Die hohe Kunst der Asozialität

SPIEGEL-Gespräch Peter Sloterdijk über die linken Elemente, die sich bei ihm von selbst verstehen, über den frivolen Universalismus und das konservative Denken

In­tel­lek­tu­el­ler Slo­ter­di­jk: »His­to­ri­sche Wind­stil­le ge­währt«

Slo­ter­di­jk gilt als ei­ner der wir­kungs­mäch­tigs­ten und zu­gleich hef­tig um­strit­te­nen zeit­ge­nös­si­schen Den­ker. Mit sei­nen über 40 Bü­chern und zahl­rei­chen Auf­sät­zen greift er seit mehr als 30 Jah­ren im­mer wie­der in phi­lo­so­phi­sche, po­li­ti­sche, ge­sell­schaft­li­che, theo­lo­gi­sche wie psy­cho­lo­gi­sche De­bat­ten ein, so zu­letzt über die Fol­gen der Flücht­lings­kri­se. Slo­ter­di­jk, der an der Staat­li­chen Hoch­schu­le für Ge­stal­tung in sei­ner Ge­burts­stadt Karls­ru­he lehr­te, wird am 26. Juni 70 Jah­re alt. Zu sei­nen Eh­ren fin­det an die­sem Wo­chen­en­de am Karls­ru­her Zen­trum für Kunst und Me­di­en ein in­ter­na­tio­na­les Sym­po­si­on un­ter dem Ti­tel »Von Mor­gen­rö­ten, die noch nicht ge­leuch­tet ha­ben« statt, das die vie­len As­pek­te sei­nes au­ßer­or­dent­lich pro­duk­ti­ven Schaf­fens ana­ly­siert. Slo­ter­di­jks kul­tur­kri­tisch-es­say­is­ti­sches Werk hat sei­nen Ur­sprung in der Frank­fur­ter Schu­le, ak­tua­li­siert je­doch ge­gen­wär­tig eher die Tra­di­tio­nen von He­gel, Nietz­sche und Hei­deg­ger. Als Frank­reich­ken­ner hat Slo­ter­di­jk sich auch re­gel­mä­ßig in der Eu­ropa­dis­kus­si­on zu Wort ge­mel­det, vor ei­nem Zer­fall ge­warnt und eine »Neu­for­ma­tie­rung« ver­langt. In der Mi­gra­ti­ons­de­bat­te wur­de ihm vor­ge­wor­fen, ei­nen rech­ten, an­ti­mo­der­nen Dis­kurs auf­zu­grei­fen, nach­dem er star­ke Be­den­ken ge­gen die »,Flu­tun­g' Deutsch­lands mit un­kon­trol­lier­ba­ren Flücht­lings­wel­len« vor­ge­bracht hat­te. Sein Ro­man »Das Schel­ling-Pro­jekt« wur­de vo­ri­ges Jahr als an­ti­fe­mi­nis­ti­sches Pam­phlet be­schrie­ben. Zu­letzt er­schie­nen von ihm die phi­lo­so­phi­schen Zeit­geist­stu­di­en »Was ge­schah im 20. Jahr­hun­dert« und »Nach Gott« (Suhr­kamp). Zum Ge­spräch emp­fing der Phi­lo­soph in sei­nem Fe­ri­en­do­mi­zil in der Pro­vence.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer SPIEGEL-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 26/2017.