>

Nach­rufe

GE­STOR­BEN

ANITA PALLENBERG, 75

Ei­ni­gen gilt sie als der sechs­te Rol­ling Sto­ne. Sie star­te­te als Grou­pie und ent­wi­ckel­te sich zur viel­leicht ein­fluss­reichs­ten Muse des Rock 'n' Roll. Die Toch­ter ei­ner Deut­schen und ei­nes ita­lie­ni­schen Hob­by­künst­lers wur­de mit 16 der Schu­le ver­wie­sen. Sie fei­er­te in Rom am Set von „La dol­ce vita“, in New York mit Andy War­hols Fac­to­ry-Cli­que und ar­bei­te­te in Pa­ris als Mo­del. Im Lau­fe ih­res Le­bens trat Pal­len­berg in mehr als ei­nem Dut­zend Fil­men auf, am auf­se­hen­er­re­gends­ten mit Mick Jag­ger in „Per­for­mance“ (1970). Die Sto­nes lern­te sie 1965 ken­nen; Bri­an Jo­nes lud sie ins Ho­tel ein. Zwei Jah­re spä­ter kam Pal­len­berg mit Keith Ri­chards zu­sam­men. Es folg­ten gut zwölf Jah­re Sex & Drugs & Rock 'n' Roll. Drei ge­mein­sa­me Kin­der wur­den ge­bo­ren, ei­nes starb als Baby. Ri­chards sag­te einst, er habe eine Hei­den­angst vor Pal­len­berg ge­habt, als er sie zum ers­ten Mal traf: „Sie wuss­te al­les, und sie konn­te es in fünf Spra­chen sa­gen.“ Pal­len­bergs Welt­läu­fig­keit, ihre Krea­ti­vi­tät be­flü­gel­ten die Band, die Sto­nes schätz­ten ihre mu­si­ka­li­sche Kri­tik. Nach der Tren­nung von Ri­chards kam erst ein Ab­sturz, dann The­ra­pie und Bes­se­rung; Pal­len­berg ab­sol­vier­te ein Mo­de­stu­di­um, hat­te aber kein In­ter­es­se dar­an, Kar­rie­re zu ma­chen, sie hielt die Bran­che für „gräss­lich“. Zu­letzt wid­me­te sich das It-Girl der Sech­zi­ger- und Sieb­zi­ger­jah­re ih­rem Schre­ber­gar­ten. Ani­ta Pal­len­berg starb am 13. Juni in Chi­ches­ter, Eng­land, an den Fol­gen ei­ner He­pa­ti­tis-C-Er­kran­kung.

GE­STOR­BEN

ADAM WEST, 88

Sei­ne Zeit als Su­per­held währ­te ge­ra­de ein­mal zwei Jah­re. Doch ob­wohl West, nach 120 Fol­gen, das Fle­der­maus­kos­tüm be­reits 1968 ab­leg­te, haf­te­te Bat­man zeit­le­bens an ihm – mehr als an Ge­or­ge Cloo­ney, Ben Aff­leck und an­de­ren US-Schau­spie­lern, die in sei­ner Nach­fol­ge den Ret­ter von Go­tham City ver­kör­per­ten. Man­che Rol­le, be­klag­te der TV-Star spä­ter, sei ihm des­halb vor­ent­hal­ten wor­den. Spä­ter ar­bei­te­te er dann als Syn­chron­spre­cher. 17 Jah­re lang, bis kurz vor sei­nem Tod, lieh er in der Zei­chen­trick­se­rie „Fa­mi­ly Guy“ dem Bür­ger­meis­ter sei­ne Stim­me. Im Um­gang mit sei­ner be­rühm­tes­ten Rol­le zeig­te West sich selbst­iro­nisch: Für die Kin­der­se­rie „Cos­mo & Wan­da“ syn­chro­ni­sier­te er sich selbst als Zei­chen­trick­fi­gur, ei­nen al­tern­den Schau­spie­ler glei­chen Na­mens, der nicht von sei­nem Image als „Cat­man“ los­kommt. Adam West starb am 9. Juni in Los An­ge­les.

GE­STOR­BEN

RENATE HOLLAND-MORITZ, 82

Sie war die wohl be­rühm­tes­te Film­kri­ti­ke­rin der DDR und eine der dienst­äl­tes­ten der Welt. Wenn man aus dem Wes­ten kam und den „Eu­len­spie­gel“ auf­schlug, das Sa­ti­re­ma­ga­zin Ost­deutsch­lands, tat sich ein gro­ßes Fens­ter auf und er­öff­ne­te ei­nen wei­ten und ge­nau­en Blick auf das Kino – auch auf Fil­me, die man schon lan­ge zu­vor im Wes­ten ge­se­hen hat­te. Es war ein Ver­gnü­gen, ihre schar­fen, kla­ren und amü­san­ten Tex­te zu le­sen. Die Vor­freu­de auf ihre Kri­ti­ken mach­te die Rei­se in die DDR noch et­was auf­re­gen­der. Sie schrieb auch Er­zäh­lun­gen. Die Defa-Ko­mö­die „Der Mann, der nach der Oma kam“ (1972) ba­sier­te auf ei­ner Vor­la­ge von ihr und war ein gro­ßer Kas­sen­schla­ger. Re­na­te Hol­land-Mo­ritz starb am 14. Juni in Ber­lin.

GE­STOR­BEN

ROSALIE, 64

Als „uni­ver­sa­les Thea­ter aus Licht“ pries der Kunst­theo­re­ti­ker Pe­ter Wei­bel ihre spek­ta­ku­lä­ren, oft lus­tig ver­spon­ne­nen Ar­bei­ten. Ro­sa­lie, ge­bo­ren im schwä­bi­schen Gemm­rig­heim un­ter dem Na­men Gud­run Mül­ler, wur­de ge­rühmt für ihre Büh­nen­bil­der und Leucht­fa­serskulp­tu­ren. Mit kreisch­bun­ten, halb krie­chen­den, halb klet­tern­den Kunst­stoff­fi­gu­ren – den so­ge­nann­ten Flos­sis – wur­de Ro­sa­lie ei­nem grö­ße­ren Pu­bli­kum be­kannt. Ihre Ar­bei­ten als Aus­stat­te­rin für Oper, Schau­spiel und Bal­lett schuf sie mit klu­gem Witz und stren­ger Be­harr­lich­keit. Oft nutz­te sie All­tags­ge­gen­stän­de wie Re­gen­schir­me, Putz­bürs­ten oder Bau­stel­len­warn­lam­pen als Ma­te­ri­al. Ge­fei­ert und be­staunt wur­den Ro­sa­lies fan­tas­ti­sche Ku­lis­sen und Kos­tü­me für den „Ring des Ni­be­lun­gen“ des Re­gis­seurs Al­fred Kirch­ner 1994 bei den Bay­reu­ther Fest­spie­len. In­ter­na­tio­nal ar­bei­te­te sie auch für die Kunst­bi­en­na­le in Se­vil­la 2008 und an wich­ti­gen Mu­sik­thea­tern in Zü­rich, Mai­land und in To­kio. Noch vor ein paar Wo­chen be­geis­ter­te sie das Pu­bli­kum in der Ham­bur­ger Elb­phil­har­mo­nie mit ei­ner far­big schim­mern­den Licht­skulp­tur, die sie für Gus­tav Mah­lers 8. Sin­fo­nie ge­schaf­fen hat­te. Ro­sa­lie starb am 12. Juni in Stutt­gart.

GE­STOR­BEN

ANDIMBA TOIVO YA TOIVO, 92

In ei­nem Fri­seur­sa­lon in Kap­stadt grün­de­te der aus dem heu­ti­gen Na­mi­bia stam­men­de Leh­rer in den Fünf­zi­ger­jah­ren sei­ne ers­te Op­po­si­ti­ons­grup­pe. Der Sa­lon ge­hör­te ei­nem je­ner Män­ner, mit de­nen Toi­vo ya Toi­vo im Ovam­bo­land Peop­le's Con­gress da­ge­gen kämpf­te, dass sich das Apart­heid­re­gime Süd­afri­kas auf das da­ma­li­ge Uno-Man­dats­ge­biet Süd­west­afri­ka aus­brei­te­te. Weil Toi­vo ya Toi­vo sich ge­gen die Un­ter­drü­ckung der Schwar­zen in Süd­afri­ka ein­ge­setzt hat­te, saß er 16 Jah­re lang mit Nel­son Man­de­la im be­rüch­tig­ten Ge­fäng­nis Rob­ben Is­land. Der als be­son­ders un­beug­sam gel­ten­de Häft­ling gab auch nach sei­ner Ent­las­sung den Kampf nicht auf: Er ging ins Exil nach An­go­la, von wo aus die Kampf­or­ga­ni­sa­ti­on Swapo (South West Af­ri­ca Peop­le's Or­ga­niza­t­i­on) Krieg für die Un­ab­hän­gig­keit Na­mi­bi­as führ­te, die 1990 er­reicht wur­de. Als Toi­vo ya Toi­vo in sei­ne Hei­mat zu­rück­kehr­te, küss­te er den Bo­den der na­mi­bi­schen Haupt­stadt Wind­ho­ek. 17 Jah­re spä­ter zog er sich aus der Po­li­tik zu­rück. An­dim­ba Toi­vo ya Toi­vo starb am 9. Juni in Wind­ho­ek.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer SPIEGEL-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 25/2017.