Der Schein­riese

Debatte Russland ist dem Westen militärisch, ökonomisch und politisch unterlegen. Gegen ein Land in der Krise hilft Aufrüstung nicht.
Von Klaus Wiegrefe

Vor we­ni­gen Wo­chen er­in­ner­te Jon Wolfs­thal, rang­ho­her Rüs­tungs­kon­troll­ex­per­te der Oba­ma-Re­gie­rung, an eine der größ­ten Bla­ma­gen west­li­cher Russ­land­ken­ner. Bei ei­ner An­hö­rung vor dem US-Kon­gress er­zähl­te er von der Hoch­zeit des Kal­ten Kriegs in den Acht­zi­ger­jah­ren, als die Angst vor dem Un­ter­gang der Welt durch ei­nen Nu­kle­arkrieg um­ging. »Wir ha­ben da­mals ge­glaubt, die kalt­blü­ti­gen und kühl kal­ku­lie­ren­den So­wjets wür­den nur auf eine Ge­le­gen­heit lau­ern, den Wes­ten an­zu­grei­fen«, be­rich­te­te er. Der Lauf der Ge­schich­te habe dann aber ge­zeigt, »wie dumm wir wa­ren und wie viel Glück wir hat­ten«. Dumm, weil die Kreml­füh­rung – wie sich nach dem Un­ter­gang des So­wjet­im­pe­ri­ums her­aus­stell­te – ge­nau­so ängst­lich auf die US-Nu­kle­ar­streit­kräf­te blick­te wie der Wes­ten auf so­wje­ti­sche Bom­ber und Ra­ke­ten. Das hat­ten vie­le Krem­lastro­lo­gen schlicht über­se­hen. Und Glück, weil der Rüs­tungs­wett­lauf trotz die­ser Fehl­ein­schät­zung fried­lich zu Ende ging.

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