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So ge­se­hen

Sprach­ramsch

Drei Abgeordnete schreiben an die Kanzlerin.

von Christiane Hoffmann

Wis­sen Sie, was eine „Res­te­spra­che“ ist? Nein? Se­hen Sie. Das sagt schon al­les. Wenn Sie es wüss­ten, wäre Deutsch viel­leicht kei­ne Res­te­spra­che. Dann brauch­te es auch kei­nen alar­mier­ten Brief drei­er Ab­ge­ord­ne­ter von CDU, CSU und SPD an die Frau Bun­des­kanz­le­rin, die da­vor war­nen, dass der Ein­druck ent­ste­he, Deutsch wer­de „zu ei­ner Art 'Res­te­spra­che' her­ab­ge­stuft“. Viel­leicht be­deu­tet Res­te­spra­che, dass nur noch ein letz­ter Rest der Deut­schen deutsch spricht? Oder dass wir nur noch ei­nen Rest Deutsch spre­chen? Ist Res­te­spra­che so et­was wie Res­ter­am­pe? So­zu­sa­gen Sprach­ramsch, eine Ein-Euro-Spra­che, die kei­ner mehr ha­ben will und die des­halb zum Schnäpp­chen­preis zu ha­ben ist? Eine Spra­che für die­je­ni­gen, die sich kei­ne bes­se­re leis­ten kön­nen? Ich fin­de, wenn selbst er­nann­te Sprach­schüt­zer vor dem Nie­der­gang der deut­schen Spra­che war­nen, wäre es nicht falsch, wenn sie selbst ein we­nig auf ihre Spra­che ach­ten wür­den. Lei­der ist näm­lich ihr Brief eine Art Res­ter­am­pe für Bü­ro­kra­ten­deutsch. Sie for­dern etwa die „Ver­ein­heit­li­chung der Re­ge­lun­gen zur Ver­wen­dung der deut­schen Spra­che“. Da­bei soll­te gel­ten: höchs­tens ein „ung“-Wort pro Satz. Viel­leicht ist es auch an der Zeit, eine In­itia­ti­ve zur „Durch­set­zung der gleich­be­rech­tig­ten Ver­wen­dung“ von Ver­ben zu grün­den. Sonst bleibt am Ende der Ein­druck, dass man die deut­sche Spra­che zu­al­ler­erst vor ih­ren Be­schüt­zern schüt­zen muss.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 33/2017.