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Per­so­na­lien

Jacke wie Hose

Der bri­ti­sche Künst­ler und Cross­dres­ser Gray­son Per­ry, 57, ließ sich für sein neu­es­tes Werk vom Volk in­spi­rie­ren. Er be­frag­te EU-Geg­ner und -an­hän­ger, die ver­rie­ten Per­ry ihre Lieb­lings­far­be und an­de­re Vor­lie­ben; auf die­ser Grund­la­ge kre­ierte der Künst­ler dann zwei gro­ße Va­sen. Die eine re­prä­sen­tiert die „Brex­i­teers“ die an­de­re die „Re­mai­ners“. Das Er­geb­nis: Bei­de Ge­fä­ße se­hen sich sehr ähn­lich. Eu­ro­pa­geg­ner und -an­hän­ger ver­bin­det dem­nach mehr, als man an­neh­men soll­te. Der Künst­ler hat sich auch in an­de­ren Wer­ken mit dem The­ma Brex­it aus­ein­an­der­ge­setzt, bis zum 10. Sep­tem­ber läuft eine gro­ße Per­ry-Aus­stel­lung in der Lon­do­ner Ser­pen­ti­ne Gal­le­ry. Per­rys Hu­mor – schrill und sub­til zu­gleich – ent­zückt sei­ne Fans, man­che Mu­se­ums­ma­na­ger zei­gen sich eher in­di­gniert. Zu viel Selbst­dar­stel­lung, zu pu­bli­kums­wirk­sam das Gan­ze. Die Aus­stel­lung nennt Per­ry üb­ri­gens „The Most Po­pu­lar Art Ex­hi­bi­ti­on Ever!“

Ballast adieu

Es kommt eher sel­ten vor, dass ein Spit­zen­ver­tre­ter der Grü­nen ei­nem US-Mi­li­tär zur Hand geht – An­ton Hof­rei­ter, 47, tat ge­nau das. Der Chef der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on half ei­nem La­de­meis­ter des 109th Air­lift Wing der New York Air Na­tio­nal Guard. Der Po­li­ti­ker war zu­sam­men mit Ka­rin Loch­te, 64, Di­rek­to­rin des Al­fred-We­ge­ner-In­sti­tuts, zu Be­such bei der „East­grip“-For­schungs­boh­rung auf dem grön­län­di­schen Eis­schild. Das Camp lässt sich nur mit spe­zi­el­len Ski­flug­zeu­gen der Ame­ri­ka­ner er­rei­chen. Für den Rück­flug konn­te die LC-130-Pro­pel­ler­ma­schi­ne zu­nächst nicht ab­he­ben. Es war zu warm, der Schnee zu weich, der Flie­ger zu schwer. Also muss­te Ge­päck aus­ge­la­den wer­den: wuch­ti­ge Ta­schen mit Ex­pe­di­ti­ons­klei­dung, Schlaf­sä­cke und ei­ni­ges mehr. Und der Grü­ne griff be­herzt zu. „Die Eis­for­scher hier ar­bei­ten un­ter Ex­trem­be­din­gun­gen, um die Ri­si­ken der Erder­hit­zung zu un­ter­su­chen“, sag­te Hof­rei­ter. „Hier packt je­der mit an, egal ob Pro­fes­so­rin oder Hilfs­kraft.“ Ir­gend­wann hob der Flie­ger dann ab. Beim neun­ten Ver­such.

Nur ein Leben, leider

Spä­tes­tens seit die Schrift­stel­le­rin Hil­ary Man­tel, 64, im Jahr 2012 zum zwei­ten Mal den Boo­ker-Pri­ze ge­wann, gilt sie in Groß­bri­tan­ni­en als be­deu­ten­de In­tel­lek­tu­el­le. Ihre Ro­man­tri­lo­gie über Tho­mas Crom­well, der im 16. Jahr­hun­dert als Be­ra­ter von Hein­rich VIII. die ka­tho­li­sche Kir­che aus­tricks­te, zählt zum li­te­ra­risch Bes­ten der ver­gan­ge­nen zehn Jah­re. Zwei Bän­de hat Man­tel be­reits ver­öf­fent­licht, mit Span­nung wird das letz­te Buch er­war­tet. Dar­auf ein­stim­men kön­nen sich Fans be­reits in die­sem Mo­nat im BBC Ra­dio auf Chan­nel 4 (auch übers In­ter­net). Die Schrift­stel­le­rin spricht dort im Rah­men der Reith Lec­tu­res, ei­ner jähr­li­chen Vor­trags­rei­he be­deu­ten­der Per­sön­lich­kei­ten. Da­bei geht Man­tel der Fra­ge nach, wie Au­to­ren his­to­ri­scher Ro­ma­ne mit Lü­cken in der Ge­schich­te um­ge­hen kön­nen und ob es eine Form der Wahr­heit gibt, die nur von Schrift­stel­lern er­zählt wer­den kann. In ih­rer Ar­beit wer­de sie durch eine fast schon „bru­ta­le Neu­gier“ auf das Le­ben an­de­rer Leu­te an­ge­trie­ben. „Ich emp­fin­de durch­aus eine ge­wis­se Frus­tra­ti­on dar­über, dass ich nur ein Le­ben le­ben kann“, sagt Man­tel. Die Tri­lo­gie über Crom­well zu schrei­ben, „war das Här­tes­te und Fas­zi­nie­rends­te, was ich je­mals ge­tan habe“. Das Ende stand al­ler­dings von vorn­her­ein fest: Crom­well stirbt. 1540 wur­de er ge­köpft; so viel ist his­to­risch ge­si­chert.

Demonstrativ schön

Schön­heits­kö­ni­gin­nen sol­len wun­der­bar aus­se­hen, Gu­tes tun und in­ter­na­tio­nal bel­la fi­gu­ra ma­chen. Ihre po­li­ti­sche Mei­nung ist ei­gent­lich nicht ge­fragt. Die In­ge­nieu­rin und Miss Ve­ne­zue­la 2016 Key­si Sa­ya­go, 23, schert das nicht. Bei ei­nem Schön­heits­wett­be­werb im Bun­des­staat Ca­ra­bo­bo er­zähl­te Sa­ya­go, wie sie bei ei­ner De­mons­tra­ti­on von Si­cher­heits­kräf­ten be­droht wor­den sei. Sa­ya­go sag­te, sie war ge­zwun­gen da­von­zu­lau­fen: „Da­mit bin ich nicht ein­ver­stan­den.“ Die Si­tua­ti­on im Lan­de sei so schlimm, dass man nicht gleich­gül­tig blei­ben kön­ne. Im Ge­gen­satz zu den bunt ge­klei­de­ten An­wär­te­rin­nen auf ihre Kro­ne hat­te die am­tie­ren­de Kö­ni­gin ei­nen schwar­zen Abend­an­zug an: Sie tra­ge Trau­er, weil es wäh­rend der Pro­tes­te To­des­op­fer ge­ge­ben habe, so Sa­ya­go. Die Frau, die Ve­ne­zue­la beim Wett­be­werb um den Ti­tel der Miss Uni­ver­se 2017 ver­tre­ten wird, hat­te in letz­ter Zeit an meh­re­ren De­mons­tra­tio­nen ge­gen den am­tie­ren­den Prä­si­den­ten Ni­colás Ma­du­ro teil­ge­nom­men. Seit zwei Mo­na­ten ge­hen fast täg­lich Bür­ger auf die Stra­ße, Ma­du­ro wird für Kor­rup­ti­on und die schlimms­te öko­no­mi­sche Kri­se in der Ge­schich­te Ve­ne­zue­las ver­ant­wort­lich ge­macht.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 25/2017.