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Kein Bulle ist hier noch bei Trost

Neue Krimis: Lars Kepler stellt in Hasenjagd die Verhältnisse auf den Kopf.
Von Wolfgang Höbel

AN­DERS ALS IN FRÜHE­REN Zei­ten ge­hen Kri­mi­le­ser ih­ren Ob­ses­sio­nen heu­te mit ent­schie­de­ner Scham­lo­sig­keit nach – Kri­mi­sch­rei­ber al­ler­dings auch. Der schwe­di­sche Er­folgs­au­tor Lars Kep­ler, ein Pseud­onym des Schrift­stel­ler­du­os Alex­an­dra Co­el­ho und Alex­an­der Ah­do­ril, ist da­für ein präch­ti­ges Bei­spiel. Ha­sen­jagd heißt der jüngs­te Ro­man, der un­ter Kep­lers Na­men er­scheint. Er be­ginnt da­mit, dass ein ho­her Po­li­ti­ker, Schwe­dens Au­ßen­mi­nis­ter, in sei­nem Heim in of­fen­sicht­lich mör­de­ri­scher Ab­sicht eine Pro­sti­tu­ier­te miss­han­delt. Der Mi­nis­ter wird jäh un­ter­bro­chen – nicht etwa durch sein Wach­per­so­nal, son­dern durch ei­nen mas­kier­ten Frem­den. Der Ein­dring­ling tö­tet den Po­li­ti­ker und ver­kün­det: „Die Höl­le wird euch alle ver­schlin­gen.“ Da­mit die mit die­ser Pro­phe­zei­ung Ge­mein­ten das auch er­fah­ren, lässt der Mas­kier­te die Pro­sti­tu­ier­te am Le­ben. Ha­sen­jagd ist un­ver­schämt dras­ti­sches Kri­mi­hand­werk in ei­ner pro­to­koll­haft schlich­ten Spra­che, die ei­sern im Prä­sens bleibt. Ein Se­ri­en­pro­dukt. Im sechs­ten Band ei­ner Rei­he um den Po­li­zis­ten Joo­na Lin­na sitzt der Held zu Be­ginn die­ses Falls we­gen ei­ner il­le­ga­len Ge­fan­ge­nen­be­frei­ung eine län­ge­re Stra­fe ab. Der Mord am Mi­nis­ter be­un­ru­higt nicht nur die Öffent­lich­keit, auch der schwe­di­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent bib­bert um sein Le­ben – und so wird der frü­he­re Bul­le Lin­na auf höchs­te An­ord­nung in die Frei­heit und zu­rück in den Job be­för­dert. Klar er­eig­nen sich erst ein­mal ein paar wei­te­re Ver­bre­chen, nach und nach aber kom­men Lin­na und zwei mit ihm er­mit­teln­de Po­li­zis­tin­nen auf die Spur des Mas­ken­mör­ders. Die Er­mitt­lun­gen füh­ren sie zu merk­wür­di­gen Ge­stal­ten: zu ei­ner psy­chisch an­ge­schla­ge­nen äl­te­ren Frau, die einst in Schwe­den stu­dier­te und nun in ei­nem Pfle­ge­heim an der ame­ri­ka­ni­schen West­küs­te lebt; und zu ei­nem eit­len, höchst po­pu­lä­ren Fern­seh­koch, der mit sei­ner Freund­schaft zum er­mor­de­ten Au­ßen­mi­nis­ter prahlt. Und na­tür­lich klä­ren sich erst im hin­rei­chend spek­ta­ku­lä­ren Show­down sämt­li­che Rät­sel­fra­gen.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 25/2017.