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Nach­rufe

GE­STOR­BEN

PETER HÄRTLING, 83

Er hat sich den ei­nen Satz, der in sei­nem Nach­ruf ste­hen soll­te, selbst ge­wünscht, hier, im SPIEGEL, vor neun Jah­ren, als er über Fon­ta­nes „Stech­lin“ schrieb, das Buch sei­nes Le­bens. Es ist der Satz, mit dem der Pas­tor im Ro­man sei­ne Grab­re­de auf den al­ten Stech­lin schließt: „Er war das Bes­te, was wir sein kön­nen, ein Mann und ein Kind.“

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ILJA GLASUNOW, 87

Der rus­si­sche Ma­ler war ir­gend­wann so be­rühmt, dass an­geb­lich Brie­fe bei ihm an­ka­men, die nur mit „Gla­su­now, Mos­kau“ adres­siert wa­ren. 1980 war er so­gar zum „Volks­künst­ler der So­wjet­uni­on“ er­nannt wor­den. In sei­ner Kind­heit im be­la­ger­ten Le­nin­grad hat­te er Hun­ger lei­den müs­sen, sei­ne El­tern star­ben an Un­ter­ernäh­rung. In sei­nen ers­ten Jah­ren als Ma­ler wur­de er noch oft von den Funk­tio­nä­ren kri­ti­siert, sei­ne Ge­mäl­de ver­brei­te­ten kei­ne Auf­bruch­stim­mung. Mit sei­nen Wer­ken be­ton­te er durch­aus das Na­tio­na­le, Pa­trio­ti­sche, aber auf volks­tüm­li­che und his­to­ri­sie­ren­de Wei­se. Oft wirk­ten die Dar­stel­lun­gen so­gar re­li­gi­ös, wo­bei ne­ben Chris­tus auch Hit­ler und Sta­lin auf­tau­chen konn­ten. Wla­di­mir Pu­tin hielt ihn für ei­nen der Gro­ßen sei­nes Lan­des. Ilja Gla­su­now starb am 9. Juli in Mos­kau.

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CHUCK BLAZER, 72

Der über­ge­wich­ti­ge US-Ame­ri­ka­ner mit dem Rau­sche­bart, der auch in ab­ge­dun­kel­ten Kon­gress­hal­len Son­nen­bril­le trug, war der In­be­griff des kor­rup­ten Fuß­ball­funk­tio­närs. Als Ge­ne­ral­se­kre­tär des Kon­ti­nen­tal­ver­bands Con­ca­caf, der Nord- und Mit­tel­ame­ri­ka so­wie die Ka­ri­bik um­fasst und den er von 1990 bis 2011 be­herrsch­te, be­rei­cher­te sich Bla­zer mit Mil­lio­nen Dol­lar. Sein feu­da­ler Le­bens­stil war le­gen­där. Im New Yor­ker Trump Tower hat­te der Ge­schäf­te­ma­cher gleich zwei Ap­par­te­ments an­ge­mie­tet – ei­nes für sich, das 18 000 Dol­lar kos­te­te, ei­nes für sei­ne Kat­zen, Mo­nats­mie­te 6000 Dol­lar. Auf sei­nen Spitz­na­men „Mis­ter zehn Pro­zent“ an­ge­spro­chen, lach­te Bla­zer nur dröh­nend. Als Mit­glied des Exe­ku­tiv­ko­mi­tees ge­hör­te er von 1996 an zum in­ners­ten Zir­kel des Fifa-Prä­si­den­ten Sepp Blat­ter. Bla­zers Nie­der­gang be­gann 2011, als die US-Jus­tiz we­gen sei­ner be­trü­ge­ri­schen Ge­schäf­te ge­gen ihn er­mit­tel­te. Dann wur­de er zum Kron­zeu­gen des FBI – und be­las­te­te bei den Kor­rup­ti­ons­er­mitt­lun­gen der US-Be­hör­den ge­gen die Fifa fast das ge­sam­te Blat­ter-Re­gime. Chuck Bla­zer starb am 12. Juli in New Jer­sey.

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ELSA MARTINELLI, 82

In Hol­ly­wood wur­de die aus der Tos­ka­na stam­men­de Schau­spie­le­rin als me­di­ter­ra­ne Sen­sa­ti­on ge­fei­ert, nach­dem sie 1956 in dem Wes­tern „Zwi­schen zwei Feu­ern“ eine Squaw ge­spielt hat­te, die Kirk Dou­glas im Nu ent­flam­men konn­te. Ihre Lands­frau So­phia Lo­ren fei­er­te erst ein Jahr spä­ter ihr US-De­büt. In den Fünf­zi­ger­jah­ren schiel­ten ame­ri­ka­ni­sche Pro­du­zen­ten und Re­gis­seu­re oft nach Eu­ro­pa, sie such­ten nach Star­lets, die dem Kli­schee feu­rig-exo­ti­scher Schön­heit ent­spra­chen. Schau­spie­le­ri­sche Fä­hig­kei­ten wa­ren da nicht im­mer vor­ran­gig. Mar­ti­nel­li ließ sich nicht dar­auf re­du­zie­ren, nur eine schö­ne Zu­tat für fade Fil­me zu sein. Un­ver­gess­lich ihr Auf­tritt in dem Aben­teu­er­film „Ha­ta­ri!“ (1962), in dem sie eine Fo­to­gra­fin spielt. Als John Way­ne sie zu küs­sen ver­sucht, rutscht er an ih­rem frisch ein­ge­crem­ten Ge­sicht ab. Dar­auf­hin sagt er: „Wer ab­rutscht, darf noch mal.“ Schon al­lein, dass sie die­sen le­gen­dä­ren Satz pro­vo­ziert hat, si­chert ihr ei­nen Platz in der Film­ge­schich­te. Elsa Mar­ti­nel­li starb am 8. Juli in Rom.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 29/2017.