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Kultur

„Ich hätte nie gedacht, dass ich zu so etwas fähig bin“

Vi­deo (1:03) Se­hen Sie hier Aus­schnit­te aus dem Film „Noc­turama“.

Fil­me

Terror als Event

Der Film Noc­turama von Bertrand Bonel­lo funk­tio­niert wie eine Kipp­fi­gur: Erst sieht man was, dann wie­der was an­de­res, ir­gend­wann sind zwei Stun­den um. Am An­fang er­bli­cken wir Pa­ris, glor­reich aus ei­nem Hub­schrau­ber auf­ge­nom­men. Schon mal pri­ma. Dann fol­gen wir jun­gen Leu­ten, die durch Mé­tro und Stra­ßen ei­len. Sie ver­glei­chen die Uhr­zeit, ma­chen Fo­tos. Um der Sa­che Re­le­vanz zu­zu­fü­gen, ent­wi­ckelt es sich so, dass die­se net­ten jun­gen Men­schen Mör­der und Ter­ro­ris­ten sind, die in Pa­ris zu­schla­gen. Sie bom­ben und schie­ßen und le­gen Feu­er. Man denkt: Es hät­te ge­reicht, dass ei­ner Ko­ka­in fin­det, und dann ist die Ma­fia hin­ter ih­nen her, wie in ein­falls­ar­men Fil­men üb­lich. Denn sinn­lo­se Ge­walt so schick zu in­sze­nie­ren, wie es hier der Fall ist – das ist in die­sen Zei­ten schon hei­kel. In „Noc­turama“ ist Ter­ror schlicht ein Pro­dukt der bür­ger­li­chen Lan­ge­wei­le: Die jun­gen Leu­te fin­den es auf­re­gend, die Stadt in die Luft zu ja­gen. Es ist ein Event, und nach­dem sie es in­sze­niert ha­ben, kon­su­mie­ren sie es. Der Kon­sum­as­pekt ist deut­lich: Die Grup­pe ver­schanzt sich in ei­nem Kauf­haus und be­dient sich dort. Der Kampf für die Sa­che en­det bei der Ver­füg­bar­keit von Zeug, für das man nicht be­zah­len muss. Wert­voll ist die­ser As­pekt: „Noc­turama“ ver­deut­licht, dass die Ge­walt des Ter­rors nicht von au­ßen kommt, son­dern aus der Mit­te der Ge­sell­schaft.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 21/2017.