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Per­so­na­lien

Sünde mit System

Dass er der ers­te künst­le­ri­sche Di­rek­tor ei­nes be­deu­ten­den bri­ti­schen Thea­ters ist, der afri­ka­nisch-ka­ri­bi­sche Vor­fah­ren hat, sei „bei­na­he sünd­haft“, fin­det Kwa­me Kwei-Ar­mah, 50. Der Au­tor, Schau­spie­ler und In­ten­dant über­nimmt die Lei­tung des Young Vic in Lon­don. Das Feh­len von Schwar­zen in ver­gleich­ba­ren Po­si­tio­nen kann er sich nur mit „sys­te­ma­ti­scher Un­gleich­be­hand­lung“ er­klä­ren. Mit­te des Jah­res hat­te Kwei-Ar­mah be­kannt ge­ge­ben, dass er sei­nen Ver­trag mit dem Thea­ter Cen­ter Sta­ge in Bal­ti­more nicht ver­län­ge­re. Fast sie­ben Jah­re lang war er ei­ner der we­ni­gen Schwar­zen in den USA, die ein Haus die­ser Grö­ße lei­ten. Als Ian Ro­berts ge­bo­ren, er­leb­te er 1979 ge­walt­sa­me Aus­schrei­tun­gen in sei­nem Lon­do­ner Wohn­vier­tel Sou­th­hall haut­nah mit. Wei­ße Po­li­zis­ten, ge­folgt von ei­ner Hor­de Skin­heads, jag­ten schwar­ze und asia­ti­sche Jungs durch die Stra­ßen. Mit 19 Jah­ren nahm er sei­nen afri­ka­ni­schen Na­men an. Sei­ne Mut­ter woll­te gern, dass er An­walt wird. Doch Kwei­Ar­mah ent­schied sich für die Büh­ne. Er glaubt, dass sei­ne vor zwölf Jah­ren ver­stor­be­ne Mut­ter jetzt sehr stolz auf sei­nen neu­en Job wäre: „Sie wür­de es groß­ar­tig fin­den, weil ich eine glä­ser­ne De­cke durch­bro­chen habe.“

Botschafts­bilder

Der Künst­ler und Fil­me­ma­cher Ge­or­ge Git­toes, 67, hat schon in Kriegs­ge­bie­ten wie Ru­an­da ge­ar­bei­tet und jah­re­lang in Af­gha­nis­tan ge­lebt. Au­ßer­dem be­such­te er im­mer wie­der „Ecua­dor in Lon­don“ – die ecua­do­ria­ni­sche Bot­schaft, in der der Wi­ki­Leaks-Grün­der Ju­li­an Ass­an­ge, 46, sich seit fünf Jah­ren auf­hält. Er fürch­tet noch im­mer die Aus­lie­fe­rung an die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, wo ihm we­gen der Wi­ki­Leaks-Ver­öf­fent­li­chun­gen eine lan­ge Haft­stra­fe dro­hen könn­te. Der Aus­tra­li­er Git­toes durf­te sei­nen Lands­mann und Freund seit 2014 mehr­fach be­su­chen und ma­len. Ent­stan­den sind da­bei düs­te­re Por­träts. Ei­nes da­von zeigt Ass­an­ge mit blu­ti­gem Auge. Der Künst­ler ar­bei­tet für ge­wöhn­lich mit Ölfar­ben, ver­wen­de­te in dem en­gen Raum in der Bot­schaft aber we­ni­ger ge­ruchs­in­ten­si­ves Ma­te­ri­al. Er woll­te das Werk aus sym­bo­li­schen Grün­den in Af­gha­nis­tan mit Ölfar­ben fer­tig­stel­len. Da der Trans­port zu ris­kant war, mal­te er auf dem Dach ei­nes Kunst­zen­trums in Dscha­l­a­la­bad ein Du­pli­kat des Por­träts. Von über ihm krei­sen­den He­li­ko­ptern, die Git­toe­s' Mei­nung nach zum US-Ge­heim­dienst ge­hör­ten, ließ er sich nicht be­ir­ren.

Pro Porno

Für ihre Rol­le der Sex­ar­bei­te­rin Ei­leen ("Can­dy") Mer­rell in der HBO-Se­rie „The Deu­ce“ hol­te sich Mag­gie Gyl­len­haal, 39, Rat bei ei­ner ehe­ma­li­gen Por­no­dar­stel­le­rin und Pro­sti­tu­ier­ten. An­nie Sprink­le, heu­te als Au­to­rin und Per­for­mance­künst­le­rin tä­tig, gab Gyl­len­haal ge­mein­sam mit frü­he­ren Kol­le­gin­nen Ein­bli­cke in die Sex­in­dus­trie der Sieb­zi­ger­jah­re – der Zeit, in der die Se­rie spielt. Die Frau­en, von de­nen man­che noch als Sex­ar­bei­te­rin­nen ak­tiv sind, er­zähl­ten der Schau­spie­le­rin von Ver­let­zun­gen, die sie in der Ver­gan­gen­heit er­lit­ten hät­ten. „Aber da ist auch viel an­de­res; da ist Neu­gier­de und eine wah­re Lie­be zur Se­xua­li­tät“, sagt Gyl­len­haal. Vie­le wa­ren stolz auf ihre Per­for­mance vor der Ka­me­ra. „Ich er­kann­te, dass Por­no­gra­fie eine Kunst­form ist“, sagt die Schau­spie­le­rin. Als Co-Pro­du­zen­tin hat­te sie Ein­fluss auf das Dreh­buch. Sie schlug eine Mas­tur­ba­ti­ons­sze­ne vor. Mit die­ser woll­te sie den Un­ter­schied zwi­schen vor­ge­täusch­ter und er­leb­ter Lust zei­gen. Das zu spie­len war nicht leicht – „in die­ser Sze­ne fühl­te ich mich am ver­letz­lichs­ten“. Gyl­len­haals Fa­zit: „The Deu­ce“ sei ein „ab­so­lut und un­be­dingt fe­mi­nis­ti­sches Pro­jekt“, das Por­no­gra­fie mit dem weib­li­chen Blick er­for­sche, ohne selbst por­no­gra­fisch zu wer­den. Hilf­reich dürf­te da­bei ge­we­sen sein, dass die Hälf­te der Re­gis­seu­re Frau­en sind.

Süße Rache

Die heu­ti­ge Gat­tin des Prin­zen von Wa­les, Ca­mil­la Her­zo­gin von Corn­wall, ge­bo­re­ne Shand, 70, scheint als jun­ge Frau äu­ßerst im­pul­siv und tem­pe­ra­ment­voll ge­we­sen zu sein. Das legt die neue Bio­gra­fie über Ca­mil­la nahe. In „The Du­ch­ess: The Un­told Sto­ry“ schreibt Pen­ny Ju­nor, die be­reits Bü­cher über Charles und Dia­na ver­öf­fent­licht hat, Ca­mil­la sei bis über bei­de Oh­ren ver­liebt ge­we­sen in ih­ren da­ma­li­gen Freund An­d­rew Par­ker Bow­les, als sie Charles 1971 zum ers­ten Mal be­geg­ne­te. Al­ler­dings traf sich ihr zu­künf­ti­ger Ehe­mann mit Charles' Schwes­ter Anne für lei­den­schaft­li­che Schä­fer­stünd­chen. Um sich zu rä­chen, habe Ca­mil­la den Prin­zen ver­führt. Spä­ter, Ca­mil­la Par­ker Bow­les hat­te sich mit den di­ver­sen Af­fä­ren ih­res Man­nes schein­bar ab­ge­fun­den, soll sie ein­mal die Luft aus sei­nen Au­to­rei­fen ge­las­sen ha­ben: Sein Wa­gen stand vor dem Haus, in dem eine sei­ner Ge­lieb­ten leb­te, als Ca­mil­la dort vor­bei­kam.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 41/2017.