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TOM PETTY, 66

Pop mag eine uni­ver­sa­le Spra­che sein, Tom Pet­ty war vor al­lem ein ame­ri­ka­ni­scher Künst­ler. Ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen in Flo­ri­da, schmiss er die Schu­le, um Rock­star zu wer­den – was al­ler­dings ein biss­chen dau­er­te: Erst das drit­te Al­bum mit sei­ner Band The Heart­brea­kers wur­de ein gro­ßer Er­folg, da war Pet­ty schon 29 Jah­re alt. Rock ist in den USA ja auch ein Hand­werk, und Pet­ty war ei­ner von de­nen, die mit har­ter Ar­beit den gol­de­nen Bo­den er­reich­ten. Das pass­te zu den The­men sei­ner Songs, die oft vom Le­ben der ein­fa­chen Men­schen er­zähl­ten, etwa in „Free Fal­lin'“, „Into the Gre­at Wide Open“, „Learning to Fly“ oder „I Won't Back Down“. Ein­fa­che Songs, vol­ler Träu­me, Hoff­nun­gen, Ent­täu­schun­gen, Süd­staa­ten-Dick­köp­fig­keit und Un­an­ge­passt­sein. Nach et­li­chen Er­fol­gen in den Acht­zi­gern und Neun­zi­gern und nach vie­len Jah­ren, in de­nen Pet­ty aus der Zeit ge­fal­len schien, ge­lang ihm 2014 ein Come­back: „Hyp­no­tic Eye“ wur­de sein ers­tes Num­mer-eins-Al­bum in den USA. Tom Pet­ty starb am 2. Ok­to­ber in San­ta Mo­ni­ca, Ka­li­for­ni­en, an ei­nem Herz­still­stand.

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GABRIELE HENKEL, 85

Weib­lich, hübsch, sehr jung: Als Mit­glied der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz in Bonn er­reg­te Ga­brie­le Hü­ner­mann schon An­fang der Fünf­zi­ger­jah­re ei­ni­ge Auf­merk­sam­keit. Den Un­ter­neh­mer und Wasch­mit­tel­her­stel­ler Kon­rad Hen­kel lern­te sie im Kar­ne­val ken­nen, sie hei­ra­te­ten und be­ka­men 1958 ei­nen Sohn. Ga­brie­le Hen­kel lieb­te al­les Schö­ne und den Gla­mour, für den Kon­zern ih­res Man­nes bau­te sie eine der be­deu­tends­ten deut­schen Kunst­samm­lun­gen auf. Ihre ei­ge­ne Krea­ti­vi­tät leb­te sie auch in le­gen­dä­ren Abend­ge­sell­schaf­ten aus, die sie gern wie Kunst­wer­ke ge­stal­te­te. Durch­aus mit Er­folg: Jo­seph Beuys emp­fahl ihr, ihre aus­ge­fal­le­nen Tisch­de­ko­ra­tio­nen zu si­gnie­ren. Hen­ry Kis­sin­ger, Andy War­hol oder Alt­kanz­ler Hel­mut Schmidt – eine Ein­la­dung nach Düs­sel­dorf in den „Sa­lon der Re­pu­blik“ war be­gehrt. Die Gran­de Dame des deut­schen Mä­ze­na­ten­tums wur­de in den in­ter­na­tio­na­len Bei­rat des New Yor­ker Mu­se­um of Mo­dern Art be­ru­fen, be­kam 1983 eine Ho­no­rar­pro­fes­sur für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign an der Uni­ver­si­tät Wup­per­tal, und kurz vor ih­rem Tod er­öff­ne­te in Düs­sel­dorf eine Aus­stel­lung mit ih­ren selbst ge­mal­ten Aqua­rel­len. In ih­ren Er­in­ne­run­gen „Die Zeit ist ein Au­gen­blick“ schrieb sie über die Ein­sam­keit der letz­ten Jah­re. Ga­brie­le Hen­kel starb am 28. Sep­tem­ber in ih­rer Hei­mat­stadt Düs­sel­dorf.

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SI NEWHOUSE, 89

Sei­ne Mut­ter be­kam zum 35. Hoch­zeits­tag von sei­nem Va­ter ein Gla­mour­ma­ga­zin ge­schenkt – kein ein­zel­nes Ex­em­plar, ver­steht sich, son­dern das gan­ze Ver­lags­haus Con­dé Nast: Die dort pu­bli­zier­te „Vogue“ war ihr Lieb­lings­blatt. Sa­mu­el Ir­ving New­hou­se war der äl­tes­te Sohn des gleich­na­mi­gen ame­ri­ka­ni­schen Zei­tungs­mo­guls, ge­mein­sam mit sei­nem Bru­der Do­nald führ­te er das Im­pe­ri­um fort. Da­bei küm­mer­te sich Si um die Ma­ga­zin­spar­te, ab 1985 ge­hör­te ihm auch der pres­ti­ge­träch­ti­ge „New Yor­ker“. „Geld­druck­ma­schi­nen“ wur­den New­hou­se' Ob­jek­te da­mals ge­nannt, ein Be­griff, der heu­te in Zu­sam­men­hang mit Print­me­di­en selt­sam an­mu­tet. Ver­schwen­dung för­dert die Krea­ti­vi­tät, hieß lan­ge Zeit das Er­folgs­re­zept. Der als äu­ßerst schüch­tern gel­ten­de New­hou­se zahl­te as­tro­no­mi­sche Ge­häl­ter, ge­währ­te An­ge­stell­ten zins­freie Kre­di­te – und die Bud­gets für Fo­to­pro­duk­tio­nen oder Rei­se­kos­ten sol­len un­be­grenzt ge­we­sen sein. Der Un­ter­neh­mer, der sich in­halt­lich nie ein­misch­te, be­schäf­tig­te Star­fo­to­gra­fen wie Ri­chard Ave­don und mach­te Anna Win­tour zur Chef­re­dak­teu­rin. Ab Mit­te der Neun­zi­ger­jah­re muss­te er sein Im­pe­ri­um ver­klei­nern, um es über­le­bens­fä­hig zu ma­chen. Si New­hou­se starb am 1. Ok­to­ber in sei­ner Ge­burts­stadt New York.

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DSCHALAL TALABANI, 83

Sein Le­ben lang kämpf­te er für die Rech­te der Kur­den, doch die Un­ab­hän­gig­keit von Ira­kisch-Kur­dis­tan lehn­te er ab. In ei­nem ge­ein­ten Irak wür­de es den Kur­den bes­ser ge­hen, glaub­te er. Dscha­l­al Tala­ba­ni ge­hör­te zu ei­nem der bei­den ein­fluss­reichs­ten Clans der ira­ki­schen Kur­den. Er grün­de­te die Pa­trio­ti­sche Uni­on Kur­dis­tans und war der größ­te Ri­va­le des Prä­si­den­ten der Au­to­no­men Re­gi­on Kur­dis­tan, Ma­soud Bar­za­ni. Schon als jun­ger Mann wur­de Tala­ba­ni „On­kel Dscha­l­al“ ge­nannt, eine An­re­de, die größ­ten Re­spekt aus­drückt. Nach dem Sturz des Dik­ta­tors Sad­dam Hus­sein wur­de er im Jahr 2005 zum ers­ten nicht ara­bi­schen Prä­si­den­ten des Lan­des ge­wählt. Der stu­dier­te Ju­rist be­wies tak­ti­sches und di­plo­ma­ti­sches Ge­schick, die Dif­fe­ren­zen zwi­schen sun­ni­ti­schen Ara­bern, Kur­den und Schii­ten fand er nor­mal: „Wir sind uns nicht in al­lem ei­nig.“ Dscha­l­al Tala­ba­ni starb am 3. Ok­to­ber in Ber­lin an den Fol­gen ei­nes Schlag­an­falls.

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ANDREAS SCHMIDT, 53

Er war ein Schalk und ein Schlaks mit ei­nem ver­schmitz­ten Ge­sicht. Des­halb wirk­ten die Ge­walt­aus­brü­che, die An­dre­as Schmidt in vie­len sei­ner Rol­len spiel­te, oft so scho­ckie­rend. Der Schau­spie­ler mach­te aus ei­ni­gen sei­ner Fil­me Tra­gö­di­en lä­cher­li­cher Män­ner, die ih­ren ei­ge­nen Ge­füh­len hilf­los aus­ge­lie­fert sind. Wenn ih­nen die Wor­te aus­gin­gen, und das konn­te schnell pas­sie­ren, dann lie­ßen sie die Fäus­te spre­chen, Ver­lie­rer blie­ben sie trotz­dem. Er wirk­te in dem os­car­prä­mier­ten Film „Die Fäl­scher“ mit, be­kam den Deut­schen Film­preis und den Grim­me-Preis ver­lie­hen. Sein schöns­ter Film war „Som­mer vorm Bal­kon“ (2006) von An­dre­as Dre­sen. Schmidt ver­kör­per­te dar­in ei­nen Lkw-Fah­rer, ei­nen Mann im Roh­zu­stand, tumb und den­noch lie­bens­wür­dig. An­dre­as Schmidt starb am 28. Sep­tem­ber in Ber­lin an Krebs.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 41/2017.