Kapitel 1
Harter Stoff – Leichter Zugang

Alles begann mit einer Flasche Hustensaft.

Martin L., erfolgreicher Unternehmer, genug Geld, glücklich verheiratet mit seiner ersten großen Liebe, wurde sie vom Arzt verschrieben. Codein, nicht ungewöhnlich gegen Husten. Doch für Martin L. wurde das Fläschchen zur Einstiegsdroge:

Es gibt viele Martin L.s in Deutschland.

1,1 Millionen Menschen

nehmen nach Schätzungen von Experten täglich Opioide. Und viele bleiben darauf hängen. Die Verschreibungszahlen starker Schmerzmittel sind so hoch wie nie. Die Stoffe heißen Tramadol, Fentanyl oder Codein. Manche der Substanzen machen abhängig wie Heroin und sind dem illegalen Rauschgift in der Wirkungsweise sehr ähnlich:

Es sind Schmerzmittel, die töten können.

Und doch ist der Zugang zu ihnen über das Internet leicht. Die Nachfrage ist groß, der Onlinehandel mit Arzneimitteln boomt. Auch die organisierte Kriminalität hat das Milliardengeschäft mit Medikamenten für sich entdeckt.

Wir starten unseren zweiten Selbstversuch. Auch diese starken Designeropioide möchten wir kaufen. Und wir möchten wissen, ob die Stoffe wirklich das beinhalten, was die Händler versprechen:

Schmerzmittel, die stärker wirken als Heroin – tatsächlich ist die Wirkungsweise von Opioiden und Opiaten sehr ähnlich. Viele Experten befürchten, dass die Schmerzmittelnutzer von heute die Heroinsüchtigen von morgen sein könnten:

Kapitel 2
Heroin und Schmerzmittel

Im Drob Inn jagen die Abhängigen dem Rausch mithilfe illegaler Drogen nach – teilweise mehrfach täglich. Martin L. befriedigte seine Opioidsucht ganz legal, auf Rezept. Er ist privatversichert, da stellten nur wenige Fragen, auch seine Ärzte nicht. Viele Mediziner unterschätzen das Gefahrenpotenzial starker Schmerzmittel. Stattdessen werden Opioide in Deutschland so häufig verschrieben wie nie.

Kapitel 3
Deutschland im Schmerzmittelrausch

Die Zahlen aus den Arzneiverordnungs-Reporten sind alarmierend: Mittlerweile verordnen Ärzte in Deutschland dreimal so viele opioide Schmerzmittel wie noch vor 20 Jahren. 2015 waren es insgesamt

410 Millionen Tagesdosen.

In Verschreibungen pro Sekunde klingt das so:

Was sagen die Experten, die wir getroffen haben?


An starke Arzneimittel kommt man in Deutschland zu leicht. Die Folge: Etwa

2,3 Millionen Deutsche

sind medikamentenabhängig. Und Suchtexperten befürchten: Die Situation könnte sich noch verschlimmern.

Das Team

Autoren Alexander Epp, Olaf Heuser

Redaktion Jens Radü

Kamera Alexander Epp, Maria Feck, Olaf Heuser, Robert Ziffer-Teschenbruck

Schnitt Alexander Epp

Fotografie Maria Feck

Animation Birk Reddehase, Lorenz Kiefer

Layout Elsa Hundertmark

3D-Rendering Visoric

Dokumentation Vasilios Papadopoulos

Datenanalyse Christina Elmer, Patrick Stotz

Bildredaktion Elisabeth Kolb

Videomaterial USA Karin Assman

Programmierung Tobias Hellwig, Lorenz Kiefer

Programmierung 360-Grad-Videos Kai Hagelstein

Zusätzliche Fotos

LELA AHMADZAI, S. SABAWOON / DPA, BORIS ROESSLER / DPA, MAURITIUS IMAGES, ALAMY / MAURITIUS IMAGES, ULLSTEIN, MARKUS BRUNNER / MAURITIUS IMAGES, AKITOGO F1ONLINE / MEDICIMAGE LTD / AGE, SCIENCE PHOTO LIBRARY / VARIO IMAGES, EFFIGOS AG / INTERFOTO

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