Rei­fe­prü­fung

Essay Warum Deutschland seine militärische Zurückhaltung aufgeben und endlich führen muss.
Von Anne Applebaum

Wir woll­ten los, kaum dass wir die Nach­richt vom Fall der Mau­er ge­hört hat­ten. Es war gar nicht so ein­fach, da­mals mit dem Auto von War­schau nach Ber­lin zu fah­ren, es herrsch­te Ben­zin­knapp­heit, und die Stra­ßen wa­ren schlecht. Als wir an­ka­men, war es schon der 10. No­vem­ber 1989, ge­nau­er: der frü­he Mor­gen des 11. No­vem­ber. Ost­ber­lin war düs­ter, die Stra­ßen wur­den nur vom ei­gen­ar­ti­gen oran­ge­far­be­nen Licht der La­ter­nen be­leuch­tet, und es war fast voll­kom­men still. Ohne ei­nen Stadt­plan fuh­ren wir ein­fach ge­ra­de­aus, in Rich­tung Stadt­zen­trum. Am Check­point Char­lie wur­den wir von ei­nem Wacht­pos­ten an­ge­hal­ten. Wir lehn­ten uns aus dem Au­to­fens­ter und rie­fen: »Die Mau­er ist of­fen! Re­geln sind jetzt egal!« Der Wacht­pos­ten schau­te uns an, zuck­te mit den Schul­tern und ließ uns pas­sie­ren.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 31/2017.