we­gun­gen im Welt­raum an­stren­gend und ge­fähr­lich. Er ver­fing sich im Luft­ver­sor­gungs­schlauch. Die As­tro­nau­ten der Sech­zi­ger­jah­re wa­ren die my­thi­schen Hel­den ei­ner neu­en Zeit, der SPIEGEL sah da­mals gar grie­chi­sches Schick­sal am Werk und schrieb über den Ein­satz: „Lao­koon­gleich rang Ri­chard Gor­don mit der Na­bel­schnur­schlan­ge.“ Drei Jah­re spä­ter – Neil Arm­strong hat­te be­reits sei­ne Fuß­spu­ren auf dem Mond hin­ter­las­sen – flog Gor­don eben­falls zum Erd­tra­ban­ten. Es war ihm nicht ver­gönnt aus­zu­stei­gen, er muss­te die „Apol­lo 12“ be­wa­chen. Wie vie­le As­tro­nau­ten kehr­te auch er vom Mond heim, um sich ganz ir­di­schen Din­gen zu wid­men: Er lei­te­te ein Foot­ball­team. Ri­chard Gor­don starb am 6. No­vem­ber in Ka­li­for­ni­en.

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HANS-MICHAEL REHBERG, 79

Er konn­te mit sei­nen mo­nu­men­ta­len Kie­fer­kno­chen so be­droh­lich mal­men wie kaum ein an­de­rer und war nicht nur un­ter den Schur­ken­dar­stel­lern auf der Thea­ter­büh­ne und im Fern­se­hen ein Gro­ßer. Hans-Mi­cha­el Reh­berg hat sich als sen­si­bler Ein­zel­gän­ger, der stets eine Nei­gung zur Ge­walt aus­zu­strah­len schien, früh Thea­ter­ruhm er­spielt. Mit fünf Ge­schwis­tern wuchs Reh­berg un­ter an­de­rem in Schle­si­en und am Starn­ber­ger See auf. Nach der Schau­spiel­schu­le ar­bei­te­te er in Mün­chen, Ham­burg, Ber­lin, Wien und bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len mit vie­len be­rühm­ten Thea­ter­ma­chern – und ge­riet nicht sel­ten mit ih­nen in Streit. Reh­berg war ein Zweif­ler, der sich nur un­ter­ord­nen moch­te, wenn ihm das als rich­tig ein­leuch­te­te. Wie im Thea­ter wur­de er auch im Fern­se­hen und im Kino zum Spe­zia­lis­ten für das Fach der äu­ßer­lich knall­har­ten Macht­män­ner und schil­lern­den Ty­ran­nen. Er spiel­te in Ste­ven Spiel­bergs „Schind­lers Lis­te“ mit, gab in zahl­lo­sen Kri­mis und Se­ri­en den schrul­li­gen Cha­rak­ter­kopf und trat zu­letzt un­ter an­de­rem 2015 in der TV-Ver­si­on von Fer­di­nand von Schi­rachs „Schuld“ auf. „Der in­ne­re Quark von Schau­spie­lern in­ter­es­siert mich nicht“, hat er ein­mal ge­sagt. Hans-Mi­cha­el Reh­berg starb am 7. No­vem­ber in Ber­lin.

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HANS SCHÄFER, 90

Mit dem Ti­tel „Held“ konn­te er nichts an­fan­gen, das „Wun­der von Bern“, der deut­sche Fuß­ball­tri­umph bei der Welt­meis­ter­schaft 1954, be­ruh­te für ihn auf Wil­lens­stär­ke, Selbst­ver­trau­en und Glück – und über­haupt: So red­se­lig der Links­au­ßen im Kreis der Na­tio­nal­mann­schaft war, so re­ser­viert gab sich der Köl­ner nach dem Kar­rie­re­en­de 1965. Wie sich man­cher WM-Mit­strei­ter ver­mark­te­te und her­um­rei­chen ließ, stieß dem ge­lern­ten Fri­seur und spä­te­ren Tank­stel­len­be­sit­zer Schä­fer eher übel auf. Sei­ne Kar­rie­re war ma­kel­los: ein­mal „Fuß­bal­ler des Jah­res“, zwei­mal Deut­scher Meis­ter mit dem 1. FC Köln, dem er 17 Jah­re lang treu blieb, drei WM-Teil­nah­men, eine Iko­ne ohne Al­lü­ren und im Rhein­land welt­be­kannt. Mit Ehe­frau Isis, die bei der 54er-WM in Spiez im Nach­bar­ho­tel der Mann­schaft wohn­te, war Schä­fer 64 Jah­re lang ver­hei­ra­tet. Sei­nem „FC“ stand er bis zum Schluss nahe, ohne sich ein­zu­mi­schen. Hans Schä­fer starb am 7. No­vem­ber in Köln.

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ANTONIO CARLUCCIO, 80

Vie­le, die schon ein­mal in Groß­bri­tan­ni­en wa­ren, ken­nen sie, die blaue Schnör­kel­schrift „Car­luc­ci­o's“. Mi­ni­ma­ler Auf­wand, ma­xi­ma­ler Ge­schmack: Das war das Mot­to des Star­kochs An­to­nio Car­luc­cio. Der ge­bür­ti­ge Ita­lie­ner ar­bei­te­te erst als Jour­na­list in Tu­rin, auch als Wein­händ­ler in Ham­burg. Vor knapp 40 Jah­ren er­öff­ne­te er sein ers­tes Re­stau­rant in Lon­don, in dem auch Ja­mie Oli­ver sei­ne Kar­rie­re be­gann. Er ver­öf­fent­lich­te 22 Koch­bü­cher, hat­te un­zäh­li­ge Fern­seh­auf­trit­te und be­kam so­gar Ver­dienst­or­den der bri­ti­schen und ita­lie­ni­schen Re­gie­rung. Grund­pfei­ler sei­nes Er­folgs war die Idee, qua­li­ta­tiv an­spruchs­vol­le Kü­che in güns­ti­gen Ket­ten­re­stau­rants an­zu­bie­ten. Im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich sind sei­ne Re­stau­rants und Cafés an mehr als 80 Stand­or­ten zu fin­den. An­to­nio Car­luc­cio, der dort zu Recht als Pate der ita­lie­ni­schen Gas­tro­no­mie gilt, starb am 8. No­vem­ber in Lon­don.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 46/2017.