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Thea­ter­kri­tik

Sturm im Glüh­wein­glas

Der Regisseur Milo Rau spielt in der Schaubühne und vor dem Reichstag ein bisschen Weltrevolution.

Es riecht nach feuch­ter Erde und alt­vä­ter­li­chen Joints auf der Wie­se vor dem Ber­li­ner Reichs­tag, als die Auf­stän­di­schen sich zum Kampf for­mie­ren. „Nicht zu breit wer­den, bit­te!“, ruft der Re­gis­seur, um die Men­ge aus rund 200 Frau­en und Män­nern zu ord­nen. Vorn ste­hen zwei Fah­nen­trä­ger, von de­nen ei­ner die rote Fah­ne des Auf­ruhrs trägt, der an­de­re die blau­grü­ne der Roma. Hin­ten ste­hen drei Po­li­zei­be­am­te in di­cken Schutz­pan­zern, ei­ner hat eine gel­be Leucht­wes­te mit den Let­tern „Ver­bin­dung zum Ver­an­stal­ter“ über­ge­streift. Mit­ten im Men­schen­pulk ist auf ei­ner drei Me­ter ho­hen Me­tall­stan­ge eine Ka­me­ra mon­tiert. Als sie ein­satz­be­reit ist, stürmt die Men­ge in Rich­tung Reichs­tags­ge­bäu­de – und in Er­man­ge­lung bes­se­rer re­vo­lu­tio­nä­rer Pa­ro­len ru­fen die Men­schen „Wow!“ und „Wuh!“, bis sie 20 Me­ter vor den Stu­fen des Par­la­ments­ge­bäu­des an ei­nem Ab­sperr­git­ter jäh­lings stop­pen und sich ohne Mur­ren in die Däm­me­rung trol­len.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 46/2017.