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So ge­se­hen

Jen­seits ist GroKo

Martin Schulz zitiert Rumi: Was will er uns sagen?

von Christiane Hoffmann

Mit Poe­sie ist es so eine Sa­che. Nicht im­mer er­schließt sich ihr Sinn beim ers­ten Le­sen oder Hö­ren, je äl­ter die Dich­tung, des­to mehr be­darf sie der er­klä­ren­den Aus­le­gung. Für po­li­ti­sche De­bat­ten eig­net sie sich eher we­ni­ger, und so konn­te es ei­gent­lich nur schief­ge­hen, als Mar­tin Schulz beim TV-Du­ell am vo­ri­gen Sonn­tag den per­si­schen Dich­ter Dscha­l­a­lud­din Rumi zi­tier­te, ei­nen mit­tel­al­ter­li­chen Mys­ti­ker, der selbst Is­lam­wis­sen­schaft­ler vor Her­aus­for­de­run­gen stellt. Man konn­te die Fra­ge­zei­chen in den Ge­sich­tern von 16 Mil­lio­nen Fern­seh­zu­schau­ern ge­ra­de­zu vor sich se­hen: „Jen­seits von rich­tig oder falsch gibt es ei­nen Ort, dort tref­fen wir uns“? Seit­her rät­seln die Deut­schen, was ih­nen der SPD-Kanz­ler­kan­di­dat mit die­sen Wor­ten sa­gen woll­te. Schulz hat­te das Zi­tat, das er nach ei­ge­nen An­ga­ben ex­tra noch ein­mal nach­ge­le­sen hat­te, ei­gent­lich bis zum Schluss des Du­ells auf­spa­ren wol­len, es dann aber nicht mehr ab­war­ten kön­nen und war da­mit schon auf hal­ber Stre­cke her­aus­ge­platzt. Hät­te Schulz Rumi, wie ur­sprüng­lich vor­ge­se­hen, erst am Ende zum Ein­satz ge­bracht, qua­si als Hö­he­punkt ei­ner von Har­mo­nie ge­präg­ten De­bat­te, wäre klar ge­we­sen, an wen sich die Bot­schaft des Sufi-Dich­ters von mys­ti­scher Lie­be und Ver­ei­ni­gung rich­tet: an Kanz­le­rin Mer­kel. Schulz ging es, da bin ich si­cher, um die Ver­ei­ni­gung zwei­er Par­tei­en und ih­rer Füh­rer im Jen­seits der Gro­ßen Ko­ali­ti­on: Egal, wie das hier aus­geht, wir se­hen uns am Ka­bi­netts­tisch.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 37/2017.