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Frü­her war al­les schlech­ter

Arbeits­un­fälle

Vie­le stol­pern, die we­nigs­ten ster­ben. Ein Ar­gu­ment da­für, zum Wo­chen­an­fang vor­sichts­hal­ber im Bett zu blei­ben: An Mon­ta­gen ist die Ge­fahr, am Ar­beits­platz vom Stuhl oder vom Ge­rüst zu fal­len, sich zu ver­bren­nen, ein Bein zu bre­chen, den Kopf im Fahr­stuhl ein­zu­klem­men, sta­tis­tisch ge­se­hen am größ­ten. Je­den­falls nimmt die Zahl der Un­fäl­le im Lauf der Wo­che ab. Rück­läu­fig ist auch die Zahl der Ar­beits­un­fäl­le ins­ge­samt. Für 1992 zählt die Deut­sche Ge­setz­li­che Un­fall­ver­si­che­rung 1 874 713 ge­mel­de­te Un­fäl­le am Ar­beits­platz, wo­von 1443 töd­lich en­de­ten. Das wa­ren 4 Tote pro Tag. Nur 25 Jah­re spä­ter, im Jahr 2016, ist die Zahl der Un­fäl­le un­ter den 43,4 Mil­lio­nen Er­werbs­tä­ti­gen in Deutsch­land auf we­ni­ger als die Hälf­te ge­sun­ken (876 579), die der To­ten auf 424, so we­ni­ge wie nie zu­vor. Wo­her rührt der enor­me Fort­schritt? Vie­le ge­fähr­li­che Tä­tig­kei­ten von da­mals sind schlicht ver­schwun­den, in­dus­tri­el­le Hebe- und Schweiß­ar­bei­ten etwa wer­den mehr und mehr von Ma­schi­nen oder Ro­bo­tern er­le­digt. Als Le­bens­ret­ter fei­ern darf man aber auch bü­ro­kra­ti­sche Un­ge­tü­me mit schlim­men Ab­kür­zun­gen wie das „Arb­SchG“ (Ar­beits­schutz­ge­setz), das die Ar­beit­ge­ber seit 1996 zu Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen und zu Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men ver­pflich­tet. Klar ist: Die Re­dens­art „sich zu Tode ar­bei­ten“ fin­det – wört­lich ver­stan­den – in der deut­schen Ar­beits­welt im­mer we­ni­ger Ent­spre­chung.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 19/2017.