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Ein­wurf

Im Land der Ungläu­bigen

Der Evangelische Kirchentag wird vom Staat mitfinanziert – und das im gottlosen Berlin.

von Hilmar Schmundt

Am Tag vor Chris­ti Him­mel­fahrt be­ginnt in Ber­lin der dies­jäh­ri­ge Evan­ge­li­sche Kir­chen­tag. Er mag als Mus­ter­bei­spiel für jene Leit­kul­tur gel­ten, die In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) ein­for­der­te mit den Wor­ten: „In un­se­rem Land ist Re­li­gi­on Kitt und nicht Keil der Ge­sell­schaft.“ Aber taugt Kir­che wirk­lich (noch) als Bin­de­mit­tel der Ge­sell­schaft? Nach dem Krieg wa­ren über 95 Pro­zent der Deut­schen Kir­chen­mit­glied, in­zwi­schen sind es nur et­was mehr als die Hälf­te. We­der Ka­tho­li­ken (29 Pro­zent) noch Pro­tes­tan­ten (27 Pro­zent) stel­len heu­te die größ­te Grup­pe, son­dern die Nicht­kon­fes­sio­nel­len mit rund 36 Pro­zent. Deutsch­land gilt in Sa­chen Re­li­gi­ons­lo­sig­keit als eine der größ­ten Na­tio­nen der Welt. Schon in ei­ner Ge­ne­ra­ti­on könn­ten Kir­chen­mit­glie­der in der Min­der­heit sein. Das braucht man we­der zu fei­ern noch zu be­kla­gen – aber man soll­te es we­nigs­tens zur Kennt­nis neh­men. „Un­ser Staat ist welt­an­schau­lich neu­tral, aber den Kir­chen und Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten freund­lich zu­ge­wandt“, schreibt de Mai­ziè­re. Man könn­te hin­zu­fü­gen: freund­lich zu­ge­wandt auch in Form un­fai­rer Zu­wen­dun­gen.

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