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GE­STOR­BEN

MICHAEL BOGDANOV, 78

Der bri­ti­sche Thea­ter­ma­cher, Sohn ei­nes Rus­sen und ei­ner Wa­li­se­rin, un­ter­schied sich schon durch sein le­bens­fro­hes Ge­müt von den oft mie­se­pe­tri­gen deut­schen Re­gis­seurs­kol­le­gen. „Es gibt kaum ein Land, das ein so gro­ßes künst­le­ri­sches Po­ten­zi­al hat und das so un­ter Ver­stop­fung lei­det wie Deutsch­land“, ver­kün­de­te Bog­da­nov am Ende sei­ner In­ten­dan­ten­zeit am Ham­bur­ger Schau­spiel­haus, das er von 1989 bis 1991 lei­te­te. Be­vor er Re­gis­seur wur­de, hat­te er Ger­ma­nis­tik stu­diert und als Ka­ba­ret­tist und Bar­be­trei­ber Geld ver­dient. 1970 as­sis­tier­te er dem Meis­ter­re­gis­seur Pe­ter Brook in Lon­don bei des­sen „Som­mer­nachts­traum“, da­nach brach­te er es dort am Young Vic Thea­t­re mit durch Ge­gen­warts­kla­mot­ten und mo­der­ne Tech­nik auf­ge­pepp­ten Shake­speare-In­sze­nie­run­gen zu ers­tem Ruhm. In den Acht­zi­gern sorg­te er mit Howard Bren­tons „The Ro­mans in Bri­tain“ für Skan­dal­lärm we­gen ei­ner ho­mo­se­xu­el­len Ver­ge­wal­ti­gungs­sze­ne, er war Ko­di­rek­tor am Lon­do­ner Na­tio­nal Thea­t­re und grün­de­te eine Rei­se­trup­pe mit dem un­be­schei­de­nen Na­men „The Eng­lish Shake­speare Com­pa­ny“. Als Pe­ter Za­dek für ein paar tur­bu­len­te Jah­re die Lei­tung am Schau­spiel­haus über­nahm, hol­te er Bog­da­nov 1986 für eine tol­le „Ju­li­us Cä­sar“-Ar­beit. Bog­da­novs ei­ge­ne In­ten­danz ge­riet dann eher glück­los. Der stets welt­läu­fi­ge Thea­ter­mann fand in spä­ten Jah­ren in Ham­burg eine zwei­te Hei­mat und ar­bei­te­te un­ver­dros­sen be­geis­tert an klei­ne­ren Büh­nen der Stadt, so­gar am Ohn­sorg-Thea­ter. Mi­cha­el Bog­da­nov starb wäh­rend ei­nes Grie­chen­land­ur­laubs am 16. April an Herz­ver­sa­gen.

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CLIFTON JAMES, 96

Der US-Schau­spie­ler konn­te eine wun­der­bar wind­schie­fe Schnu­te zie­hen, sein mal­men­der Kie­fer schien dann auf dem Weg zum Na­cken zu sein. Der Süd­staa­ten-She­riff J. W. Pep­per, den Ja­mes in den Bond-Fil­men „Le­ben und ster­ben las­sen“ (1973) und „Der Mann mit dem gol­de­nen Colt“ (1974) ver­kör­per­te, ist eine der ver­gnüg­lichs­ten Ne­ben­fi­gu­ren, die 007 je hat­te. Ja­mes mach­te aus der eher un­dank­ba­ren Rol­le eine herr­lich skur­ri­le, un­be­dingt lie­bens­wer­te Knall­char­gen­num­mer. Es war fort­an im­mer eine gro­ße Freu­de, ihn bei sei­nen Auf­trit­ten in Se­ri­en wie „Dal­las“ oder Ki­no­fil­men wie „Fe­ge­feu­er der Ei­tel­kei­ten“ zu se­hen. Clif­ton Ja­mes starb am 15. April in Glads­to­ne, Ore­gon.

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BERND FRITZ, 71

Un­ter fal­schem Na­men, als Gra­fi­ker Tho­mas Rau­ten­berg, schmug­gel­te sich der da­ma­li­ge „Ti­ta­nic“-Chef­re­dak­teur 1988 in die ZDF-Show „Wet­ten, dass ..?“ und be­ein­druck­te sei­nen Gast­ge­ber Tho­mas Gott­schalk mit der Be­ga­bung des Stif­te-Er­schme­ckens. Noch wäh­rend der Show bla­mier­te der Kan­di­dat aber Gott­schalk da­mit, ei­gent­lich „kei­ne Ah­nung zu ha­ben, wor­an man das er­ken­nen könn­te“. Er und das ZDF sei­en ei­nem Fake auf­ge­ses­sen. Die Bril­le saß näm­lich schief, wo­durch er die Far­ben se­hen konn­te – die­sen Trick gab Fritz in der nächs­ten Aus­ga­be der Sa­ti­re­zeit­schrift preis und er­ziel­te da­mit eine Re­kord­auf­la­ge bei der „Ti­ta­nic“. 1990 gab der Jour­na­list die Re­dak­ti­ons­lei­tung ab, da­nach schrieb er für an­de­re Zei­tun­gen, vor al­lem für die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne“. Bernd Fritz starb am 16. April durch Sui­zid.

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BERND FRITZ, 71

Un­ter fal­schem Na­men, als Gra­fi­ker Tho­mas Rau­ten­berg, schmug­gel­te sich der da­ma­li­ge „Ti­ta­nic“-Chef­re­dak­teur 1988 in die ZDF-Show „Wet­ten, dass ..?“ und be­ein­druck­te sei­nen Gast­ge­ber Tho­mas Gott­schalk mit der Be­ga­bung des Stif­te-Er­schme­ckens. Noch wäh­rend der Show bla­mier­te der Kan­di­dat aber Gott­schalk da­mit, ei­gent­lich „kei­ne Ah­nung zu ha­ben, wor­an man das er­ken­nen könn­te“. Er und das ZDF sei­en ei­nem Fake auf­ge­ses­sen. Die Bril­le saß näm­lich schief, wo­durch er die Far­ben se­hen konn­te – die­sen Trick gab Fritz in der nächs­ten Aus­ga­be der Sa­ti­re­zeit­schrift preis und er­ziel­te da­mit eine Re­kord­auf­la­ge bei der „Ti­ta­nic“. 1990 gab der Jour­na­list die Re­dak­ti­ons­lei­tung ab, da­nach schrieb er für an­de­re Zei­tun­gen, vor al­lem für die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne“. Bernd Fritz starb am 16. April durch Sui­zid.

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FRANK DOSTAL, 71

Er war nicht von An­fang an da­bei, aber er war der Sän­ger der Ratt­les, der deut­schen Ant­wort auf die Beat­les, ab 1966 als Nach­fol­ger von Achim Rei­chel. Zu­sam­men mit Rei­chel über­nahm er 1969 auch den Ham­bur­ger Star-Club, den La­den, der die Beat­les groß ge­macht hat­te. Seit den Sieb­zi­ger­jah­ren ar­bei­te­te Dos­tal dann an Tex­ten für zahl­rei­che Songs, die es in die Charts schaff­ten: „Das Lied der Schlümp­fe“ (ein Hit mit Va­der Abra­ham) oder „Du, die Wan­ne ist voll“ (für Hel­ga Fed­der­sen und Die­ter Hal­ler­vor­den). Auch die Ly­rics für „Yes Sir, I Can Boo­gie“ des Duos Bac­ca­ra stamm­ten von ihm. Zu­letzt war er Vi­ze­chef der Rech­te­ver­wer­tungs­ge­sell­schaft Gema. Frank Dos­tal starb am 18. April in Ham­burg.

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FRANK DOSTAL, 71

Er war nicht von An­fang an da­bei, aber er war der Sän­ger der Ratt­les, der deut­schen Ant­wort auf die Beat­les, ab 1966 als Nach­fol­ger von Achim Rei­chel. Zu­sam­men mit Rei­chel über­nahm er 1969 auch den Ham­bur­ger Star-Club, den La­den, der die Beat­les groß ge­macht hat­te. Seit den Sieb­zi­ger­jah­ren ar­bei­te­te Dos­tal dann an Tex­ten für zahl­rei­che Songs, die es in die Charts schaff­ten: „Das Lied der Schlümp­fe“ (ein Hit mit Va­der Abra­ham) oder „Du, die Wan­ne ist voll“ (für Hel­ga Fed­der­sen und Die­ter Hal­ler­vor­den). Auch die Ly­rics für „Yes Sir, I Can Boo­gie“ des Duos Bac­ca­ra stamm­ten von ihm. Zu­letzt war er Vi­ze­chef der Rech­te­ver­wer­tungs­ge­sell­schaft Gema. Frank Dos­tal starb am 18. April in Ham­burg.

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CARL MANNER, 87

Weil sie ihn „im Hals krat­zen“, moch­te das Wie­ner Ur­ge­stein die welt­be­kann­ten Scho­ko­waf­feln an­geb­lich gar nicht be­son­ders gern. Trotz­dem leb­te Carl Man­ner für die Fir­ma, Öster­reichs größ­ten Süß­wa­ren­her­stel­ler. Sein Groß­va­ter Jo­sef hat­te 1898 die „Nea­po­li­ta­ner Schnit­ten No. 239“ er­fun­den, die zu­nächst ein­zeln ver­kauft wur­den und heu­te in ih­rer hell­ro­sa Alu­ver­pa­ckung ein ös­ter­rei­chi­scher Ex­port­schla­ger sind. 1953 stieg der pro­mo­vier­te Ma­the­ma­ti­ker und Phy­si­ker in das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men ein und war bis zu­letzt Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der. Carl Man­ner starb am 19. April in Wien.

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CARL MANNER, 87

Weil sie ihn „im Hals krat­zen“, moch­te das Wie­ner Ur­ge­stein die welt­be­kann­ten Scho­ko­waf­feln an­geb­lich gar nicht be­son­ders gern. Trotz­dem leb­te Carl Man­ner für die Fir­ma, Öster­reichs größ­ten Süß­wa­ren­her­stel­ler. Sein Groß­va­ter Jo­sef hat­te 1898 die „Nea­po­li­ta­ner Schnit­ten No. 239“ er­fun­den, die zu­nächst ein­zeln ver­kauft wur­den und heu­te in ih­rer hell­ro­sa Alu­ver­pa­ckung ein ös­ter­rei­chi­scher Ex­port­schla­ger sind. 1953 stieg der pro­mo­vier­te Ma­the­ma­ti­ker und Phy­si­ker in das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men ein und war bis zu­letzt Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der. Carl Man­ner starb am 19. April in Wien.

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HAJO WANDSCHNEIDER, 91

„In ei­ner be­dräng­ten Si­tua­ti­on zur Sei­te zu ste­hen, wo kein an­de­rer mehr da ist“ – so be­schrieb der Ham­bur­ger Star­an­walt sei­ne Rol­le. Er ver­tei­dig­te so un­ter­schied­li­che Be­schul­dig­te wie den Jour­na­lis­ten Con­rad Ah­lers in der SPIEGEL-Af­fä­re, die RAF-Ter­ro­ris­tin Su­san­ne Al­brecht, die Pa­läs­ti­nen­se­rin So­u­hai­la An­dra­wes, Mit­ent­füh­re­rin des Flug­zeugs „Lands­hut“, und Rei­ner Pfeif­fer, der maß­geb­lich den Skan­dal um den Kie­ler Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Uwe Bar­schel aus­ge­löst hat­te. Wand­schnei­der trat han­sea­tisch zu­rück­hal­tend auf und setz­te die Ar­beit sei­nes Va­ters Erich fort, der eben­falls ein bril­lan­ter Straf­ver­tei­di­ger ge­we­sen war und den KPD-Spit­zen­funk­tio­när Ernst Thäl­mann, aber auch Mit­tä­ter des Na­zi­re­gimes ver­tre­ten hat­te. Ge­schlif­fe­ne Plä­doy­ers und Schrift­sät­ze wa­ren das Mar­ken­zei­chen von Hajo Wand­schnei­der, der auch Grün­dungs­mit­glied der Ham­bur­ger Sek­ti­on von Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal war. Hajo Wand­schnei­der starb am 25. März in Ham­burg.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 17/2017.